Inhalt: Ein Jahrhundert vor den Ereignissen von Game of Thrones zogen zwei unwahrscheinliche Helden durch Westeros, ein junger, naiver, aber mutiger Ritter, Ser Duncan der Große, und sein kleiner Knappe Egg. In einer Zeit, in der die Targaryen-Linie immer noch den Eisernen Thron innehat und die Erinnerung an den letzten Drachen noch nicht aus dem Gedächtnis verschwunden ist, warten große Schicksale, mächtige Feinde und gefährliche Heldentaten auf diese unvergleichlichen Freunde.
Wenn Westeros plötzlich klein und bodenständig wirkt
Wann ist „Game of Thrones“ eigentlich nicht mehr „Game of Thrones“? Die Antwort lautet: wenn es „A Knight of the Seven Kingdoms“ ist. Dieses zweite Spin-off aus George R. R. Martins Welt Westeros schlägt einen deutlich anderen Ton an als die bisherigen Serien. Es gibt hier keine großen Throne, keine politischen Intrigen rivalisierender Adelshäuser, keine Starks oder Lannisters und auch keine Drachen. Zumindest keine echten. Stattdessen konzentriert sich die Serie auf eine viel kleinere, bodenständigere Geschichte.
Der größte Konflikt ist kein Krieg zwischen Königreichen, sondern ein Ritterturnier. Und der einzige Blick auf King’s Landing führt nicht in Paläste, sondern ins schmutzige Armenviertel Floh Loch (engl. Flea Bottom). Die Serie basiert auf George R. R. Martins Novelle „Der Heckenritter“ (engl.: The Hedge Knight), die 1998 erschien und den Auftakt seiner „Tales of Dunk and Egg“-Reihe bildete. Im Mittelpunkt steht Ser Duncan der Große (engl. Duncan The Tall), genannt Dunk. Dunk ist kein berühmter Krieger, sondern ein sogenannter Heckenritter. Ein umherziehender Ritter ohne Land, Titel oder Einfluss.
Nachdem sein Mentor Ser Arlan von Hellerbaum (engl.: Arlan of Pennytree) stirbt, macht sich Dunk allein auf den Weg durch die Sieben Königslande. Der ehemalige Rugbyspieler Peter Claffey, der erst vor wenigen Jahren mit der Schauspielerei begann, verkörpert die Figur mit einer Mischung aus physischer Präsenz und überraschender Sanftheit. Er ist ein riesiger Kerl, ein Mann wie eine Eiche, dessen Körperbau in den Büchern als „wie eine Burgmauer“ beschrieben wird. Er hat eine imposante Statur. Dennoch spielt er die Rolle des Dunk mit der gebotenen Sanftmut sowie einer blauäugigen, jungenhaften Unschuld. Er bemüht sich aufrichtig, das bescheidene, aber ehrenhafte Vermächtnis seines ehemaligen Meisters hochzuhalten.
Nebenfiguren mit großer Präsenz
Dunks Reise nimmt eine entscheidende Wendung, als er auf einen ungewöhnlichen Jungen trifft. Egg, gespielt von Dexter Sol Ansell, ist ein frecher, kluger und geheimnisvoller Begleiter, der unbedingt die Welt sehen möchte. Der kleine, kahl rasierte Junge verbirgt jedoch mehr über seine Herkunft, als er zunächst preisgibt. Seine Energie und sein scharfer Verstand bilden den perfekten Gegenpol zu Dunks gutmütiger, manchmal etwas unbeholfener Art.
Die Beziehung zwischen den beiden Figuren bildet das emotionale Zentrum der Serie. Auch die Nebenrollen sorgen für starke Momente. Besonders Daniel Ings sticht als trinkfreudiger, lautstarker Baratheon hervor. Seine Figur bringt eine explosive Mischung aus Charme, Arroganz und Humor in die Handlung. Doch trotz dieser eindrucksvollen Nebenfiguren bleibt die Serie klar auf das ungleiche Duo Dunk und Egg fokussiert.
Im Vergleich zu „Game of Thrones“ wirkt „A Knight of the Seven Kingdoms“ deutlich kleiner angelegt. Es gibt keine gigantischen Schlachten oder komplexe Machtspiele zwischen Königshäusern. Diese Entscheidung verändert den Ton der Serie spürbar. Die Geschichte konzentriert sich stärker auf persönliche Begegnungen, Abenteuer und moralische Entscheidungen.
Eine Geschichte über Ehre
Selbst die Musik spiegelt diesen Wechsel wider. Komponist Dan Romer setzt auf eine volkstümliche, fast pfeifende Klanglandschaft. Das berühmte „Game of Thrones“-Theme von Ramin Djawadi taucht in einem überraschend derben Gag auf. Die visuelle Inszenierung bleibt dennoch beeindruckend. Besonders die Turnierszenen stechen hervor. Kameraperspektiven aus der Helm-Sicht der Ritter vermitteln die brutale Nähe und Intensität dieser Kämpfe.
Schlamm, Staub und klirrende Rüstungen ersetzen hier die epischen Drachenkämpfe der Hauptserie. Thematisch erinnert die Serie stärker an klassische Rittergeschichten als an die zynische Machtpolitik von „Game of Thrones“. Dunk versucht, den moralischen Idealen seines verstorbenen Mentors treu zu bleiben. Im Zentrum steht ein altmodischer Ehrenkodex. Die Serie erzählt von Mut, Loyalität und dem Wunsch, die Schwachen zu beschützen.
Fazit: „A Knight of the Seven Kingdoms“ ist bewusst kleiner, ruhiger und persönlicher als seine großen Vorgänger. Statt Intrigen und Weltpolitik erzählt die Serie eine charmante Abenteuer Story über einen großen Ritter und seinen kleinen Begleiter. Ähnlich wie „The Mandalorian“ innerhalb des „Star Wars“-Universums bietet sie eine zugänglichere, humorvollere Alternative zum epischen Hauptwerk. Eine skurrile, unterhaltsame Geschichte über Freundschaft, Mut und ein anderes Westeros.
Serien Bewertung 8 / 10





