Filmkritik: Ruf der Wildnis

Harrison Ford und Buck der Hund

Titel: Ruf der Wildnis

Startdatum: 20.02.2020, 

Länge (min): 99, FSK: ab 6 Jahren

Regie: Chris Sanders

Darsteller: Harrison Ford, Karen Gillan, Bradley Whitford…

Story:

Der Ruf der Wildnis ereilt Buck in Kalifornien.

Bucks glückliches Hundeleben wird vollkommen auf den Kopf gestellt, als er seinem Zuhause in Kalifornien entrissen wird und sich plötzlich in der fremden Wildnis Alaskas zu Zeiten des Goldrauschs wiederfindet. Er wird in ein Rudel von Post-Schlittenhunden gesteckt und muss sich hier erst einmal behaupten.

Nachdem Buck einen gefährlichen Befehl verweigert, wird er lebensgefährlich verletzt. Zum Glück findet ihn John Thornton, der Buck wieder aufpäppelt und gesundpflegt. Die beiden werden unzertrennliche Freunde und für Buck beginnt das Abenteuer seines Lebens, bis er schließlich seinen wahren Platz in der Welt findet.

Buck ist der Star der Neuinterpretation des Jack London Klassikers.
Der Star des Films – Buck in “Ruf der Wildnis”

Filmkritik

von Ilija Glavas

Ruf der Wildnis

…ist ein Ruf nach besseren CGI und spannenden Abenteuerfilmen.

Bereits 1903 hat Hunde Mischling Buck seine kalifornische Heimat unfreiwillig Richtung Yukon verlassen. Seit Veröffentlichung des berühmten Romans von Jack London – Originaltitel  “The Call Of The Wild” Roman Info – gab es bereits neun Verfilmungen zu Bucks Abenteuern in Alaska. Dazu gehört z.b “Call Of The Wild” von 1935 mit Clarke Gable ( Vom Winde Verweht ).

Mit “Ruf der Wildnis” ereilt uns nun, dass neuste filmische Werk zu Buck und seiner unfreiwilligen Selbstfindungsreise.  An seiner Seite sind in der Neuverfilmung u.a. Omar Sy (Ziemlich Beste Freunde ) und Hollywood Star Harrison Ford zu sehen. Klingt erstmal prima, macht Laune auf ein großes Leinwand-Abenteuer. Besonders die Szenen mit Omar Sy’s Perrault atmen Abenteuer und zeigen auf was möglich gewesen wäre.

Die erste Hälfte ist mit seiner Slapstick Eröffnungsszene zwar witzig aber auch zu überdreht dargestellt. Stichwort: Kinder im Bett. Das hat mehr von Scooby Doo. Ist zu Cartoon-artig für das Thema. Man könnte darüber hinwegsehen, wenn es nicht im schlechten CGI dargestellt wäre.

Omar Sy als Perrault. Ein Postman mit Auftrag. Buck wird sein bester Schlittenhund.
Perrault (Omar Sy) mit Buck

Technik, die nicht begeistert

Die CGi Effekte, sind für heutige Verhältnisse mittelmäßig. Video Spiele aus 1998 haben bessere Intros als das, was hier teilweise angeboten wird. Hier sind nicht nur die Tiere gemeint, die allesamt aus dem Computer stammen – sondern auch Szenen ohne tierische Beteiligung. Die gesamte Landschaft wirkt einfach zu künstlich. Diese Studio Atmosphäre stört. Das funzt nicht und wirkt wie ein Billig Machwerk.

Harrison Ford tritt im ersten Filmabschnitt sporadisch in Erscheinung. Die einzige noch spannende Geschichte bleibt, wie Buck auf Thornton (Ford) trifft, da sie die erste Hälfte räumlich getrennt sind – aber durch die gleiche Story, die Selbstfindung, verbunden sind.

Grosse Bilder sind gewollt – die Umsetzung ist leider mittelmäßig

Die Bilder sind einmal in der Nahaufnahme oder auch in der Totalen zu sehen. Wenn es weit über die schneebedeckten Hügel und Eisplatten geht, hat es optisch durchaus seine Wirkung. Das Ganze wirkt allerdings zu künstlich. Leider endet nach Bucks Kurierfahrer Job das zu Beginn versprochene Abenteuer und jegliche Wirkung verpufft von Szene zu Szene.

Ab dem Moment, wo Ford voll in die Geschichte einsteigt, wird es ein anderer Film. Bis dahin, war seine Stimme, als Erzähler, aus dem Off zu hören. Sein Leben und persönliches Schicksal, wird als Parallele zu Bucks Lebenslauf und Bestimmung hergenommen. Ford spielt solide und so gut wie er muss in seinen Szenen. Neue Facetten bringt er nicht ein – wieso auch. Das Tempo in seinen Sequenzen ist dafür nicht hoch genug.  Soweit ist es ein solides, unspektakuläres Kino.

Man lässt die lauernden Gefahren in dieser abgeschiedenen Gegend zu schnell links liegen und funktioniert daher nur bedingt als spannungsgeladene Erzählung. Sobald Thornton Buck bei sich aufnimmt, beginnt der langsame und sehr ruhige Teil der Story. Die rasant erzählte erste Hälfte wird nicht annähernd Fortgesetzt. Angedeutete Gefahren sind zu schnell – siehe Wasserfall-Szene und Stromschnellen – erledigt, wirken gekonnt aber nicht gewollt – um Fingernägel kauend im Kino zu sitzen.

Harrison Ford mit CGI Hund Buck in der Wildnis.
Harrison Ford mit Buck

Buck alleine im Wald

Die restliche Laufzeit über, ist Buck mit Ford alleine in der Wildnis und kapselt sich ab. Während Thornton nach Gold sucht streunert Buck im Wald herum. Er läuft einer Wölfin nach, folgt dem Ruf der Wildnis – dem Ruf seiner Ahnen. Hier wirkt es organisch, seine Welt ist ohne Chaos. Hier passt er her. Der etwas erzwungen aufgebaute “Bösewicht” muss in Erscheinung treten und da sitzt man nun, wartend auf die fehlende Auflösung.

Buck’s Entwicklung zum Anführer, der Hund der sich entwickelt- ist hier dann auch zu Ende erzählt. Vorhersehbar, ohne Wehmut- auch wenn man das Buch nie gelesen – und, die anderen Filme nie gesehen hat. Damit verlässt man den Film mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite hat es Spaß gemacht – auf der anderen, schadet der Wechsel des Erzähltons im zweiten Abschnitt – dem gewünschten Abenteuer Effekt.

Eine gefährliche Situation auf dem Eis. Es bricht ein. Buck muss eingreifen.
Einbrechendes Eis gibt es auch in Alaska

Fazit:

Ein weiterer Film, der für Kinder funktionieren wird und für Erwachsene nur bedingt. Buck macht Spass, dass CGI nicht immer. Dank erster guter Halbzeit wird es keine Nullnummer – aber ein Abenteuer Film den man oft sehen möchte auch nicht.

Wertung: 6 / 10

10 – Meisterwerk – 8-9  sehr gut – 6-7 gut – 5  Ziel erreicht – 3-4 grad noch wach geblieben – 1-2 Geldverschwendung – 0 Geld zurück verlangen  

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