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Aus der Spurensuche wird eine wilde Jagd
Als teuerster südkoreanischer Film aller Zeiten könnte „Hope“ ein sicher geplanter Blockbuster sein. Doch Na Hong-jin entscheidet sich für das Gegenteil. Der Regisseur von „The Wailing“ mischt Monsterfilm, Science-Fiction, schwarze Komödie und Action zu einem wilden Kinoerlebnis, das immer wieder die Richtung wechselt. Polizeichef Bum-seok untersucht die Verwüstungen, die ein unbekanntes Wesen in Hope Harbor hinterlassen hat. Die kleine Stadt liegt nahe der demilitarisierten Zone zwischen Süd- und Nordkorea. Überall hängen Schilder, die davor warnen, Fremden zu vertrauen. Was wie ein Monsterfilm im Stil von „Super 8“ oder „Cloverfield“ beginnt, entwickelt sich schnell zu einem viel verrückteren Spektakel.
Na Hong-jin zeigt die Kreatur zunächst kaum. Stattdessen konzentriert er sich auf zerstörte Gebäude, verstörte Bewohner und Spuren, die niemand erklären kann. Diese erste Stunde baut eine starke Spannung auf. Bum-seok (Hwang Jung-min) versucht, die Lage mit den begrenzten Mitteln seiner Polizeistation unter Kontrolle zu bringen. Doch er ist auf das, was Hope Harbor heimsucht, nicht vorbereitet. Dann drückt der Film kräftig aufs Tempo. Die Verfolgung führt zu Fuß, zu Pferd und mit Fahrzeugen durch Wälder, Straßen und Gebäude. Jäger und Gejagte wechseln ständig ihre Rollen. Granatwerfer, Autos und unzählige Schüsse treiben die Handlung voran.
Seit „Mad Max: Fury Road“ hat kaum ein Film mehr so kräftig aufs Gaspedal gedrückt. Hong Kyung-pyos Kamera fängt das Chaos ein, ohne die Übersicht zu verlieren. Trotz der vielen Bewegungen bleibt meistens klar, wo sich die Figuren befinden und woher die Gefahr kommt. Besonders eine wilde Auseinandersetzung mit Pferden und Granaten ist ebenso albern wie beeindruckend. Nicht alle visuellen Effekte können dabei mithalten. Sobald die Kreaturen vollständig zu sehen sind, wirken manche Bewegungen künstlich und einige Oberflächen zu glatt. Diese Schwächen fallen besonders auf, weil die echte Action eine starke körperliche Wirkung besitzt.

Der alberne Humor gehört zum Konzept
„Hope“ wechselt ständig zwischen Spannung, Action und grober Komik. Ein langer Monolog über Durchfall wirkt zunächst wie ein völlig überflüssiger Scherz. Tatsächlich wird er später für die Handlung wichtig. Das ist bezeichnend für einen Film, bei dem selbst die seltsamsten Einfälle noch eine Aufgabe bekommen. Eine bedrohliche Szene kann plötzlich lächerlich werden, während aus einem komischen Moment ohne Vorwarnung tödlicher Ernst entsteht. Diese Wechsel sind nicht immer fließend. Doch Na Hong-jin macht gerade das zum Stil des Films. Man weiß nie, was als Nächstes passieren wird. Auch Michael Fassbender und Alicia Vikander tauchen in überraschenden Rollen auf. Zunächst wirken sie wie Figuren aus einem anderen Film.
Beide spielen ihre Parts aber mit so viel Ernst, dass selbst diese bizarren Momente funktionieren. Mitten im ganzen Wahnsinn entsteht dadurch sogar Platz für Mitgefühl. Die Lage der Stadt an der Grenze ist mehr als nur ein Hintergrund für die Geschichte. In Hope Harbor gehört Misstrauen zum Alltag. Als etwas Unbekanntes in die Gemeinde eindringt, versuchen die Bewohner nicht lange, es zu verstehen. Sie eröffnen das Feuer. Damit sind die vielen Schüsse und Explosionen nicht nur Teil der Action. Sie zeigen auch, wie schnell diese Gemeinschaft alles Fremde als Bedrohung betrachtet. Das Monster bringt die Angst nicht erst nach Hope Harbor. Es trifft auf einen Ort, der längst von ihr geprägt ist. Der Film macht daraus keine einfache politische Botschaft.
Dafür ist Na Hong-jin zu sehr an seinen Figuren, dem schwarzen Humor und der nächsten verrückten Idee interessiert. Trotzdem gibt die Nähe zur nordkoreanischen Grenze dem Spektakel eine tiefere Bedeutung. Zwischen all den Verfolgungen bleibt wenig Zeit, um die Figuren genauer zu entwickeln. Hwang Jung-min gleicht das mit seiner starken Präsenz aus. Bum-seok tritt zunächst ruppig und selbstsicher auf. Bald zeigt sich jedoch, dass ihm die Kontrolle völlig entgleitet. Seine Hilflosigkeit macht ihn menschlich und verhindert, dass er zu einem typischen Actionhelden wird. Hoyeon Jung (Sung Ae) steigt mit einem Granatwerfer in den Film ein und zeigt sofort, dass sie als Actiondarstellerin funktioniert.

Das offene Ende bremst den Höhepunkt aus
Ihre Sung-ae ist entschlossen, ohne ihre verletzliche Seite zu verlieren. Hoyeon überzeugt sowohl in den ruhigeren Momenten als auch dann, wenn sie sich mit voller Feuerkraft gegen die Kreatur stellt. Beide Rollen besitzen keine große psychologische Tiefe. Die Darsteller geben ihnen aber genug Persönlichkeit, damit die Menschen zwischen den Explosionen nicht völlig verschwinden. Nach fast drei Stunden liefert „Hope“ keinen richtigen Abschluss. Die letzten Minuten erklären Teile der Hintergrundgeschichte und zeigen deutlich, dass ein zweiter Film geplant ist. Die neuen Informationen machen die Welt größer, lösen die Handlung aber nicht vollständig auf.
Dadurch verliert das Finale an Kraft. Nach einem so langen und wilden Ritt wäre ein klarer Höhepunkt stärker gewesen als die Vorbereitung auf eine Fortsetzung. Manche Zuschauer dürften sich deshalb fragen, was sie gerade gesehen haben und warum die Geschichte genau an dieser Stelle endet. „Hope“ ist zu lang, gelegentlich unübersichtlich und bei den CGI-Effekten nicht immer überzeugend. Trotzdem besitzt der Film mehr Energie und Ideen als viele andere Blockbuster. Na Hong-jin verbindet starke Action, schwarzen Humor und politische Untertöne zu einem sehr eigenen Monsterfilm.
Fazit: Wer sich auf das Chaos einlässt, bekommt eines der verrücktesten und unterhaltsamsten Kinoerlebnisse des Jahres. „Hope“ ist nicht perfekt, geht aber mutig seinen eigenen Weg. Teil zwei darf kommen.
Film Bewertung 7 / 10





