Inhalt: Als die böse Königin (Gal Gadot) verlangt, dass ihre Stieftochter Schneewittchen (Rachel Zegler) sterben soll, ist die Prinzessin gezwungen, sich tief im Wald vor ihren Verfolgern zu verstecken.
Film Kritik
Als Schneewittchen und die sieben Zwerge 1937 in die Kinos kam, wurde er zunächst als „Disneys Dummheit“ belächelt. Doch der Zeichentrickfilm entwickelte sich rasch zu einem künstlerischen und kommerziellen Meilenstein. Die neue Realverfilmung hingegen, die bereits im Vorfeld von negativen Kritiken und Berichten über kreative Schwierigkeiten überschattet wurde, dürfte kaum einen ähnlichen Einfluss haben. Trotz der starken Darbietungen der Hauptdarsteller und einer langen Produktionszeit gelingt es dem Film nicht, eine durchgehende visuelle Harmonie zwischen realen und künstlichen Kulissen zu schaffen.
Regisseur Marc Webb orientiert sich stark an Kenneth Branaghs Cinderella und gibt seiner Schneewittchen-Figur eine selbst bestimmtere Rolle. Rachel Zeglers Version der Märchenfigur träumt nicht nur davon, dass ihr Prinz sie rettet, sondern möchte eine mutige Anführerin sein. Ihr Ziel ist es, den gesellschaftlichen Zusammenhalt wiederherzustellen und das Mitgefühl untereinander zu stärken. Eine lobenswerte, politisch aktuelle Botschaft – die jedoch so oft betont wird, dass sie beinahe aufgesetzt wirkt. Ihre Gegenspielerin ist Gal Gadot als böse Königin, die mit funkelnden Juwelen und skrupelloser Boshaftigkeit für eine fesselnde Performance sorgt. Ihre Figur ist durch und durch böse, und sie genießt es sichtlich, diese Rolle voll auszuleben.
Die Geschichte bleibt im Kern vertraut: Schneewittchen verliert ihre geliebte Mutter und ihren Vater, der vorher noch eine skrupellose Intrigantin geheiratet hat. Unterdrückt und als Dienstmädchen degradiert, wird sie schließlich von der eifersüchtigen Königin verfolgt und flieht in den Wald, wo sie bei einer Gruppe von Außenseitern Zuflucht findet. Und natürlich gibt es Lieder, die Zegler wunderbar vorträgt, von den Originalmelodien bis zu den weitgehend gelungenen Neukompositionen. Der Film verfolgt die clevere Idee, dass die magischen Kräfte der Königin irgendwie von ihrer Schönheit herrühren, so dass Schneewittchens zunehmendes gutes Aussehen eher eine existenzielle Bedrohung darstellt als eine rein egoistische.
Ein Film zwischen Tradition und Unsicherheit
Eine der größten Herausforderungen des Films sind die Zwerge. Statt auf real gedrehte Darsteller zu setzen, wurden sie mithilfe von CGI animiert – mit enttäuschendem Ergebnis. Ihre digitale Darstellung wirkt unnatürlich und harmoniert nicht mit der realen Umgebung. Der Übergang zwischen dem märchenhaften Zauberwald und den echten Filmsets ist nicht überzeugend, wodurch die Immersion des Publikums leidet. Disney geriet bereits vorab in die Kritik, weil ursprünglich der Vorschlag im Raum stand, kleinwüchsige Schauspieler für die Rollen zu besetzen. Letztlich entschied man sich für einen digitalen Ansatz, der jedoch weder visuell überzeugt noch eine echte Lösung bietet.
Man kann also verstehen, dass sich die Filmemacher in einer Falle gefangen fühlten, aber das ist keine Lösung. Man hat das Gefühl, dass Jonathans Banditen einmal als Ersatz für das ursprüngliche Septett gedacht waren, aber stattdessen stehen sie nun neben offensichtlich „falschen“ Figuren, die sich weder echt anfühlen noch echt aussehen. Die Realverfilmung wirkt an vielen Stellen so, als sei sie mehrfach überarbeitet worden, um den unterschiedlichsten Erwartungen gerecht zu werden. Während Rachel Zegler und Gal Gadot ihre Rollen mit Leidenschaft verkörpern und einige Szenen tatsächlich magische Momente bieten, wird der Gesamteindruck durch visuelle Unstimmigkeiten und kreative Kompromisse geschwächt.
Disney scheint sich nicht entschieden zu haben, ob es eine nostalgische Märchenverfilmung oder eine moderne Neuinterpretation erschaffen wollte. Man spürt die Einmischung des Studios, das Angst hatte, Zwerge in den Film zu bringen, aber auch Angst, sie wegzulassen; Angst, eine Prinzessin in den Mittelpunkt zu stellen, aber auch Angst, sie zu sehr neu zu erfinden; Angst, sich ins Zeichentrickhafte zu begeben oder auf Realismus zu setzen. Disney hat versucht, einfach die Vergangenheit zu wiederholen, anstatt etwas komplett Neues zu wagen. Das ist die größte Dummheit von allen.
Fazit: Letztlich ist Schneewittchen am stärksten, wenn es eine klassische Disney-Prinzessinnengeschichte erzählt, untermalt von Gesang und Tanz. Doch immer dann, wenn die digitalen Zwerge auftauchen, ist der Film an schwächsten. Disneys Versuch, die Magie des Originals in die Gegenwart zu transportieren, zeigt, wie schwierig es ist, Nostalgie und Fortschritt in Einklang zu bringen.
Film Bewertung 5 / 10
