BLUE MOON

Im Februar 2025 feierte Blue Moon seine Weltpremiere im Berlinale Palast – und wurde dort zu einem jener seltenen Festivalmomente, die spürbar nachhallen. Langanhaltender Applaus, ein sichtbar bewegtes Publikum und ein Silberner Bär für Andrew Scott unterstrichen sofort, dass Richard Linklaters neuer Film mehr ist als ein weiteres elegantes Period Piece. Blue Moon ist nominiert für einen Golden Globe als Bester Film Komödie/Musical, während Ethan Hawke als Bester Hauptdarsteller Komödie/Musical ins Rennen geht.

Ein Abend, ein Ort, ein Zerfall

Blue Moon erzählt die Geschichte des legendären Songwriters Lorenz Hart, dessen Leben an einem einzigen Abend aus der Balance gerät. Während sein ehemaliger Partner Richard Rodgers mit der Premiere von Oklahoma! einen historischen Triumph feiert, sitzt Hart in der Bar Sardi’s und erlebt, wie Erfolg, Freundschaft und Liebe langsam entgleiten. Linklater inszeniert diese Nacht in Echtzeit. Über rund 100 Minuten entfaltet sich eine Momentaufnahme voller Gespräche, Blicke und unausgesprochener Spannungen.

Schriftstellerinnen, Schauspielerinnen, Musikerinnen, Freundinnen und Protegés strömen durch die Bar. Es ist eine Parade der Berühmten und jener, die es werden wollen. Aus beiläufigen Dialogen formt sich ein präzises Bild davon, wie nah Genialität und Einsamkeit, Anerkennung und Vergessen beieinanderliegen. Blue Moon ist dabei weniger Biopic als Zustandsbeschreibung eines Künstlers am Kipppunkt seines Lebens.

© Sony Pictures Germany

Linklater, Kunst und der bittersüße Humor des Scheiterns

Dem fünffach Oscar-nominierten Regisseur Richard Linklater gelingt es erneut, Zeit als erzählerisches Werkzeug zu nutzen. Wie schon in Boyhood oder Before Midnight geht es ihm nicht um große Plotwendungen, sondern um Zwischentöne. Das Drehbuch von Robert Kaplow verbindet feinen, manchmal schmerzhaften Humor mit existenzieller Melancholie und verleiht dem Film eine Leichtigkeit, die nie oberflächlich wirkt.

Ethan Hawke brilliert als Lorenz Hart mit einer Darstellung, die zwischen Witz, Selbstironie und tiefer Verzweiflung oszilliert. Andrew Scott verleiht Richard Rodgers eine ruhige, fast unerbittliche Präsenz, die den Bruch zwischen den beiden Künstlern umso deutlicher macht. Margaret Qualley als Harts Schützling Elizabeth bringt emotionale Erdung in das Geflecht aus Ego, Talent und Sehnsucht, während Bobby Cannavale als Barkeeper, Freund und Vertrauter die stille Konstante dieses Abends verkörpert.

Blue Moon ist letztlich eine Betrachtung über ein Leben im Schatten des eigenen Talents. Über Freundschaft, die sich neu sortiert, wenn Erfolg ungleich verteilt ist. Und über Kunst als etwas, das ebenso retten wie zerstören kann. Richard Linklater gelingt damit ein melancholisch-komödiantisches Kammerspiel, das lange nachwirkt – leise, klug und zutiefst menschlich.

Blue Moon Schriftzug
© Sony Pictures Germany