Filmkritik: Weathering With You

Filmkritik Weathering With You

Regie: Makoto Shinkai

Erscheinungsjahr: 2019

Genre: Anime

Land: Japan

Laufzeit ca. 112 Minuten

Filminhalt:

Der Oberschüler Hodaka braucht einen Tapetenwechsel: Es zieht ihn von der Einöde in das völlig überwältigende Tokio, wo das Leben aber nicht nur aufregend, sondern vor allem auch teuer ist. So sind seine Tage zunächst geprägt von Einsamkeit und er droht zu verelenden, bis es ihm schließlich gelingt, eine Anstellung als Redakteur bei einem fragwürdigen Okkultismus-Magazin zu finden. Als wäre sein schwieriger Start in der Großstadt ein Vorbote für das, was ihn noch erwarten wird, regnet es seit seiner Ankunft unaufhörlich. Doch eines Tages begegnet er in der quirligen Großstadt einem Mädchen, das sein Leben nachhaltig auf den Kopf stellen wird: der willensstarken Hina, die aufgrund familiärer Umstände alleine mit ihrem kleinen Bruder Nagi zusammenlebt. Hina hat besondere Fähigkeiten, denn ihr wohnt eine mysteriöse Kraft inne, die es ihr erlaubt, allein durch ein Gebet den Himmel aufklaren und die Stadt im wunderschönen Sonnenlicht funkeln zu lassen. Doch bald offenbart sich, dass diese mysteriöse Gabe auch ihre Schattenseiten mit sich bringt …


WEATHERING WITH YOU
Das Wetter ist der heimliche – unheimliche Star des Anime Hits

Filmkritik:

Teenager Tokio Liebe – Coming Of Age im Regen der Großtadt

Nach „Your Name“ kommt mit „Weathering With You“ ein weiteres Anime Highlight aus der Feder von Makoto Shinkai. In Weathering With You begegnen sich, wie auch schon in „Your Name“ – zwei Teenager in Tokios Betonschluchten. Shinkai hat das Drehbuch geschrieben und führt auch Regie, ohne, dass ein Manga als Vorlage diente. Matoko Shinkai steuert sein wuchtiges Anime Boot, das zwei Teenager als Protagonisten hat, elegant über die Wellen der animierten Filmkunst.

Es lassen sich Vergleiche mit seinem Vorgänger Werk nicht vermeiden und manche Erinnerung kommt an „Your Name“ natürlich auf, ohne das er sich dabei selbst kopiert. Man taucht ein in die Welt von Hodaka und Hina, zwei verlorene Jugendliche in den Weiten Tokios, das seit Wochen von anhaltenden Regenschauern überschwemmt wird. Hina hat die Fähigkeit, den Himmel aufklaren und die Sonne scheinen zu lassen, wenn sie dafür betet. Hodaka riecht ein Geschäft und rät Hina, ein „Sunshine Girl“ zu werden – jemand, der gegen Geld die Sonne für Menschen scheinen lässt, wenn sie es am dringendsten benötigen. Doch dafür muss auch Hina einen hohen Preis zahlen.

Voller Poesie und Romantik, bebildert er die Stadt mal sonnig strahlend, mal regnerisch deprimierend – als Spiegelbild der eigenen Seele. Die Sonne strahlt, wenn man liebt und glaubt – andererseits ertrinkt man in den eigenen trüben Gedanken. Jede erdenkliche seelische Verfassung eines verwirrten Teenagers, der in Tokio – was im Unwetter wie ein unbesiegbares Monstrum wirkt – seinen Weg und seine Bestimmung sucht, wird hier eingefangen. Ob Blitzeinschlag oder Sonne – die Stimmung ist im wahren Leben genau so Wechselhaft und mutet abenteuerlich an – und das in den Augen eines jeden Heranwachsenden.

Matoko belegt dies mit wunderschönen Bildkompositionen und der dazu passenden musikalischen Untermalung. Er lässt die berührende Geschichte ab und an mit einer Voice Over Stimme Hodokas begleiten – mit welcher wir uns identifizieren können, unsere eigenen Teenager Gedanken gespiegelt hören. Die Kunst liegt hier – im „sich Wiederfinden“ – egal wo auf dieser Welt dieser Film spielt – jeder war als Teenager verliebt. Entweder in das eine Mädchen oder den Jungen, der oder die für uns die Sonne erstrahlen lässt – kostenlos und doch unbezahlbar in unseren Augen. Wenn es dann regnet, gibt man nicht auf, sucht und findet die Sonne erneut. Dieser Storyline folgt der Film – gradlinig ohne große Antagonisten. Dramaturgisch seicht gehalten – aber mit starken Bildern und Farben erzählt. Bunt trifft starke Kontraste – die Animationstechnik lässt keine Wünsche offen und zeigt erneut, welches Talent Shinkai ist.

Verantwortung, Opferbereitschaft, die Liebe und der Glaube, sind zentrale Themen. Die meiste Zeit davon, nimmt die Liebe ein – und das ist nicht nur die persönliche Liebeserklärung von Matoko Shinkai an Tokio. Fehlen darf auch hier nicht das Thema Kapitalismus in einer Großstadt – welches dann auch an Hina’s Kräften zehrt. Kritik an unserer Verantwortung bzw. Verantwortungslosigkeit zum Klima, ist beim heimlichen Star des Films – das Wetter – nicht zu vermeiden. Störend und Überflüssig sind, bei all dieser Kritik, die nervige Werbung für Apple, Mc Donalds und andere Produkte.

Fazit: Wunderschöne Bilder und eine berührenden Geschichte, die den Film zurecht schon jetzt zu einem der erfolgreichsten japanischen Filme aller Zeiten machen. Anime auf hohem Niveau, mit Abstrichen bei der Dramaturgie, nervigen Produkt Placements und manchen Längen im Erzählfluss. Keinesfalls nur eine weitere „Teenager – Tokio – Love – Story “ – sondern eine ernsthafter Oscar-Kandidat aus Japan.

Wertung : 7 / 10

10 – Meisterwerk 8-9  sehr gut 6-7 gut 5  Ziel erreicht 3-4 grad noch wach geblieben 1-2 Geldverschwendung 0 – Geld zurück verlangen