Inhalt: Als sein milliardenschwerer Boss vor seinen Augen einem Mordkomplott zum Opfer fällt, wird Cole Reed (Jason Statham) für das Verbrechen verantwortlich gemacht. Im Bestreben dessen Tod zu rächen und die Täter zu überführen, gelangt Reed an Bord eines Frachters und stößt dabei auf eine internationale Verschwörung. Im Alleingang startet Cole eine gnadenlose Racheaktion auf hoher See…
Harte Fäuste, wenig Worte und ein Frachter voller Gegner
Mit „Plane“ lieferten Drehbuchautor J.P. Davis und Regisseur Jean-François Richet 2023 einen angenehm geradlinigen Action-Thriller mit Gerard Butler ab. Ursprünglich sollte ausgerechnet „Mutiny“ daran anknüpfen. Das Projekt war zunächst als Fortsetzung unter dem passenden Titel „Ship“ geplant, wurde nach Butlers Ausstieg jedoch neu entwickelt. An seine Stelle trat Jason Statham – und damit ein Hauptdarsteller, für den ein Frachtschiff voller Gegner beinahe wie der natürliche nächste Arbeitsplatz erscheint. Das Ergebnis erinnert unweigerlich an „Stirb langsam“ auf hoher See, wäre dieses Terrain nicht spätestens seit „Alarmstufe: Rot“ längst besetzt.
Statham spielt Cole Reed, dessen milliardenschwerer Arbeitgeber vor seinen Augen einem Mordkomplott zum Opfer fällt. Reed wird für die Tat verantwortlich gemacht und gerät auf der Suche nach den Verantwortlichen an Bord eines Frachters, wo sich die Ereignisse zu einer internationalen Verschwörung ausweiten. Für Statham bedeutet das vor allem eines: wenig reden, Ärmel hochkrempeln und dafür sorgen, dass sich die Zahl seiner Gegner kontinuierlich reduziert.
Jean-François Richet inszeniert die Nahkämpfe erfreulich direkt. Reed kämpft kurz, hart und ohne große Showeinlagen. Seine Schläge haben Gewicht, Bewegungen bleiben nachvollziehbar und Gegenstände aus seiner unmittelbaren Umgebung werden kurzerhand zu Waffen. Haken, Vorhängeschlösser oder eine Harpune erfüllen plötzlich einen anderen Zweck als den ursprünglich vorgesehenen. Gerade in diesen Momenten funktioniert „Mutiny“ am besten, weil Richet Stathams physische Präsenz nutzt und auf übertriebene Choreografien weitgehend verzichtet.
Dabei fällt auf, wie ernst der Film seinen Protagonisten nimmt. Von dem trockenen Humor früherer Statham-Rollen ist kaum etwas vorhanden. In „Crank“ oder der „Transporter“-Reihe durfte er zwischen zwei Prügeleien noch einen bissigen Spruch fallen lassen. Cole Reed hingegen erledigt seine Gegner beinahe mechanisch. Statham spielt ihn als verschlossenen Mann, der seine Aufgabe abarbeitet und kaum Interesse daran zeigt, seine Situation mit einem Augenzwinkern zu kommentieren.
Zwischen den Kämpfen verliert „Mutiny“ an Fahrt
Grundsätzlich passt diese Konsequenz zum rauen Ansatz des Films. Nach „A Working Man“ bewegt sich Statham allerdings erneut auf sehr ähnlichem Terrain: ein wortkarger, körperlich überlegener Einzelkämpfer, der sich durch eine immer größere Zahl von Gegnern arbeitet. Die Action besitzt dadurch zwar die erwartete Härte, seiner Figur fehlt jedoch eine Eigenheit, die Cole Reed von zahlreichen anderen Rollen des Schauspielers unterscheiden würde.
Problematischer wird es immer dann, wenn niemand zuschlägt. Der Verschwörungsplot liefert zwar den notwendigen Anlass, Reed über das Schiff und durch die Handlung zu treiben, entwickelt dabei aber nur wenig Spannung. Viele Nebenfiguren bleiben funktionale Bestandteile der nächsten Konfrontation. Marines, Piraten, ehemalige Soldaten und Söldner treten auf, wechseln die Positionen und verschwinden wieder, ohne dass daraus ein besonders interessantes Geflecht aus Loyalitäten und Interessen entsteht.
Auch die Zusammenarbeit zwischen Reed und der dritten Offizierin, gespielt von Annabelle Wallis, kann diese Schwäche nur begrenzt auffangen. Ihre gemeinsame Dynamik bleibt erstaunlich zurückhaltend. Gerade hier hätte „Mutiny“ seinem schweigsamen Protagonisten ein Gegenüber geben können, das Reibung erzeugt und zwischen den Actionszenen etwas Persönlichkeit in die Geschichte bringt. Stattdessen bewegt sich ihre Zweckgemeinschaft ebenso geradlinig vorwärts wie der Frachter selbst.
Der Film beginnt vielversprechend
Dabei beginnt der Film durchaus vielversprechend. Eine extreme Nahaufnahme von Stathams zusammengekniffenen Augen erinnert kurz an die Bildsprache eines Sergio Leone und lässt eine deutlich stilisiertere Inszenierung erwarten. Doch Richet verfolgt diesen Ansatz nicht weiter. Stattdessen dominieren graue Stahlwände, enge Gänge und eine bewusst triste Farbgestaltung. Das passt zum industriellen Schauplatz, lässt die Bilder über die Laufzeit aber zunehmend eintönig erscheinen.
Selbst wenn schließlich Marines, Piraten, Ex-Militärs und Söldner aufeinandertreffen und das Schiff zum großen Kampfplatz wird, erreicht die Inszenierung selten mehr als solides Genrehandwerk. Das ist besonders schade, weil gerade das Frachtschiff mit seinen Maschinenräumen, Containern, Decks und engen Korridoren genügend Möglichkeiten für abwechslungsreiche Action bieten würde.
„Mutiny“ besitzt damit genau jene Qualitäten, die man von einem Jason-Statham-Film erwarten darf, ohne daraus besonders viel zu machen. Die Nahkämpfe sind hart, der Hauptdarsteller körperlich präsent und Richet versteht es, einen Schlag auch tatsächlich wie einen Schlag aussehen zu lassen. Doch zwischen diesen Momenten fehlt es an Spannung, Figurenzeichnung und visuellen Ideen. Für einen Action-Thriller auf hoher See bleibt das überraschend schwerfällig.
Fazit: Jason Statham prügelt sich gewohnt kompromisslos durch einen Frachter voller Gegner, doch „Mutiny“ findet außerhalb seiner knackigen Nahkämpfe kaum einen eigenen Rhythmus. Die Verschwörung bleibt dünn, die Figuren austauschbar und der Schauplatz wird visuell nur selten ausgeschöpft. Solides Actionhandwerk reicht diesmal nicht, um den Film über Wasser zu halten.
Film Bewertung 4 / 10





