Infamous | Film Kritik | 2021

Regie: Joshua Caldwell | Seit 16. April 2021 als DVD, Blu-ray und seit 9. April 2021 digital verfügbar

Länge: 90 min | FSK: ab 16


Story: Arielle (Bella Thorne) hat ihr eintöniges Leben als unscheinbare Kellnerin in einer Kleinstadt in Florida satt. Sie träumt davon, eines Tages berühmt zu werden. Als sie sich in den kürzlich auf Bewährung entlassenen Kleinkriminellen Dean (Jake Manley) verliebt, soll ihr Wunsch schneller in Erfüllung gehen als gedacht. Nachdem das Paar Deans gewalttätigen Vater bei einer Auseinandersetzung versehentlich tötet, muss es fliehen. Um an Geld zu kommen, überfallen die beiden kleine Läden und Tankstellen.

Arielle filmt ihre gemeinsamen Raubzüge und stellt die Videos online, wo sie schon bald von zahlreichen Followern gefeiert werden. Besessen von ihrem schnell wachsenden Internetruhm stürzt sich Arielle in ein selbstzerstörerisches Abenteuer aus wilden Verfolgungsjagden und Schießereien, das in einem Banküberfall gipfelt.

©Capelight Pictures


Film Kritik:

von Nicola Scholz

Arielle wohnt in einem kleinen Ort in Florida, arbeitet dort in einem kleinen Diner und spart das Geld um eines Tages ihr altes Leben hinter sich lassen zu können. Sie will fort und berühmt werden. Doch während andere teilweise Millionen Follower auf ihren Instagram Accounts haben hat sie gerade mal 49. Das ändert sich schlagartig nach einem Streit auf einer Party, als sie einem Mädel eine Auswischt. Das Video landet im Netz und sie hat gleich mal ein paar Hundert Follower mehr.

Und dann lernt sie Dean kennen, der auf Bewährung ist und bei seinem alkoholsüchtigen Vater leben muss. Als Arielle von dem Freund ihrer Mutter beklaut wird und auf einmal ihr ganzes Erspartes fort ist, will sie zusammen mit Dean noch in der gleichen Nacht verschwinden. Doch ohne Geld werden sie nicht weit kommen und so Überfallen sie eine Tankstelle, während Arielle filmt und Dean den Tankwart ausraubt.

Ein junges Paar liegt auf einem Bett voller Geldscheine
Dean (Jake Manley) und Arielle (Bella Thorne) in “INFAMOUS” ©Capelight Pictures

Sucht nach Ruhm – Aber Bitte Nur Online

Das Video landet auf einer neuen Instagram Seite die Arielle eingerichtet hat und schnell folgen dem Pärchen einige Hunderttausend Menschen. Arielle kann von ihrem neuen Ruhm nicht genug bekommen. Das moderne Bonny und Clyde Paar ist natürlich auf Social Media unterwegs. In Joshua Caldwells “Infamous” geht es zwar primär um die Sucht nach Ruhm vor allem online, aber dabei liegt das Augenmerk dennoch auf wahnwitzigen Charakteren und einem Spannungsfaktor der bis zum Schluss gezielt hochgehalten wird.

Die Jagd nach Followern ist gerade in der heutigen Zeit und in der heranwachsenden Handygeneration ein Thema. “Du bist nur so gut wie deine Follower Anzahl”, scheint schon fast ein Leitspruch zu sein. Die Gefahren, die mit dieser Sucht einhergehen werden, dabei oft ignoriert und übersehen. Caldwell nutzt diese Gefahr und spitzt sie zu. Wie in dem Action-Thriller „Nerve“ geht es hier darum mit noch mehr auffälligen Posts, in diesem Fall Überfällen, noch mehr
Follower zu sammeln.

Und auch wenn man Schusswunden davon trägt ist das Foto davon im Netz wichtiger als der Schmerz. Skurill und doch funktioniert es, auch wenn hier die rasante Handlung einer tiefergründigen Geschichte voranschreitet und die Unterhaltung im Fokus steht. Bella Thorne die man aus dem Liebes-Drama „Midnight Sun“ oder dem sehr blutigen Thriller „Assassination Nation“ kennt, spielt auch hier wieder einfach und doch gezielt charmant böse eine etwas durchgeknallte junge Frau, die nach Aufmerksamkeit strebt und dabei buchstäblich über Leichen geht.

Infamous ist seit 21. April auf DVD und Blu ray erhältlich
Arielle (Bella Thorne) in “INFAMOUS” ©Capelight Pictures

Die beiläufige Art, mit der sie dabei vorgeht, ist ein sehenswertes Schauspiel. Ein kurzweiliges Spektakel, das aber durch superböse und auch witzige Momente punktet, sich selbst zum Glück nicht zu ernst nimmt und mit einem schönen Farbenspiel im Kostüm oder auch im Bild daherkommt.

Aber auch der Gegenpart zu ihr, die Menschen die ihr Folgen, voran eine junge Dame die sie zwischendurch auch als Geisel nehmen, spielt eine entscheidende Rolle.


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Die Gier der Menschen nach Sensationen, nach tragischen Ereignissen, spornt Arielle in diesem Fall noch dazu an weiter zu machen mit ihren Aktionen. Caldwell hält also auch uns den Spiegel vor. Denn was früher noch der Gaffer bei einem Unfall war ist heute der belustigte Zuschauer von YouTube Videos in denen Unfälle geschehen und gefilmt wurden.

Dean (Jake Manley) und Arielle (Bella Thorne) in “INFAMOUS” bei einem Bier ©Capelight Pictures

Fazit: Es ist ein nie enden wollender Kreislauf, wenn nicht eine Partei ihn stoppt. Aber auch wenn diese Aussagen scheinbar nicht ganz der Sinn des Filmes sind, sondern vielmehr das Blutbad der zwei jungen Menschen hinterlassen und dabei auch mehr Wert auf die Überfälle gelegt wird als auf eine tiefere Geschichte dahinter, lässt einen der schnelle Plot einfach nicht los. Man wird selbst zu demjenigen der nicht aufhören kann hinzuschauen, selbst wenn es in diesem Fall kein Meisterwerk ist, das man begutachtet.

Wertung: 6 / 10


INFAMOUS – BILD GALERIE © Capelight Pictures


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