Inhalt: In HOPPERS haben Wissenschaftler entdeckt, wie man menschliches Bewusstsein in lebensechte Robotertiere übertragen kann, so dass Menschen mit Tieren als Tiere kommunizieren können! Mit Hilfe der neuen Technologie entdeckt Mabel Geheimnisse in der Tierwelt, die alles übertreffen, was sie sich je hätte vorstellen können.
Von der Rebellin zur Beavatar-Pionierin
Fast jedes Tier hatte bereits einen großen Auftritt in einem Animationsfilm. Hirsche, Elefanten, Pinguine, Löwen und sogar Ameisen standen im Zentrum erfolgreicher Familienfilme. Der Biber hingegen blieb bislang erstaunlich unbeachtet. Mit „Hoppers” korrigiert Pixar dieses Versäumnis. Der 30. Spielfilm des Studios nutzt die natürliche Komik des Tieres konsequent aus. Seine markanten Schneidezähne, sein watschelnder Gang und sein ikonischer Schwanz sorgen für visuelle Dynamik, ohne ins Banale abzurutschen.
Der Film beginnt jedoch nicht im Wald, sondern in einer amerikanischen Vorstadt. Im Mittelpunkt steht Mabel Tanaka, die von Lila Liu als Kind und von Piper Curda als junge Erwachsene dargestellt wird. Mabel ist eine asiatisch-amerikanische Protagonistin mit rebellischer Energie. Bereits in der Grundschule versucht sie, Tiere aus dem Klassenzimmer zu befreien. Ihre Leidenschaft für Natur und Gerechtigkeit prägt sie nachhaltig. Einen emotionalen Anker bildet ihre Großmutter, gesprochen von Karen Huie. In ruhigen Momenten lehrt sie Mabel, die Natur nicht nur zu verteidigen, sondern auch zu beobachten und zu verstehen. Diese frühen Szenen erinnern in ihrer Tonalität an den Prolog von „Up“.
Als 19-jährige Studentin kämpft Mabel schließlich gegen den Bau einer massiven Schnellstraße, durch den eine nahegelegene Lichtung zerstört werden soll. Ihr Gegenspieler ist der aalglatte Bürgermeister Jerry, den Jon Hamm mit kalkulierter Selbstgefälligkeit verkörpert. In ihrer Verzweiflung stößt Mabel auf eine technische Lösung. Ihre Universität entwickelt hyperrealistische Tierroboter, die von Menschen gesteuert werden können. Mabel entscheidet sich für einen Biberkörper. Der Film spielt dabei selbstironisch mit dem Avatar-Prinzip und nutzt die Perspektivverschiebung als dramaturgischen Motor.

Natur als absurd-poetischer Mikrokosmos
Sobald Mabel in den Biberkörper schlüpft, öffnet sich eine eigenständige Tierwelt. Hier entfaltet Regisseur Daniel Chong sein volles visuelles und erzählerisches Potenzial. Die Natur erscheint dabei nicht nur idyllisch, sondern auch bizarr, gefährlich und von Regeln bestimmt. Es gibt strenge Teichregeln, Tiere mit symbolischen Kronen, Legenden über sogenannte Zweigkriege sowie humorvoll inszenierte Todesfälle, die den Ton zwischen Ernst und Absurdität austarieren. Der Film bewegt sich bewusst auf einer Gratwanderung. Er kombiniert alberne Momente mit emotionaler Ernsthaftigkeit.
Dabei gelingt ihm eine Balance, die Pixar zuletzt nicht immer zuverlässig erreicht hat. „Hoppers“ ist mit seiner komödiantischen Präzision einer der stärksten Studiofilme der letzten Jahre. Selbst ein prominenter Gastauftritt, bei dem Meryl Streep in der Originalversion einer Schmetterlingsfigur ihre Stimme leiht, fügt sich organisch in das Gefüge ein. Im Kern bleibt die Geschichte einer klaren Botschaft verpflichtet. Es geht um das Gleichgewicht der Natur, um Gemeinschaft statt Spaltung und um die Verantwortung der Menschen gegenüber anderen Lebewesen.
Fazit: Für Pixar bedeutet „Hoppers” keinen radikalen Neustart, sondern eine spürbare Rückbesinnung auf erzählerische Klarheit und emotionale Tiefe. Der Film ist humorvoll, visuell einfallsreich und thematisch reflektiert. Zwar erreicht er nicht die absolute Spitzenklasse früherer Meisterwerke, er zeigt jedoch ein neues Selbstbewusstsein des Studios. Leider geht dieses im letzten Drittel in tonalen Wechseln von spritziger Komödie zu Action und Düsternis verloren. „Hoppers” ist eine liebevolle Hymne an die Natur und ein überraschend überzeugendes Plädoyer für die oft unterschätzten Biber.
Film Bewertung 7 / 10





