Offizielles Plakat Internationale Filmfestspiele Berlin 2026

Barbara und Heli sind glücklich verheiratet und sind gerade mit ihren beiden Kindern Thimo und Fini in das Haus gezogen, das Heli von seiner Tante geerbt hat. Barbara arbeitet als Kinderclown in der Kindertagesstätte eines nahe gelegenen Krankenhauses, während Heli es vorzieht, seine Rolle als Clown auf einer richtigen Bühne zu spielen. Für die Familie könnte das Leben derzeit nicht besser sein. Doch dann erhält Barbara auf dem Heimweg einen Anruf: Ein gelber Bus hatte einen Unfall.

Plötzlich ist nichts mehr so, wie es einmal war. Barbara eilt ins Krankenhaus, nur um zu erfahren, dass nicht nur Heli verstorben ist, sondern auch Thimo nicht mehr lebt. Ihre Hoffnung, dass Fini vielleicht bei ihr bleiben könnte, wird ebenfalls zunichte gemacht. So kehrt sie in ein Haus zurück, das nun leer und still geworden ist. Während ihrer Trauer, die sie jeden Tag durchlebt, begegnet sie immer wieder neuen Situationen, die sie tief bewegen. Um ihre Kinder in gewisser Weise wieder Auferstehen zu lassen, möchte sie erneut schwanger werden.

Gegen den Willen ihrer Schwiegermutter trifft sie Entscheidungen bezüglich der Beerdigung. Anstelle einer traditionellen Beerdigung zieht eine farbenfrohe Clownparade singend durch den Friedhof und begleitet die Kinder mit ihrem Lieblingslied. Sie lernt neue Menschen kennen und findet den Mut, diese in ihr Leben zu lassen. Als Heidi Appenzeller schlüpft sie in ihre neue Clown Rolle und lernt, dass Loslassen nicht unbedingt Vergessen bedeutet.

(L-R) Valerie Pachner, Robert Stadlober in VIER MINUS DREI
(L-R) Valerie Pachner, Robert Stadlober © Alamode Film, Polyfilm

Fantastischer Cast mit einer talentierten jungen Hauptdarstellerin

„Vier minus drei“ basiert auf dem gleichnamigen Buch der Autorin Barbara Pachl-Eberhart. Es erzählt nicht nur die Lebensgeschichte der Autorin, sondern ist auch ein bewegendes Werk davon, wie man mit einem tragischen Verlust zurechtkommt. Adrian Goiginger, bekannt durch sein Debüt „Die beste aller Welten“, widmet sich gerne autobiografischen Stoffen. Mit seinem Debütfilm hat er sich auf sehr schöne und dramatische Weise mit seiner eigenen Vergangenheit auseinandergesetzt und dafür zu Recht mehrere Preise gewonnen.

Mit „Vier minus drei“ zeigt er, dass er sich ebenso erfolgreich dem Leben und den Geschichten anderer Menschen widmen und diese visuell einfangen kann. Dabei besticht vor allem die fantastische Besetzung, allen voran Valerie Pachner als sympathische und unglaublich talentierte junge Schauspielerin. In 120 Minuten durchlebt sie so viele Phasen der Trauer, dass sie das Publikum in ihren Bann zieht und mit ihrer emotionalen Zerrissenheit zutiefst erschüttert. Doch auch Robert Stadlober verleiht dem etwas verträumten Heli mit seinem Lachen und seinen Phantasien viel Charme. Er ist in all seinen Facetten so liebenswert, dass es einem fast das Herz bricht, als Barbara die Nachricht vom Unfall erhält.

Da der Film ein schweres Thema behandelt, empfiehlt es sich, das Publikum vorab darauf hinzuweisen. Goiginger und seine Hauptdarstellerin gelingt es jedoch, inmitten der bedrückenden Situation einige Hoffnungsschimmer aufblitzen zu lassen, indem sie sowohl humorvolle als auch schwierige Momente in Erinnerung ruft. Dabei durchlebt ihre Figur Heidi Appenzeller sowohl traumatische als auch heitere Momente. Mit ihrer bewegenden Grabrede, die mit ihrem subtilen Humor auch die Trauergäste zum Lächeln bringt, setzt Barbara ein Zeichen.

VIER MINUS DREI
Valerie Pachner in Vier Minus Drei © Nikolett Kustos, Alamode Film, Polyfilm

Der Film verliert sich zum Teil zu sehr in seinen Bildern

Trotz seiner fantastischen Darstellerleistung überzeugt der Film jedoch nicht in allen Punkten. So werden beispielsweise die Rückblenden nicht chronologisch erzählt. Wir springen von der Hausübernahme zur Geburt des ersten Kindes, dann zum gegenseitigen Kennenlernen des Paares und schließlich zu Barbaras neu erwachtem Berufswunsch, Clown zu werden. Dadurch ist für den Zuschauer nicht immer klar, ob er gerade eine Rückblende oder die Gegenwart verfolgt.

Etwas unbeholfen wirken auch die Entwicklungen um den von Hanno Koffler gespielten TV-Schauspieler Friedrich, der sich bei der ersten Begegnung so uncharmant verhält, dass der Zuschauer sofort eine starke Abneigung gegen diese Figur entwickelt. Die sich daraus entwickelnde Beziehung der beiden wirkt höchst fragwürdig, ihre Interaktionen sind geradezu befremdlich. Unglücklicherweise verliert sich der Film in der Mitte zu sehr in seiner Bildsprache.

Selbst gegen Ende bleibt Goigingers Botschaft mit dem Schlussbild nicht klar erkennbar. Die meiste Zeit kommt der Film ohne große Gesten aus und verlässt sich ausschließlich auf die Figur von Barbara, die uns sehr ans Herz wächst. Auf das fast schon poetische Schlussbild hätte man gut verzichten können, weil der Großteil des Films für sich spricht und es schafft, auch ohne viel Worte eine Menge zu erzählen.

Valerie Pachner in VIER MINUS DREI
Valerie Pachner in Vier Minus Drei © Nikolett Kustos, Alamode Film, Polyfilm

Fazit: Der Film schafft es, beim Zuschauer ein Gefühl zu wecken, das noch lange nach dem Abspann anhält: Barbaras tiefer Kummer, den man mitnimmt, wenn man das Kino verlässt, aber auch der Bewältigungsprozess des Verlusts, der Mut macht und Respekt für die echte Barbara hervorruft. Goiginger hat ein einzigartiges Talent dafür, Geschichten, die vom wirklichen Leben geprägt sind, auf die Leinwand zu bringen und sie dem Zuschauer so zu erzählen, dass man sich dem Geschehen und der Hauptfigur wirklich nahe fühlt. 120 Minuten, die geistig und emotional noch lange im Gedächtnis bleiben.

Film Bewertung 8 / 10