Das Ereignis Filmplakat

Genre: Drama | Produktion: Frankreich 2021 | Laufzeit: ca. 100 Minuten| Regie: Audrey Diwan

Mit: Anamaria Vartolomei, Kacey Mottet-Klein, Sandrine Bonnaire, Pio Marmai, Anna Mouglalis (u.a.)


Inhalt: Frankreich, 1963. Anne ist eine begabte Literaturstudentin, die eine vielversprechende Zukunft vor sich hat. Als sie schwanger wird, sieht sie ihre Chancen schwinden, ihr Studium zu beenden und sich aus den Zwängen ihrer sozialen Herkunft befreien zu können.

Die Wochen verstreichen, die Abschlussklausuren stehen an. Anne entscheidet, ganz auf sich allein gestellt, zu handeln, auch wenn sie dabei riskiert, ins Gefängnis zu kommen.

© Prokino Filmverleih GmbH

Im Frankreich der 1960er Jahre – einer gar nicht so fernen und doch so schockierend antiquierten Zeit – gerät das Leben einer vielversprechenden jungen Frau aus den Fugen. Durch eine ungewollte Schwangerschaft wird Anne (Anamaria Vartolomei), eine kluge und eigenwillige junge Studentin, gezwungen, sich auf eine gefährliche Odyssee zu begeben, um eine illegale Abtreibung vornehmen zu lassen.

Regisseurin Audrey Diwan erweckt die wahre Geschichte der Schriftstellerin Annie Ernaux zum Leben, indem sie ihre Memoiren in einen fesselnden, bestürzenden und doch immer stilvollen Film über den tabuisierten – und doch weit verbreiteten – Eingriff verwandelt, dem sich Anne unterzog.

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Vartolomei ist die herausragende Darstellerin des Films, die die Zähigkeit und den Angstzustand ihrer Figur mit demselben Engagement vermittelt. Es ist keine spektakuläre Rolle, aber die Intensität ihrer Blicke ist beeindruckend.

Ein großer Teil des Films hängt davon ab, wie Anne mit der unvermeidlichen Isolation umgeht, und Vartolomei gibt einem das Gefühl, als würde man in diesem spannenden Thriller mit ihr gegen die Uhr ankämpfen, anstatt einfach nur um Mitleid gebeten zu werden.

Anne (Anamaria Vartolomei) ist auf die Hilfe ihres guten Freundes Jean (Kacey Mottet Klein) angewiesen, als es darum geht, den Abbruch ihrer Schwangerschaft voranzutreiben
Anne (Anamaria Vartolomei) ist auf die Hilfe ihres guten Freundes Jean (Kacey Mottet Klein) angewiesen © Prokino Filmverleih GmbH

Ein physischer Prozess, den die Erzählung in eine körperliche Erfahrung verwandelt

Diwan tut gut daran, Melodrama zu vermeiden und Momente der Freude zuzulassen: Nächte, in denen man mit Freunden tanzt, oder die Art und Weise, mit der das Licht an einem warmen Sommertag die Haut erfasst. Zugleich schreckt die Filmemacherin nie vor dem grausamen physischen Chaos zurück, das Anne erleidet, während sie sich durch ihre schlimmen Umstände schlägt und die Dinge oft selbst in die Hand nimmt.

Was sich wie ein trauriges, aber weit entferntes Historienstück anfühlen könnte, hat eine Dringlichkeit und Unmittelbarkeit: Frauen und Mädchen brechen in den meisten westlichen Ländern vielleicht nicht mehr das Gesetz, dennoch herrscht ein Gefühl der Einsamkeit und der Last, das nicht einen Tag gealtert ist.

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Der Film weiß das – er zeigt, wie ein Ereignis, das nichts mit der eigenen Identität zu tun hat, einen trotzdem innerlich zerreißt, bis man es schafft, einen Ausweg zu finden. Das ist eine kraftvolle Geschichte, die mit unerschrockener Leidenschaft erzählt wird. Doch der Kampf um die Selbstbestimmung der Frau über ihren Körper ist nie wirklich zu Ende.

Fazit: Dies ist mehr als ein Biopic oder ein Historienfilm, es ist eine stilvolle und beunruhigend klare Zeitreise, die bis in die Gegenwart reicht. Das Thema Schwangerschaftsabbruch ist immer noch ein schwieriges Thema – und dieser Film macht diese Tatsache unübersehbar. Ein physischer Prozess, den die Erzählung in eine körperliche Erfahrung verwandelt. Auf eine Art, die hoffentlich jenseits von Zeit und Geschlecht relevant ist. Film Bewertung 8 / 10