Der Rausch | Film Kritik | 2021

Plakatmotiv zum Film Der Rausch mit Mads Mikkelsen

Regie: Thomas Vinterberg | Erscheint am: 15. Juli 2021 | Länge: 117min | FSK: 12 |

© Weltkino Filmverleih GmbH

Story: Früher war Martin Lehrer aus Leidenschaft – heute sind nicht nur die Schüler von seinem fehlenden Enthusiasmus gelangweilt, auch in Martins Ehe ist die Luft raus. Seinen drei Freunden, die am selben Gymnasium unterrichten, geht es nicht viel besser. Bei einer angeheiterten Geburtstagsrunde diskutieren sie die Theorie eines norwegischen Philosophen, nach der ein Mensch nur mit einem erhöhten Alkoholgehalt im Blut zu Bestleistungen fähig ist. Solch eine gewagte These muss überprüft werden.

Die vier beschließen den Selbsttest zu machen und während der Arbeit einen konstanten Pegel zu halten. Soll nicht sogar Churchill den Zweiten Weltkrieg in einem Alkoholrausch gewonnen haben? Mit neuem Antrieb stürzen sie sich in ihr geheimes Experiment. Die Wirkung lässt nicht lange auf sich warten.

Helene Reingaard Neumann Foto: Sturla Brandth Grøvlen © 2020 Zentropa Entertainments3 ApS, Zentropa Sweden AB, Topkapi Films


Film Kritik:

von Nicola Scholz

Berauschender Oscar Gewinner mit einem tollen Mads Mikkelsen

Martin ist Lehrer an einer Oberschule. Seine besten Freunde sind Kollegen von ihm und gemeinsam feiern sie den Geburtstag von einem von ihnen aus der Freundesgruppe als jemand von der Promille-Theorie erzählt. Dabei geht es darum das der Mensch generell zu wenig Alkohol im Blut habe und ein Promille Wert von 0,5 dem Menschen sogar gut tun würde.

Das wollen die Freunde in einem Selbstexperiment ausprobieren. Der Alkohol im Blut macht nicht nur das private Leben angenehmer sondern auch das schulische. Plötzlich wird aus Martin ein beliebter Lehrer bei den Schülern und sein Unterricht so locker wie sein Promille Wert. Das Ergebnis könnte nicht schöner und positiver sein als er die Idee hat den Promille Wert doch einfach mal zu steigern und zu schauen was passiert.

Der Psychologe Finn Skarderund stellte vor 20 Jahren die Theorie auf, dass der Blutalkoholwert mit dem Menschen geboren werden ungefähr ein halbes Promille unter dem liegt was Optimal wäre. Alleine bei verschiedensten bekannten Politikern oder Künstlern kann man feststellen, das mit einem gewissen Alkoholwert vielleicht doch größere Taten vollbracht wurden als ohne. In „Der Rausch“ will Thomas Vinterberg das Experiment auf die Spitze treiben.

Denn während die vier Männer den anfänglichen Rausch mit all seinen Höhepunkte auskosten, führt der weitere Verlauf eher zu dem Schluss, das Alkohol das bleibt was es ist: ein Getränk, welches einem jegliche Vernunft nimmt und mit einem gewissen Pegel bestimmte Grenzen überschritten werden.

“Der Rausch” mit Mads Mikkelsen Foto: Henrik Ohsten © 2020 Zentropa Entertainments3 ApS, Zentropa Sweden AB, Topkapi Films

Ruhiges Erzählen ist Vinterberg`s Stärke

Der Film beginnt recht langsam und behaglich – wo man doch von einem durchaus mehr energiegeladen Film ausging. Man muss sich erst mal an die Ruhe, welche der Film ausstrahlt gewöhnen, dabei ist das Experiment so spannend das man der kuriosen Selbstzerstörung mit einer Art Belustigung zuschaut.

Umso mehr die Männer trinken, umso mehr vergessen sie sich selbst und die anderen. Es geht darum. mit Hilfe von Alkohol, ein noch besseres Abbild von sich selbst zu schaffen. Wer schon mal einen über den Durst getrunken hat, kennt das Gefühl der Selbstsicherheit die man dabei gewinnt. Anfangs mag die Selbstsicherheit auch dazu verhelfen lockerer in Situationen zu gehen – doch je mehr man trinkt, je mehr man verträgt umso mehr steigt der Drang nach einem weiteren Glas und einem weiteren Schluck.

Und auch das erfahren die vier Männer. Ihnen reicht das bisschen „Lockerheit“ das sie dazugewonnen haben nicht. Sie brauchen ganz einfach mehr. Und wie bei allen Experimenten in der Filmgeschichte geht auch dieses gründlich schief. Während Martin zwar in der Schule zum beliebten Lehrer wird, rutscht ihm zu Hause die aufgesetzte Maske immer weiter aus dem Gesicht und angestaute Gefühle brechen sich Bahn – bis hin zu dem Moment wo Martin die Beherrschung verliert.

“Der Rausch” Thomas Bo Larsen Foto: Henrik Ohsten © 2020 Zentropa Entertainments3 ApS, Zentropa Sweden AB, Topkapi Films

Eine Abschluss Szene, die das Herz bewegt

Sind wir wirklich bessere Menschen mit einem gewissen Alkoholpegel im Blut? Auch das beantwortet der Film Stilistisch ansprechend. Das es wichtig ist zu sich selbst und seinen Handlungen zu stehen und Spaß bei dem zu empfinden was man gerne macht- auch wenn das nicht immer einfach erscheint.

Im ersten Moment scheint das gewonnene Selbstbewusstsein der Schlüssel zum Erfolg, aber ganz ohne Hilfsmittel ans Ziel zu kommen scheint doch der wahre Erfolg zu sein. Mad Mikkelsen sehen wir in einer wunderbar erfrischenden Rolle mit einer End Szene die Oscarwürdig erscheint. Man hat schon lange nicht mehr so eine wunderbare Abschluss Szene gesehen, die einem das Herz aufgehen lässt.

Von Vinterberg erwartet man auch nichts anderes. Jedes Thema was er anpackt, versucht er so ehrlich wie möglich anzugehen und dabei auch seine Charaktere nicht in Klischeeformate zu stopfen, sondern einen Weg zu gehen wo es den Anschein hat, dass man einen Teil des wahren Lebens betrachtet.

Vinterberg bringt eine gewisse Ruhe in seine Filme, mit einer frischen Brise „Zweifel“ an den Menschen und wie sie miteinander Leben. Dabei bekommt der Zuschauer das Gefühl, man habe tief in die Seele seiner Figuren geblickt – und einiges über sich selbst gelernt..

“Der Rausch” Magnus Millang, Lars Ranthe, Mads Mikkelsen
Foto: Henrik Ohsten © 2020 Zentropa Entertainments3 ApS, Zentropa Sweden AB, Topkapi Films 

Fazit: Nicht ganz so stark und eindringlich wie „Die Jagd“. Vinterbergs ruhige Erzählung mag auch nicht für jeden etwas sein, aber das Thema ist ein Augenschmaus geworden über welches man noch länger nachdenkt, vor allem da man nicht nur in Dänemark gute Partys mit Alkohol schätzt. Wertung: 6 / 10

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