Parallele Leben

Nach seiner Weltpremiere im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Cannes erhält der neue Film des zweifachen Oscar-Preisträgers Asghar Farhadi einen deutschen Kinostart. „Parallele Leben“ kommt am 3. Dezember 2026 in die deutschen Kinos. Gleichzeitig wurden das deutsche Poster und neue Bilder aus dem Film veröffentlicht.

Farhadi versammelt für sein neues Drama ein außergewöhnlich prominent besetztes französisches Ensemble. Isabelle Huppert übernimmt die Hauptrolle einer Schriftstellerin, deren Beobachtungen der Menschen in ihrer Nachbarschaft zur Grundlage eines neuen Romans werden. An ihrer Seite spielen Virginie Efira, Vincent Cassel, Pierre Niney, Adam Bessa und Catherine Deneuve. Die Geschichte entwickelt aus einer scheinbar harmlosen Beobachtung zunehmend ein Spiel mit Wahrnehmung, Erfindung und Realität.

Eine Schriftstellerin beobachtet das Leben auf der anderen Straßenseite

Isabelle Huppert spielt die Pariser Schriftstellerin Sylvie. Sie lebt zurückgezogen in einer Wohnung voller Bücher und kämpft gleichzeitig mit einer hartnäckigen Schreibblockade. Die Geschichten, die ihr früher offenbar selbstverständlich zuflogen, wollen sich nicht mehr einstellen. Auf der Suche nach Inspiration beginnt Sylvie, ihre Umgebung genauer zu beobachten. Durch ein altes Fernrohr richtet sie ihren Blick auf eine Wohnung auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Dort arbeiten die Brüder Nicolas und Théo gemeinsam mit ihrer Kollegin Nita. Vincent Cassel spielt Nicolas, Pierre Niney übernimmt die Rolle des Théo und Virginie Efira ist als Nita zu sehen. Die drei arbeiten mit Filmen und vertonen gemeinsam Szenen.

Für Sylvie entsteht daraus eine Art privates Kino. Sie sieht Bewegungen, Begegnungen und Situationen, kann jedoch nicht hören, was die Menschen miteinander sprechen. Genau diese Lücke beginnt sie mit ihrer Fantasie zu füllen. Was sie sehen kann, übernimmt sie in ihre Geschichten. Was außerhalb ihrer Wahrnehmung liegt, erfindet sie hinzu. Damit erschafft Sylvie zunehmend eigene Versionen vom Leben der Menschen gegenüber.

Virginie Efira und Adam Bessa in Parallele Leben (2026)
Virginie Efira und Adam Bessa in Parallele Leben (2026) © STUDIOCANAL

Aus Beobachtungen entstehen Geschichten – und Geschichten verändern die Realität

Zunächst scheint Sylvie lediglich neues Material für ihren Roman gefunden zu haben. Die Menschen gegenüber werden zu Figuren, deren Beziehungen und Konflikte sie nach eigenen Vorstellungen interpretiert. Der entscheidende Reiz liegt darin, dass Sylvie nur einen Teil der Wahrheit kennt. Sie sieht Situationen ohne ihren vollständigen Zusammenhang und konstruiert daraus Erzählungen. Kleine Gesten können dadurch eine vollkommen andere Bedeutung erhalten. Ein Blick wird zum Hinweis auf eine Beziehung, eine Auseinandersetzung möglicherweise zum Ausgangspunkt eines größeren Konflikts.

Farhadi nutzt diese Ausgangslage für ein Motiv, das sich durch zahlreiche seiner Filme zieht: die Unsicherheit darüber, wie zuverlässig unsere Wahrnehmung tatsächlich ist. Komplizierter wird die Situation, als Sylvie den jungen Adam, gespielt von Adam Bessa, engagiert, um sie in ihrem Alltag zu unterstützen. Mit seiner Anwesenheit beginnt sich die Grenze zwischen Sylvies erfundenen Geschichten und ihrem tatsächlichen Leben zunehmend aufzulösen. Ihre Vorstellungen bleiben nicht länger ausschließlich auf den Seiten ihres Romans. Die Fiktion beginnt, einen Weg zurück in die Wirklichkeit zu finden.

Isabelle Huppert in Parallele Leben (2026)
Isabelle Huppert in Parallele Leben (2026) © STUDIOCANAL

Asghar Farhadi kehrt zu seinen zentralen Themen zurück

Asghar Farhadi gehört zu den international erfolgreichsten iranischen Filmemachern. Für „Nader und Simin – Eine Trennung“ gewann er 2012 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Diesen Erfolg wiederholte er 2017 mit „The Salesman“. Seine Filme beschäftigen sich häufig mit moralischen Konflikten, unterschiedlichen Perspektiven und Situationen, in denen sich eine vermeintlich eindeutige Wahrheit bei genauerer Betrachtung zunehmend auflöst. Auch „Parallele Leben“ knüpft an diese Themen an. Die entscheidende Frage lautet nicht nur, was Sylvie tatsächlich beobachtet.

Ebenso wichtig ist, welche Bedeutung sie den gesehenen Situationen zuschreibt – und wie sehr diese Interpretation anschließend ihr eigenes Verhalten beeinflusst. Aus einer Geschichte über eine Schriftstellerin mit Schreibblockade entwickelt sich damit zunehmend ein psychologisches Drama, in dem das Alltägliche Elemente eines Thrillers annimmt. Farhadi schrieb das Drehbuch gemeinsam mit seinem Bruder Saeed Farhadi.

Französisches Star-Ensemble um Isabelle Huppert

Mit Isabelle Huppert steht eine der bekanntesten europäischen Schauspielerinnen im Mittelpunkt. Die vielfach ausgezeichnete Französin arbeitete im Laufe ihrer Karriere mit Regisseuren wie Michael Haneke, Claude Chabrol und Paul Verhoeven. Um sie herum versammelt Farhadi weitere prominente Namen des französischen Kinos. Virginie Efira ist als Nita zu sehen, Vincent Cassel und Pierre Niney spielen die Brüder Nicolas und Théo. Adam Bessa übernimmt die Rolle des jungen Adam. Zusätzlich gehört Catherine Deneuve zum Ensemble und ist in einer Nebenrolle zu sehen.

Die Kombination aus Farhadis Erzählweise und diesem Ensemble macht „Parallele Leben“ insbesondere zu einem Film über Wahrnehmung: Menschen beobachten andere Menschen, interpretieren ihr Verhalten und erschaffen daraus Wahrheiten, von denen zunächst niemand weiß, wie viel tatsächlich stimmt. Nach der Weltpremiere im Wettbewerb von Cannes folgt Ende des Jahres nun die reguläre deutsche Kinoauswertung.

„Parallele Leben“ startet am 3. Dezember 2026 im Verleih von STUDIOCANAL in den deutschen Kinos.