Aline Schriftzug zum Filmposter

Regie: Valérie Lemercier | Mit: Valérie Lemercier, Sylvain Marcel, Danielle Fichaud, Roc LaFortune, Jean-Noël Brouté | Produktion: Frankreich, Kanada, Belgien | Genre: Tragikkomödie |

Laufzeit: ca. 126 Minuten | Kinostart: Am 23. Dezember 2021 | FSK: 6


Inhalt: Québec, 60er Jahre. Dass die kleine Aline mit ihrer wunderbaren Stimme einmal eine berühmte Sängerin werden wird, davon sind ihre Eltern und die 13 Geschwister überzeugt. Wild entschlossen schickt ihre Mutter eine Kassette an den berühmten Musikproduzenten Guy-Claude Kamar. Auch er ist hingerissen von Aline und will das Mädchen zu seinem größten Star machen.

Es musste bis zu ihrem sechsten Film dauern, bis die Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Valérie Lemercier endlich einen guten Film ablieferte und bestätigte, dass sie ihren ausgeprägten Humor in die richtige Richtung katapultieren kann. Nicht, dass die Werke Quadrille (1996), Le Derrière (1998), Palais Royal (2005), 100% Cachemire (2013) und Marie Francine enttäuschende Komödien wären, aber es fehlte ihnen merkwürdigerweise der richtige Ansatz einer engagierten Regisseurin.

Dabei will Aline ein Fantasy-Biopic sein, das die Karriere einer der größten Künstlerinnen, Celine Dion (hier Aline Dieu genannt), nachzeichnet, deren Stimme eine der kraftvollsten und schönsten unserer Zeit ist. Die Filmhandlung beginnt in Quebec City mit der Begegnung der Eltern von Aline Dieu, Sylvette (Danielle Fichaud) und Anglomard (Roc LaFortune).

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Das vierzehnte Kind der beiden, Aline, verfügt über eine einzigartige musikalische Begabung. In der Familie Dieu ist die Musik zwar allgegenwärtig, dennoch schickt ihr Bruder Alines Demo-Band an den Musikproduzenten Guy-Claude, der nur eines im Sinn hat: aus Aline die größte Sängerin der Welt zu machen.

Sylvain Marcel und Valérie Lemercier
Sylvain Marcel und Valérie Lemercier in „Aline“ © Weltkino Filmverleih

Songs, Liebe und Schokoladeneis

Obwohl Aline die Schwierigkeiten unserer Hauptfigur Aline beleuchtet, einschließlich des Widerstands, mit dem sie konfrontiert war, als sie eine Beziehung mit Guy-Claude eingehen wollte, gelingt es dem Film, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Die Regisseurin und Hauptdarstellerin Valérie Lemercier nutzt ihr komödiantisches Talent, um uns einen unterhaltsamen und energiegeladenen Film zu präsentieren, der ebenso zum Nachdenken anregt. Auch die stimmungvollen Bühnenauftritte werden in den richtigen Momenten eingesetzt, um das Tempo zu erhöhen.

Der Film konzentriert sich auf den Aufbau des Liebeslebens von Guy-Claude und Aline und vor allem auf die Bedeutung von Guy-Claude in Alines Leben. Guy-Claude ist das Double für Dions echten Ehemann und Manager René Angélil. Mit seiner Unterstützung wird Aline über Nacht zu einer Gesangssensation. Während ihrer Tournee beginnen Aline und Guy-Claude allmählich, Gefühle füreinander zu entwickeln. Trotz der Missbilligung ihrer Mutter (Danielle Fichaud) beschließt Aline schließlich, eine Liebesbeziehung mit Guy-Claude einzugehen ( wobei ein Schokoladeneis eine wichtige Rolle einnimmt).

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Mit Dions Hits wie River Deep, Mountain High“, „Let’s Talk About Love“ und „Ordinaire“ sowie extravaganten Kulissen, die Dions riesige Villa nachbilden, lässt Lemercier uns fast nahtlos in Dions Luxusleben eintauchen. Mit großem Aufwand an Haaren, Make-up und Kostümen (einschließlich Dions Bühnenoutfit für ihre Oscar-Performance von „My Heart Will Go On“ aus dem Jahr 1998) sorgt sie zweifellos auch für eine überzeugende Dion in der zweiten Hälfte des Films. 

Natürlich nehmen die Songs auch eine wichtige Rolle im Film ein und die Tatsache, dass die Sängerin Victoria Sio ausgewählt wurde, um die Lieder von Celine Dion zu covern, ist perfekt. Die Bandbreite der Stimme Sios kommt gut zur Geltung, ohne dass man einen falschen Ton hört.

Valerie Lemercier als Aline Dieu in Aline
Valérie Lemercier in „Aline“ © Weltkino Filmverleih

Zwischen befremdlich und berührend

Was allerdings umstritten ist, ist Lemerciers stilistische Wahl in der ersten Hälfte des Films. Bei der Darstellung des Lebens der jungen Aline wurde das Gesicht des 57-jährigen Lemercier digital auf den Körper eines Kindes geschnitten, anstatt eine normale Kinderdarstellerin zu nehmen. Mit anderen Worten: Lemercier spielt Aline auch im Alter von 5 und 12 Jahren. Und, Spoiler-Alarm: es ist in keinster Weise überzeugend. 

In einer Szene, in der die gesamte Familie Dieu an ihrem kleinen Esstisch zu sehen ist und Aline wegen ihrer steigenden Popularität im Mittelpunkt des Gesprächs steht, sieht sie deutlich älter aus als die um sie herum sitzenden Geschwister um die dreißig. Diese Szenen wirken ein wenig befremdlich. Obwohl es ziemlich bizarr war, eine ältere Lemercier in der Rolle der jungen Aline zu sehen, passte dies in gewisser Weise zum heiteren Ton des Films. 

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Nur am Ende des Films gibt es einen kleinen Wermutstropfen, der zeigt, dass es Valérie Lemercier nicht gelungen ist, den besten Schluss für ihren Film zu finden. Aline endet mit dem Lied „Ordinaire“, welches völlig überzeichnet ist, um zu zeigen, dass Céline Dion ihr Leben dem Gesang gewidmet hat und aus dem Nichts ein wahres Finanzimperium aufgebaut hat. Wir hätten uns eher Szenen aus dem (wahren) Leben von Celine Dion gewünscht und einen kurzen Text, der die Anzahl ihrer verkauften Alben zeigt.

Fazit: Aline ein unterhaltsamer Film, der uns sowohl zum Lachen bringt als ein wenig berührt. Man spürt die Liebe von Lemercier zu Céline Dion in jeder Minute ihres Films, selbst wenn er stellenweise befremdlich wirkt.

Film Bewertung 6 / 10