Es gibt Bands, die Konzerte spielen. Und es gibt GHOST. Wer die schwedische Formation um Tobias Forge schon einmal live erlebt hat, weiß, dass ein Auftritt dieser Band irgendwo zwischen Rockkonzert, schwarzer Messe, Broadway-Inszenierung und gigantischer Pop-Show angesiedelt ist. Genau dieses Gefühl soll GHOST: 2 BIG TO RIG auf die Kinoleinwand transportieren. Der knapp zweistündige Konzertfilm wurde während zweier ausverkaufter Shows im Palacio de los Deportes in Mexiko-Stadt aufgenommen und dokumentiert die gewaltige SKELETOUR WORLD TOUR.
Dabei geht es nicht nur darum, eine Setlist möglichst vollständig abzufilmen. 2 BIG TO RIG will das Ritual GHOST festhalten, die Musik, die Inszenierung, die Fans und vor allem jene Mischung aus düsterer Theatralik und erstaunlich eingängigen Melodien, die aus der Band längst ein internationales Phänomen gemacht hat. Gedreht wurde auf 16-mm-Film, was den Bildern bewusst eine andere Textur gibt als die klinisch saubere Hochglanzoptik vieler moderner Konzertmitschnitte.

Eine Bühne, die längst nicht mehr auf jede Bühne passt
Der Titel 2 BIG TO RIG ist dabei keineswegs nur ein Wortspiel. Die Dimensionen, die GHOST inzwischen erreicht haben, sind ein wesentlicher Bestandteil dieses Films. Sinnbildlich dafür steht das riesige Kreuz, das während der Show über der Bühne schwebt und stolze 62 Tonnen auf die Waage bringt. Allein dieses gewaltige Bühnenelement macht deutlich, weshalb die Produktion nicht einfach in jeder Halle aufgebaut werden kann – und liefert zugleich die ziemlich passende Erklärung für den Titel des Konzertfilms.
Damit dieses Spektakel Abend für Abend überhaupt auf die Bühne gebracht werden kann, sind 109 feste Crewmitglieder im Einsatz. Gemeinsam mit den Helfern vor Ort wächst die Mannschaft je nach Spielstätte auf bis zu 150 Personen an. Die SKELETOUR ist damit längst mehr als eine aufwendig ausgestattete Rockshow: Hinter ihr steht eine logistische Großproduktion, deren technische und personelle Anforderungen dafür sorgen, dass sich die komplette Inszenierung nicht überall realisieren lässt. Gerade deshalb entstand die Idee, das Erlebnis über das Kino auch dorthin zu bringen, wo diese Produktion in ihrer vollständigen Form nicht aufgebaut werden kann.
Im Zentrum steht Papa V Perpetua, umgeben von den Nameless Ghouls und einer Bühne, die eher einer monumentalen Kathedrale als einem klassischen Rock-Setup gleicht. Licht, Kostüme, sakrale Architektur, Pyrotechnik und die perfekt kalkulierte Dramaturgie der Show greifen ineinander. Hinter dieser scheinbaren Maßlosigkeit steckt allerdings bemerkenswerte Präzision. GHOST spielen mit religiöser Symbolik und satanischer Provokation, nehmen ihre eigene Mythologie aber gleichzeitig nie so ernst, dass der Spaß darunter verschwindet.
Genau dieser Kontrast gehört seit Jahren zu den größten Stärken der Band: Das Auge sieht eine schwarze Messe, während das Ohr immer wieder Melodien bekommt, die verdächtig nahe am perfekten Popsong liegen. Der Film ergänzt die Konzertaufnahmen zudem um Einblicke hinter die Kulissen und in jene enorme Maschinerie, die notwendig ist, damit ein solches Spektakel Abend für Abend funktionieren kann.

Von SKELETÁ bis „Mary On A Cross“ – GHOST für die große Leinwand
Musikalisch zieht 2 BIG TO RIG durch die verschiedenen Phasen der Bandgeschichte und greift auf Stücke aus allen sechs GHOST-Alben zurück. Natürlich spielt dabei auch das 2025 veröffentlichte SKELETÁ eine zentrale Rolle, gleichzeitig fehlen längst etablierte Publikumslieblinge und Nicht-Album-Tracks wie „Mary On A Cross“, „Kiss the Go-Goat“ oder „The Future Is a Foreign Land“ nicht.
Insbesondere im Kino dürfte sich zeigen, weshalb dieses Projekt mehr sein will als ein Ersatz für diejenigen, die bei der Tour nicht dabei sein konnten. Eine Produktion dieser Größenordnung lebt von Details, die selbst in einer großen Arena zwangsläufig untergehen können. Die Kamera kann Papa V Perpetua unmittelbar folgen, die Nameless Ghouls aus Perspektiven zeigen, die einem Konzertbesucher verwehrt bleiben, und anschließend wieder die gesamte Bühne öffnen.
Dazu kommt der Kinoton, der den entscheidenden Unterschied machen kann: Gitarren, Schlagzeug, Orgel, Chor und die Reaktionen eines vollbesetzten Palacio de los Deportes bekommen den Raum, den eine solche Show benötigt. GHOST: 2 BIG TO RIG ist deshalb weniger die Dokumentation eines Konzerts als der Versuch, dieses Konzert für ein anderes Medium neu erfahrbar zu machen.
Seit dem 26. August 2026 läuft das Event weltweit für begrenzte Zeit in ausgewählten Kinos und teilweise auch im IMAX-Format und gerade dort dürfte endgültig klar werden, warum diese Tour schlicht 2 BIG TO RIG geworden ist.

Fazit: Papa V Perpetua übernimmt das Ritual
GHOST: 2 BIG TO RIG funktioniert deutlich anders als sein Vorgänger RITE HERE RITE NOW. Dort wurde das Konzert mit einer vollständigen Storyline um Papa Emeritus IV verbunden und zugleich zu dessen großem Abgesang – im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Papa V Perpetua verfolgt der neue Film einen anderen Ansatz. Statt erneut eine umfangreiche Geschichte um die Figur zu erzählen, steht das Konzerterlebnis stärker im Mittelpunkt. Gleichzeitig markiert der Film den Beginn einer neuen Ära innerhalb der GHOST-Mythologie, statt eine bestehende abzuschließen.
Gewöhnungsbedürftig bleibt dabei ausgerechnet eines der auffälligsten Stilmittel: die körnige 16-mm-Optik. Sie gibt dem Film einen analogen, rauen Charakter, der grundsätzlich hervorragend zur Ästhetik von GHOST passt. Gleichzeitig nimmt das sichtbare Filmkorn der gewaltigen Bühnenshow stellenweise etwas von ihrer visuellen Brillanz. Wer einen gestochen scharfen Konzertfilm in moderner Hochglanzoptik erwartet, muss sich auf diesen Look erst einmal einlassen. Musikalisch und inszenatorisch gibt es dagegen wenig zu beanstanden.
Fazit: GHOST beherrschen inzwischen die große Bühne mit einer Selbstverständlichkeit, bei der Rockkonzert, Theater, schwarzer Humor und religiöse Provokation zu einem eigenen Kosmos verschmelzen. 2 BIG TO RIG besitzt zwar nicht die erzählerische Geschlossenheit und den emotionalen Abschiedscharakter von RITE HERE RITE NOW, muss das aber auch nicht. Papa Emeritus IV bekam seinen Abgesang. Papa V Perpetua bekommt hier seinen Einstand und GHOST ein wuchtiges Konzerterlebnis für die große Leinwand.





