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Wer darf die Geschichten von Mascha und dem Bären künftig weitererzählen? Darüber streiten Schöpfer Oleg Kuzovkov und die bisherige Produktionsseite vor Gericht. Kuzovkov entwickelt mit seiner neuen Firma Studio MiM einen Animationslangfilm. Die zu Animaccord gehörende Gesellschaft OOO „Mascha und der Bär“ beansprucht jedoch weiterhin die ausschließlichen Rechte an den bekannten Figuren und hat Klage gegen ihn erhoben. Gleichzeitig arbeitet Animaccord an der neuen Serie „Masha and the Three Bears“, die in der zweiten Jahreshälfte 2027 starten soll.

Nach dem Ende der Lizenz streiten beide Seiten um die Figuren

Auslöser des Konflikts ist ein 2010 geschlossener Lizenzvertrag, der 2025 auslief. Kuzovkov beendete danach die Zusammenarbeit und kündigte eigene Projekte an. Nach Darstellung von Studio MiM hat er mit dem Ende der exklusiven Lizenz wieder die kreative Kontrolle über seine Figuren erhalten. Die bisherige Rechteinhaberin widerspricht: Die Rechte an Mascha und dem Bären in ihrer bekannten, kommerziell genutzten Form lägen weiterhin ausschließlich bei der Gesellschaft.

Vor Gericht geht es deshalb darum, welche Rechte der Vertrag umfasste und was nach seinem Ablauf gilt. Kuzovkovs Vertretung trennt die Rechte an den fertigen Serienfolgen von denen an den Hauptfiguren. Sie legte einen Projektentwurf von 2007 mit Szenarien und Figurenbeschreibungen vor, den der Schöpfer bereits vor Beginn der Serienproduktion an Studios verschickt haben soll. Die Klägerseite hält dagegen, dass die heute bekannten Charaktere durch die schöpferische Arbeit innerhalb des Studios entstanden seien.

Das Verfahren läuft vor dem Kusminski-Bezirksgericht in Moskau. Nach einer Verhandlung im August wurde ein weiterer Termin für den 19. Oktober 2026 angesetzt. Zum Stand vom 28. Oktober lag für diese Recherche weder ein verlässlich bestätigtes Ergebnis dieses Termins noch ein rechtskräftiges Urteil vor. Die Frage, wer die umstrittenen Figuren künftig in welchem Umfang nutzen darf, bleibt damit offen.

Kuzovkov plant mit Studio MiM einen Neustart fürs Kino

Mit Studio MiM hat Kuzovkov eine unabhängige Animationsfirma mit Aktivitäten in Los Angeles und Moskau gegründet. Im Mai 2026 kündigte das Unternehmen einen Langfilm an, der sich nach eigenen Angaben bereits in der Vorproduktion befand. Die Figuren sollen für neue Abenteuer überarbeitet werden. Beibehalten will das Team den warmherzigen Humor und die Komik, die aus ihren Persönlichkeiten entsteht.

Der Film ist als Auftakt zu mehreren abendfüllenden Produktionen gedacht. Studio MiM will moderne Produktionsverfahren mit einer handwerklich geprägten 3D-Animation und Kuzovkovs ursprünglichem Erzählansatz verbinden. Einzelheiten zur Geschichte, zur Besetzung und zu Vertriebspartnern wurden in den bisherigen Ankündigungen noch nicht genannt.

Als Produktionsziel nennt das Unternehmen Ende 2028. Die Branchenberichte formulieren allerdings unterschiedlich, ob bis dahin der Film fertiggestellt oder seine Produktionspipeline aufgebaut sein soll. Ein verbindlicher Kinostart lässt sich daraus noch nicht ableiten. Ein deutscher Verleih und ein deutscher Starttermin sind ebenfalls nicht bestätigt.

Animaccord bringt Mascha mit drei Bärenbrüdern zusammen

Animaccord setzt unterdessen auf eine andere Konstellation: In „Masha and the Three Bears“ trifft Mascha auf drei Bärenbrüder, die gemeinsam in einem Haus im Wald leben. Senior Bear, Middle Bear und Junior Bear werden durch das energiegeladene Mädchen unvermittelt zu Betreuungspersonen. Jeder bringt einen eigenen Charakter und andere Vorstellungen von Erziehung mit. Aus diesen Unterschieden entstehen die Konflikte und komischen Situationen der neuen Serie. Mascha erhält dafür ein zeitgemäß gestaltetes Erscheinungsbild.

Als Grundlage dient das Märchen „Goldlöckchen und die drei Bären“. Anregungen holte sich das Team außerdem bei den französischen Komödien „Drei Männer und ein Baby“ und „Zwei irre Spaßvögel“ mit Pierre Richard und Gérard Depardieu. Erzählt werden sollen Geschichten aus dem Familienalltag: vom Zubettgehen über einen Haarschnitt bis zu kleinen gemeinsamen Abenteuern. Die im Mai 2026 angekündigte Serie wurde im Juni beim Animationsfestival in Annecy vorgestellt und anschließend auch im Umfeld der Brand Licensing Europe vermarktet. Parallel plant Animaccord ein Lizenzprogramm für verschiedene Produktbereiche.

Dass die neue Figurenkonstellation gezielt zur Umgehung des Rechtekonflikts entwickelt wurde, ist bislang nicht belegt. Der internationale Serienstart ist für die zweite Jahreshälfte 2027 vorgesehen. Welche Sender oder Streamingdienste „Masha and the Three Bears“ in Deutschland zeigen werden, wurde in den ausgewerteten Ankündigungen noch nicht bekannt gegeben.