Wenn niemandem zu trauen ist und überall ein Netz aus Lügen und Verrat lauert, bleibt dann wenigstens die Familie ein sicherer Rückzugsort? Genau diese Frage stellt Unfamiliar – und beantwortet sie mit zunehmender Konsequenz auf ebenso beklemmende wie emotionale Weise. Hinter dem actiongeladenen Spy-Thriller verbirgt sich ein tragisches Familiendrama, das bewusst nicht auf klassische Helden setzt, sondern auf Figuren, deren Schuld und Widersprüche sie menschlich und angreifbar machen.
Head-Autor Paul Coates und Regisseur Lennart Ruff legen den thematischen Kern offen: Familie als emotionaler Brennpunkt, in dem Vertrauen, Loyalität, Lügen und Verrat untrennbar miteinander verwoben sind. Coates bringt es auf den Punkt, wenn er erklärt, dass ihn schwierige Familiendynamiken seit jeher faszinieren, weil dort das wahre Drama liege – unabhängig vom Genre. Unfamiliar folgt genau diesem Ansatz und nutzt den Thriller-Rahmen, um eine zutiefst private Geschichte zu erzählen.
Ex-Agenten, Safe House und eine gefährliche Lebenslüge
Im Zentrum der Serie stehen die einstigen Top-Agenten Meret und Simon, gespielt von Susanne Wolff und Felix Kramer. Heute betreiben sie mitten in Berlin ein geheimes Safe House – ein scheinbar kontrollierter Ort in einer Welt permanenter Unsicherheit. Doch eine Bedrohung aus der Vergangenheit holt sie ein und reißt die sorgfältig errichtete Fassade ein. Plötzlich sehen sich die beiden nicht nur Auftragskillern, russischen Agenten und dem BND gegenüber, sondern auch gefährlichen Ex-Lovern, deren Wissen ihre größte Lebenslüge entlarven könnte.
Was auf dem Spiel steht, ist größer als jede Mission: ihre Familie, ihre Ehe, ihr gesamtes Leben. Unfamiliar macht keinen Hehl daraus, dass hier jede Entscheidung einen Preis hat. Wie Lennart Ruff betont, sind die Figuren keine klassischen Helden. Keine von ihnen ist frei von Schuld, auch wenn alle versuchen, das Richtige zu tun. Die Konsequenzen dieses Handelns – selbst wenn es jahrelang verborgen bleibt – schlagen unweigerlich bis in die Gegenwart zurück.

Nähe zur Realität als erzählerische Stärke
Um die Serie so glaubwürdig wie möglich zu gestalten, setzte das Team auf intensive Recherche. In direktem Austausch mit Mitarbeitenden der Kommunikation des Bundesnachrichtendienst vertieften Autoren und Kreative ihr Verständnis für falsche Identitäten, Geheimdienstabläufe und den Arbeitsalltag im Nachrichtendienst. Diese Detailgenauigkeit prägt die Tonalität der Serie spürbar und verleiht der Geschichte eine Erdung, die den emotionalen Fallhöhen zusätzlich Gewicht gibt.
Besonders bemerkenswert ist, dass Unfamiliar die erste fiktionale Serie ist, die einzelne Szenen direkt an der Zentrale des BND in Berlin drehen durfte. Unter höchsten Sicherheitsauflagen und erheblichem logistischen Aufwand entstanden Bilder, die Authentizität nicht behaupten, sondern sichtbar machen. Mit dem nun veröffentlichten Trailer zeichnet sich ab, wohin die Reise geht: Unfamiliar ist kein eskapistischer Agentenstoff, sondern ein kompromissloses Drama über Schuld, Nähe und die Frage, ob Familie wirklich Schutz bietet – oder am Ende nur die gefährlichste aller Tarnungen ist.





