Simon und Laura verbindet seit Studienzeiten eine tiefe Freundschaft – so innig, dass man sich fragt, ob dahinter nicht längst mehr steckt. In All of You, dem berührenden Regiedebüt von William Bridges, treffen zwei Seelen aufeinander, die füreinander bestimmt scheinen – und sich doch immer wieder verlieren. Brett Goldstein (Ted Lasso) und Imogen Poots (Vivarium) spielen ein Duo, das sich über Jahre hinweg immer wieder begegnet und doch nie wirklich zusammenfindet.
Der emotionale Wendepunkt kommt, als Laura einen Test macht, der angeblich den Seelenverwandten eines Menschen identifizieren kann – und Simon ist es nicht. Es ist ein Moment, der das Fundament ihrer Beziehung erschüttert. Was folgt, ist kein klassisches Liebesdrama, sondern eine reflektierte, oft auch schmerzhafte Auseinandersetzung mit dem, was Liebe heute bedeutet – zwischen Schicksalsglauben, Technologie und der Angst vor der falschen Entscheidung.
William Bridges, Emmy-Preisträger für Black Mirror, erzählt in seinem ersten Langfilm eine Geschichte, die sich der romantischen Klischees bewusst ist – und sie gleichzeitig hinterfragt. Das Drehbuch, das er gemeinsam mit Brett Goldstein schrieb, verzichtet auf einfache Lösungen oder das romantische Happy End nach Formel. Stattdessen stellt All of You die alles entscheidende Frage: Was, wenn der eine Mensch, den du brauchst, schon immer da war – aber nie zur richtigen Zeit?
Wenn Nähe nicht reicht: Können zwei Menschen füreinander bestimmt sein – und es trotzdem verpassen?
Dabei ist der Ton mal leichtfüßig, mal melancholisch, oft humorvoll – aber stets von großer Ehrlichkeit getragen. Goldstein und Poots verkörpern das zentrale Paar mit einer Natürlichkeit und einem feinen Gespür für Zwischentöne, die ihre Figuren glaubwürdig über Jahre hinweg wachsen und scheitern lassen. Die Kamera bleibt nah an ihren Gesichtern, beobachtet sie bei Begegnungen, Trennungen, Neuanfängen – und in jenen kleinen Momenten des Zögerns, in denen sich entscheidet, ob man jemanden gehen lässt oder festhält.
All of You ist kein klassisches Liebesmärchen. Es ist ein Film über all die Menschen, die man nicht vergessen kann, über Gefühle, die nie ganz verschwinden – und über die Frage, ob Mut manchmal wichtiger ist als Timing. Bridges inszeniert das mit leisem Witz, viel Feingefühl und einer nachhallenden Emotionalität, die lange über den Abspann hinaus wirkt.