LES MISÉRABLES -DIE GESCHICHTE VON JEAN VALJEAN

Der französische Erfolgsregisseur Éric Besnard wagt sich mit Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean mutig an Victor Hugos Monumentalwerk. Statt den gesamten Roman neu zu erzählen, konzentriert er sich auf dessen Fundament: die ersten rund 150 Seiten. Aus diesem Ausschnitt formt Besnard ein dichtes, emotional aufgeladenes Leinwanderlebnis über die Entstehung eines der berühmtesten Romanhelden der Weltliteratur. Dabei gelingt ihm das Kunststück, die Sprache und Moral des 19. Jahrhunderts mit einer modernen, heutigen Sensibilität zu verbinden.

Vom gebrochenen Menschen zum Wendepunkt des Lebens

In erschütternden Rückblenden zeichnet der Film nach, wie Gefängnis, Gewalt und Erniedrigung aus einem sensiblen Menschen einen von Wut und Misstrauen getriebenen Mann gemacht haben. Wir schreiben das Jahr 1815. Jean Valjean wird nach neunzehn Jahren Haft entlassen, verurteilt für den Diebstahl eines Brotes. Er verlässt das Gefängnis nicht als freier Mann, sondern als jemand, der innerlich verroht ist und an keine Gerechtigkeit mehr glaubt. Auf seiner verzweifelten Wanderschaft durch den Süden Frankreichs wird er abgewiesen, gedemütigt und erneut ausgegrenzt.

Erst die Begegnung mit Bischof Bienvenu wird zum Wendepunkt. Der Geistliche gewährt Valjean Gastfreundschaft, ohne Fragen zu stellen, und begegnet ihm mit einer Menschlichkeit, die dessen Weltbild erschüttert. Dieses Treffen lenkt Valjeans Leben in neue Bahnen und stellt ihn an einen Scheideweg: Kann ein Mann, den die Gesellschaft zum Monster gemacht hat, wieder lernen, gut zu sein?

Starkes Ensemble und konzentrierte Erzählkraft

Besnard vertraut ganz auf seine Darsteller, und diese Entscheidung zahlt sich aus. Grégory Gadebois trägt den Film mit einer herausragenden Performance. Mit großer Intensität macht er Jean Valjeans inneren Kampf sichtbar und verleiht der Figur eine rohe, körperliche Präsenz. Ihm zur Seite stehen Bernard Campan als warmherziger Geistlicher, Isabelle Carré als dessen Schwester und Alexandra Lamy als Hausangestellte. Gemeinsam formen sie ein Kammerspiel über Schuld, Vergebung und die zerstörerische Kraft von Vorurteilen.

Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean ist kein klassisches Historienepos, sondern eine konzentrierte Charakterstudie. Besnard verdichtet Victor Hugos große Themen auf einen entscheidenden Moment im Leben seines Helden und zeigt, wie aus Leid, Mitgefühl und moralischer Entscheidung ein neuer Mensch entstehen kann. Ein mutiger, emotionaler Zugang zu einem der bedeutendsten Stoffe der Literaturgeschichte.