WARFARE

Inhalt: 2006, Ramadi, Irak. Eine Gruppe von Navy SEALs besetzt eine Wohnung, um die Umgebung zu überwachen, und wird dabei von Al-Qaida-Aufständischen unter Beschuss genommen.

Authentizität statt Hollywood-Dramaturgie

Mit einem gewaltigen Knall eröffnet Warfare und setzt sofort ein unmissverständliches Zeichen. Während das ikonische Aerobic-Video zu Call On Me von Eric Prydz aus dem Jahr 2004 über den Bildschirm flimmert, taucht der Film direkt in eine Gruppe junger Soldaten ein, die sich im Jahr 2006 während eines Militäreinsatzes zusammenfinden. Doch dies ist nur die trügerische Ruhe vor dem Sturm – eine kurze Szene, die ohne Worte auskommt, aber auf besondere Weise die enge Verbundenheit der Truppe zeigt. Von hier an ist Warfare eine filmische Tour de Force, die keine Kompromisse eingeht und in ihrer rohen, unverfälschten Darstellung des Krieges ihresgleichen sucht.

Der Film basiert vollständig auf den Erinnerungen von Ray Mendoza (gespielt von D’Pharaoh Woon-A-Tai) und anderer Teammitglieder und seinen Kameraden. Mendoza selbst, ein ehemaliger Navy SEAL, hat nach seiner Militärkarriere als Berater in der Filmindustrie gearbeitet und führte gemeinsam mit Regisseur Alex Garland (Ex Machina, Civil War) die Regie. Während Mendoza eng mit den Schauspielern arbeitete, übernahm Garland die Kameraarbeit – eine Partnerschaft, die zu einer unerbittlichen, hochintensiven Erzählweise führte.

Warfare verzichtet bewusst auf dramaturgische Erfindungen, emotionale Manipulation oder unnötige Hintergrundgeschichten. Hier gibt es keine klischeehaften Monologe oder heroische Inszenierungen. Stattdessen wird das Publikum unmittelbar in das Geschehen hineingezogen – ein Gefühl, das durch die sparsame, fast dokumentarische Inszenierung verstärkt wird.

Ein Krieg, der keinen Helden hervorbringt

Die erste halbe Stunde des Films bleibt vergleichsweise ruhig: Eine Navy-SEAL-Einheit überwacht ein Wohngebiet im Irak, beschlagnahmt in der Nacht eine Wohnung und positioniert sich mit Scharfschützengewehren. Die Chemie innerhalb des Teams ist spürbar, doch es gibt keine überflüssigen Dialoge – nur die Mission zählt. Doch sobald der Kampf beginnt, gibt es kein Zurück mehr: Warfare entwickelt sich zu einem schonungslosen, fast in Echtzeit ablaufenden Inferno, das ohne Pause auf den Zuschauer einhämmert. Die Kameraarbeit verändert sich im Laufe des Films – von anfangs ruhigen, distanzierten Einstellungen zu chaotischen, Nahaufnahmen, sobald die Lage eskaliert.

Besonders eindrucksvoll ist eine Szene auf offener Straße: Die Kamera taumelt mit den Soldaten mit, zeichnet jeden Treffer auf und zwingt die Zuschauer, hinter den Kinosesseln in Deckung zu gehen, als wären sie selbst Teil des Feuergefechts. Doch Warfare glorifiziert den Krieg nicht. Es gibt keine stilisierten Bilder, keine heroische Musikuntermalung – stattdessen dominieren die brutalen, ohrenbetäubenden Klänge von Schüssen, Explosionen und den verzweifelten Schreien der Soldaten. Jeder Schuss, jede Detonation wirkt real und erschütternd. Es ist eine rohe, erschreckende Darstellung von Kampf und Trauma.

Ein Antikriegsfilm ohne erhobenen Zeigefinger

Obwohl sich Warfare aus der Perspektive der amerikanischen Soldaten erzählt, verzichtet der Film auf politische Kommentare oder eine einseitige Darstellung. Hier gibt es keine Gewinner, nur Menschen, die um ihr Überleben kämpfen. Es ist einer der effektivsten und authentischsten Antikriegsfilme der letzten Jahre – frei von Pathos und überzogener Emotionalität, aber mit einer unerbittlichen Ehrlichkeit, die unter die Haut geht. Die Entscheidung, komplett auf Filmmusik zu verzichten, verstärkt die Intensität der Ereignisse.

Garland und Mendoza vertrauen darauf, dass die rohe Inszenierung und die Leistungen der Darsteller allein die emotionale Last tragen. Die Konsequenz dieser Entscheidung zeigt sich in jeder Szene: Der Film ist intensiv, erschöpfend und zutiefst menschlich. Mit Warfare liefern Alex Garland und Ray Mendoza einen gnadenlosen, kompromisslosen Kriegsfilm ab, der das Publikum an die Grenzen des Erträglichen bringt. Der Film zeigt den Krieg nicht als Spektakel, sondern als das, was er ist: Chaos, Schmerz und Verzweiflung.

Fazit: Wer sich auf Warfare einlässt, wird nicht mit einem herkömmlichen Kriegsfilm belohnt – sondern mit einer brutalen, authentischen Erfahrung, die lange nachwirkt. Ein cineastischer Kraftakt, der nichts beschönigt und den Krieg in all seiner Grausamkeit zeigt. PACKEND. EMOTIONAL. BRUTAL. EHRLICH.

© Leonine Studios