Inhalt: In INSIDIOUS: OUT OF THE FURTHER spielt Amelia Eve eine junge Mutter namens Gemma, die ihre Tochter in dem Haus großzieht, in dem sie selbst aufgewachsen ist. Dort findet sie heraus, dass sie in das Ewigreich reisen kann – das Reich der verlorenen Seelen im Herzen des „Insidious“-Universums. Als etwas Böses hinter ihr her ist, entdeckt Gemma eine Fähigkeit, die alles verändert: Sie betritt nicht nur das Ewigreich, sondern kann auch das, was dort lebt, in die reale Welt zurückbringen. Sobald die Dämonen ihre Macht erkennen, wird unsere Welt zu ihrem Spielplatz.
Übernatürliche Ereignisse greifen zunehmend in das Leben der Familie ein
Seit mehr als 15 Jahren gehört die „Insidious“-Reihe zu den konstantesten Marken des modernen Mainstream-Horrors. Nachdem die Geschichte der Familie Lambert in „The Red Door“ 2023 zumindest vorläufig abgeschlossen wurde, richtet sich der Blick nun auf neue Figuren. „Insidious: Out Of The Further“ setzt deshalb nicht erneut auf Josh, Renai oder Dalton Lambert, sondern führt mit Gemma und ihrer Tochter Maya eine neue Familie in jene übernatürliche Zwischenwelt, die innerhalb der Reihe nur als „The Further“ bekannt ist.
Gemma, gespielt von Amelia Eve, lebt noch immer in ihrem Elternhaus und trägt die Folgen eines Traumas mit sich, das ihr bisheriges Leben geprägt hat. Sie zieht ihre Tochter Maya (Island Austin) groß, arbeitet als Zahnhygienikerin und führt eine Beziehung mit einem Polizisten, gespielt von Brandon Perea. Auf den ersten Blick scheint sich ihr Alltag langsam zu stabilisieren. Doch wie so häufig in dieser Reihe ist der Frieden nur von kurzer Dauer. Übernatürliche Ereignisse greifen zunehmend in das Leben der Familie ein und öffnen erneut die Verbindung zu „The Further“.

Zwischen Kissenburg und Zahnarztstuhl entstehen die stärksten Schreckmomente
Regisseur Jacob Chase konzentriert sich zunächst auf das, was die „Insidious“-Filme seit dem Original auszeichnet: lange aufgebaute Spannung, dunkle Räume, Bewegungen am Bildrand und plötzliche Schockmomente. Einige Szenen erreichen dabei tatsächlich jene unangenehme Intensität, die den berühmten Auftritt des Lippenstift-Dämons im ersten Film so wirkungsvoll gemacht hat. Chase setzt allerdings nicht ausschließlich auf klassische Jump-Scares, sondern versucht auch, Situationen zu entwickeln, in denen sich das Unbehagen langsam steigert.
Besonders gelungen ist eine Sequenz innerhalb einer Kissenburg. Der eigentlich harmlose Rückzugsort eines Kindes verwandelt sich durch die engen Räume und die eingeschränkten Sichtachsen in eine klaustrophobische Falle. Gesichter erscheinen dort, wo eigentlich keine sein dürften, und die Enge sorgt dafür, dass die Figuren der Bedrohung kaum ausweichen können.
Auch Gemmas Beruf wird konsequent für den Horror genutzt. Als Zahnhygienikerin arbeitet sie in einer Umgebung, die ohnehin bei vielen Menschen Unbehagen auslöst. Instrumente, offene Münder und die unmittelbare Nähe zu Zähnen liefern Chase genügend Möglichkeiten für unangenehme Bilder. Wer bereits beim Gedanken an eine Zahnbehandlung nervös wird, dürfte in einigen Momenten wenig Freude haben.

Die neue Familie funktioniert besser als manche Nebenfigur
Amelia Eve trägt den Film überzeugend und schafft es, Gemmas psychische Belastung mit ihrer Verantwortung als Mutter zu verbinden. Entscheidend ist dabei, dass ihre Figur nicht lediglich als nächstes Opfer paranormaler Ereignisse geschrieben wird. Die Beziehung zu Maya gibt der Geschichte ein emotionales Fundament und sorgt dafür, dass zumindest die zentralen Figuren mehr besitzen als die reine Funktion, von Geistern verfolgt zu werden.
Auch Sam Spruell funktioniert als Antagonist. Seine Figur besitzt eine ausreichend bedrohliche Präsenz und wird von drei menschlichen Anhängern begleitet, die zusätzlich für Unruhe sorgen. Hier greift der Film allerdings auf ein ziemlich abgegriffenes Horrormotiv zurück, bei dem ältere Menschen vor allem deshalb verstörend erscheinen sollen, weil Alter und körperlicher Verfall als etwas Unheimliches inszeniert werden.
Noch problematischer fällt Clare aus, gespielt von Maisie Richardson-Sellers. Die Figur wird weitgehend auf die Funktion der mystischen Helferin reduziert, die über genau jenes Wissen verfügt, das Gemma benötigt. Dadurch erhält sie kaum Gelegenheit, sich als eigenständiger Charakter zu entwickeln. Eine bizarre Szene rund um die Planung eines Raubüberfalls und eine Schale tätowierter Grapefruits unterstreicht zusätzlich, wie unausgegoren manche Nebenideen des Drehbuchs wirken.

Lin Shaye bleibt die Verbindung zur bisherigen Reihe
Für langjährige Fans gibt es dennoch ein vertrautes Gesicht. Lin Shaye kehrt als Elise zurück, die seit dem ersten Film zu den wichtigsten Figuren der Reihe gehört. Da Elise längst nicht mehr unter den Lebenden weilt, erfolgt ihr Auftritt diesmal aus dem Jenseits. Sie übernimmt erneut die Rolle der erfahrenen paranormalen Ratgeberin und schlägt damit die Brücke zwischen der bisherigen Mythologie und der neuen Familie.
Diese Verbindung funktioniert, ohne dass „Out Of The Further“ vollständig von seiner Vergangenheit abhängig wird. Der Film versucht nicht, jeden bekannten Charakter zurückzuholen oder die Geschichte der Lamberts künstlich fortzusetzen. Stattdessen bleibt Elise das verbindende Element innerhalb einer neuen Handlung. Neu erfindet Jacob Chase das Franchise damit nicht. Zu viele Motive, Figurenfunktionen und dramaturgische Abläufe sind aus früheren Teilen oder anderen Geisterfilmen bekannt.
Gleichzeitig versteht der Film aber ziemlich genau, weshalb ein großer Teil des Publikums weiterhin zu „Insidious“ ins Kino geht. Wenn die Inszenierung ihre Monster nicht erklärt, sondern sie in dunklen Räumen, engen Verstecken und hinter scheinbar sicheren Alltagsgegenständen auftauchen lässt, funktioniert der Horror noch immer.
Fazit: „Insidious: Out Of The Further“ erweitert das Franchise um eine neue Familie, ohne dessen bekannte Mechanismen wesentlich zu verändern. Die Handlung greift stellenweise auf deutlich erkennbare Klischees zurück und einige Nebenfiguren bleiben zu oberflächlich. Dafür funktionieren Amelia Eve und Island Austin als neues Zentrum der Geschichte, Lin Shayes Rückkehr schafft die notwendige Verbindung zur bisherigen Reihe und Jacob Chase inszeniert mehrere wirkungsvolle Schreckmomente. Kein Neustart für „Insidious“, aber ein solider weiterer Ausflug ins „The Further“.
Film Bewertung 6 / 10





