Inhalt: RENTAL FAMILY erzählt die Geschichte eines in Tokio lebenden US-Schauspielers (Brendan Fraser), der auf der Suche nach einem Sinn in seinem Leben ist, bis es ihm gelingt, einen ungewöhnlichen Job an Land zu ziehen. Für eine japanische „Rental Family“-Agentur schlüpft er in unterschiedliche Rollen und spielt als Familienmitglied den Sohn, Ehemann oder Vater. Während er mehr und mehr in die Lebenswelten seiner Kunden eintaucht und ihnen hilft ihre familiären Lücken zu füllen, beginnt er echte Bindungen aufzubauen, die die Grenzen zwischen Schauspiel und Realität verschwimmen lassen. In der Auseinandersetzung mit den moralischen Aspekten seines neuen Jobs, entdeckt er den Sinn im Leben, das Gefühl von Zusammengehörigkeit und die Schönheit zwischenmenschlicher Beziehungen neu.
Brendan Fraser als Herzstück eines leisen Films
Was wäre, wenn Hirokazu Kore-eda eine Folge von „The Rehearsal“ für HBO inszenieren würde? Auf dem Papier fühlt sich Rental Family nämlich genau so an. Ähnlich wie Kore-edas Film After Life oder die eigenwillige Nathan-Fielder-Serie bewegt sich Rental Family im Spannungsfeld zwischen Inszenierung und Echtheit. Im Mittelpunkt steht eine Schauspieltruppe, die ihre Dienste vermietet, um anderen Menschen emotional zu helfen, oder zumindest das Gefühl davon zu vermitteln.
Diese Dienstleistung ist keine Erfindung, sondern Teil einer real existierenden Branche in Japan. Man kann Trauergäste für eine fingierte Beerdigung buchen oder, in deutlich ambivalenteren Fällen, eine Geliebte, die sich von der betrogenen Ehefrau beschimpfen lässt. „Wir verkaufen Emotionen“, lautet der nüchterne Leitspruch von Agenturchef Shinji, gespielt von Takehiro Hira. Innerhalb dieses Ensembles ist Phillip der einzige weiße Amerikaner. Verkörpert wird er von Brendan Fraser, der hier erneut zeigt, warum er zu den empathischsten Darstellern seiner Generation gehört.
Phillip übernimmt unterschiedlichste Rollen. Er interviewt als angeblicher Auslandskorrespondent den pensionierten Schauspieler Kikuo Hasegawa, gespielt von Akira Emoto, und gibt sich als entfremdeter Vater der jungen Mia aus. Deren Mutter hofft, dass eine inszenierte Vater-Tochter-Beziehung der Aufnahme an einer Eliteschule hilft. Diese Rolle passt zu Fraser wie ein maßgeschneiderter Anzug. Er spielt Phillip mit einer Offenheit, Emotionalität und Empathie, die jeden Moment aus seinen großen, Oscar-prämierten Augen herausströmen könnte.

Gefühl gegen Zurückhaltung
Seine sanfte Art verleiht der Figur zugleich Verspieltheit und Selbstbewusstsein. Phillip wirkt wie jemand, der Halt sucht und gleichzeitig Halt geben möchte. Entscheidend ist, dass Fraser ihn zu einer Figur macht, die man nur schwer zurückweisen kann, eine zentrale Eigenschaft, wenn der eigene Beruf auf Täuschung basiert. Regisseurin Hikari scheut dabei nicht vor dem Schmerz zurück, den diese Form emotionaler Dienstleistung verursachen kann. Sie treibt ihn jedoch auch nie ins Zynische oder Abgründige.
Immer wieder spürt man, wie Phillips moralischer Kompass schwankt, besonders im Umgang mit dem jungen Mädchen, dessen Vater er nur spielt. Doch ein Blick, ein leises Lächeln oder eine Träne reichen, um den Film wieder in warmherzige Gefilde zu lenken. Die ruhige japanische Landschaft und kulturelle Details schaffen Raum für Beziehungen, denen sich Phillip kaum entziehen kann. Je intensiver diese Bindungen werden, desto stärker gleitet Rental Family in Richtung Sentimentalität, mitunter bis an die Grenze zur Rührseligkeit.
Zwar versucht Fraser, die Geschichte zu erden, und kürzere Nebenstränge, etwa um die verschmähte Leih-Frau Aiko, gespielt von Mari Yamamoto, liefern interessante Einblicke in diese sehr reale Branche. Doch sie bleiben eingebettet in eine bewusst sanfte, fast zuckersüße Erzählweise. Der Film entscheidet sich eindeutig für die Leichtigkeit des menschlichen Daseins und gegen den tieferen Pessimismus, den seine Prämisse durchaus hergeben würde. Gerade hier hätte Rental Family mutiger sein können.
Fazit: Auch wenn die Umsetzung nicht immer mit der außergewöhnlichen Prämisse Schritt halten kann, ist Brendan Fraser doch ein sympathischer Fixstern in dieser eingängigen Geschichte über Einsamkeit, Vertrautheit und die komplexen menschlichen Beziehungen.
Film Bewertung 8 / 10





