Inhalt: Simon Williams will kein klassischer Rächer sein, er will ein Star sein. Als sich die Chance ergibt, in einem neuen Superheldenfilm mitzuspielen, der ironischerweise ebenfalls den Titel Wonder Man trägt, scheint sich alles zu fügen. Blöd nur, dass seine echten Kräfte, sein fragiles Ego und die absurde Produktionsrealität Hollywoods frontal aufeinandertreffen. An seiner Seite steht Ben Kingsley als Trevor Slattery, ein ehemals gefeierter Schauspieler, der noch immer davon träumt, relevant zu sein – und diesmal tatsächlich helfen will.
Ein Held, der eigentlich nur berühmt sein will
Wonder Man wurde von Destin Daniel Cretton, dem Regisseur von Shang-Chi und Spider-Man: Brand New Day, gemeinsam mit Andrew Guest entwickelt, der auch als Showrunner fungiert. Die Serie ist der zweite Titel unter dem stärker charakterorientierten Label Marvel Spotlight und fühlt sich tatsächlich grundlegend anders an als vieles, was das MCU zuletzt hervorgebracht hat. Klassische Helden-Schurken-Dynamiken sucht man hier vergeblich, Action mit Superkräften bleibt bewusst dosiert.
Stattdessen erzählt Wonder Man eine fast schon intime Geschichte über den Schauspielberuf, über Selbstzweifel, Ego und das Bedürfnis nach Anerkennung. Im Zentrum steht die ungewöhnliche, aber erstaunlich warmherzige Männerfreundschaft zwischen Simon Williams (Yahya Abdul-Mateen II) und Trevor Slattery (Sir Ben Kingsley). Der Ansatz funktioniert hervorragend. Die Serie ist weniger eine bissige Branchensatire wie „The Franchise„, als vielmehr eine nachdenkliche Auseinandersetzung mit Kunst, Identität und gegenseitigen Vorstellungen.
Ein Großteil des Humors ergibt sich aus der geplanten Verfilmung von „Wonder Man“ (innerhalb des Universums). Casting-Situationen, Vorsprechen und Branchenrituale werden mit feinem Gespür unter die Lupe genommen, darunter auch Momente, in denen das Ego der Schauspieler ihren eigenen Weg blockiert.

Schauspieler spielen Schauspieler – und treffen ins Schwarze
Unterstützt wird das Format von einer starken Nebendarstellerriege. X Mayo überzeugt als Simons Agentin Janelle, die gleichermaßen genervt, loyal und wunderbar pragmatisch auftritt. Auch Joe Pantoliano und Josh Gad liefern in Selbstparodien treffsichere Darbietungen. Besonders hervorzuheben ist die vierte Episode: In Schwarz-Weiß gedreht, aber in der Gegenwart angesiedelt, steht hier DeMarr Davis (Byron Bowers) im Mittelpunkt. Er ist ein Türsteher, der neben Ruhm auch Superkräfte erlangt. Ein absolutes gelungenes, komödiantisches Staffel-Highlight.
Noch besser als die Gags sind aber die authentischen Gefühlsausbrüche der Charaktere. Die persönliche Entwicklung von Simon und Trevor – sowohl individuell als auch gemeinsam – ist das Herzstück der Serie. Ihre Gespräche über beliebte Zitate, nicht erhaltene Rollen und bescheidene Erfolge gehören zu den besonders ehrlichen und einfühlsamen Momenten im gesamten MCU. Dadurch wirkt die typische Action-Sequenz in der fünften Folge, in der Simon mal kurz seine Kräfte einsetzt, umso irritierender. Man könnte fast meinen, dass dieses Kapitel hier fehl am Platz ist.
Yahya Abdul-Mateen II präsentiert sich hier ganz anders als in seiner Rolle als Black Manta in Aquaman: einfühlsam, verletzlich, auf zurückhaltende Art humorvoll. Ben Kingsleys Trevor Slattery, der in der Vergangenheit oft als skurrile Nebenfigur eingesetzt wurde, erhält endlich die nötige Tiefe. Seine leicht schräge Persönlichkeit wird hier nicht auf Pointen reduziert, sondern macht ihn zu einem rundum sympathischen Charakter.
Fazit: Die Chemie zwischen Yahya Abdul-Mateen II und Ben Kingsley hebt Wonder Man deutlich über viele andere MCU-Serien hinaus. Eine ruhige, intelligente Charakterstudie, die zeigt, wie viel Sympathie Marvel gewinnen kann, wenn es auf Bombast und Lärm verzichtet.
Serien Bewertung 8 / 10





