Inhalt: Wann immer ihr Spielzeugaffe seine Trommelstäbe schwingt, kommt es im Umfeld der Zwillingsbrüder Hal und Bill zu den absurdesten Todesfällen. Um eine Katastrophe zu verhindern, schmeißen die beiden ihn kurzerhand weg. Als es Jahre später erneut zu rätselhaften Toden kommt, müssen sich die seither zerstrittenen Brüder (beide Theo James, „The White Lotus“) zusammenraufen, um den verfluchten Affen aufzuspüren und endgültig zur Strecke zu bringen.
Stephen King und seine Liebe zu verfluchten Objekten
In den 70er- und frühen 80er-Jahren gab es kaum etwas, das Stephen King mehr faszinierte als Kinder mit übersinnlichen Gaben oder finsteren Flüchen – man denke nur an Carrie, The Shining oder Firestarter. Doch direkt danach kamen für ihn offenbar leblose Gegenstände, die von einer bösartigen Macht besessen waren. So erwachten nicht nur Autos, Lastwagen und sogar eine Bügelpresse zum tödlichen Leben, sondern fanden auch ihren Weg auf die große Leinwand. Während John Carpenter mit Christine Kings mörderischen Plymouth Fury zum Kult machte, wagte sich King selbst an Rhea M – Es begann ohne Warnung, die Verfilmung seiner Kurzgeschichte Trucks, und ließ Maschinen gegen die Menschheit aufbegehren. Später folgte Tobe Hooper mit The Mangler, in dem eine industrielle Wäschemangel zum blutgierigen Monster mutierte.
Es ist dieser makabre Spaß an Alltagsgegenständen, die plötzlich zur tödlichen Bedrohung werden, der The Monkey perfekt in Kings Schaffenswerk einreiht. Ein harmloses Aufziehspielzeug, das mit jedem Trommelschlag den Tod verkündet – ein Albtraum, wie er nur aus Kings Feder stammen kann. Und genau hier setzt Osgood Perkins an, um diese verstörende Idee zum Leben zu erwecken. Ursprünglich 1980 in der Zeitschrift Gallery veröffentlicht und später für die Kurzgeschichtensammlung Skeleton Crew (1985) überarbeitet, steht The Monkey für das personifizierte Böse – eingefangen in einem harmlos wirkenden Aufziehspielzeug. Mit seinen glühenden Augen, die vor „diabolischer Vorfreude“ funkeln, und einem mörderischen Grinsen auf den Lippen erwacht die zottelige Kuriosität zum Leben. Jedes Mal, wenn der Affe trommelt, tanzt der Tod dazu – ein gnadenloser, unausweichlicher Rhythmus, der Schrecken und Verderben ankündigt.
Und wer wäre besser geeignet, diese Geschichte auf die Leinwand zu bringen, als Osgood Perkins? Sein jüngster Film Longlegs (2024) bewies bereits, dass er ein Meister darin ist, subtilen Grusel mit okkulter Symbolik zu verweben. Während Longlegs sich mit dämonischen Puppen und ungreifbarem Schrecken beschäftigte, stellt Perkins in The Monkey den Affen als Verkörperung des Teufels selbst dar – ein gnadenloser Fluch, der sich nicht abschütteln lässt. Ein Blick auf Longlegs genügt, um zu verstehen, warum Perkins für diesen Stoff prädestiniert ist. Schließlich ließ er Nicolas Cage in der Rolle eines dämonischen Serienmörders zu einer Albtraum haften Mischung aus Charles Manson und einer grotesk lächelnden Botox-Oma mutieren. Wenn Perkins es schafft, einen Menschen so unheilvoll und unvergesslich zu gestalten, dann wird er auch ein Aufziehspielzeug in einen absoluten Horror-Albtraum verwandeln.
Splatter, Chaos und ein morbider Erfindungsreichtum
Doch Osgood Perkins hat eine unerwartete Entscheidung getroffen: Er verwandelt Stephen Kings Kurzgeschichte The Monkey nicht in einen klassischen Horrorfilm, sondern in eine rabenschwarze Horrorkomödie. Dabei stellt er eine hochkarätige Besetzung zusammen, die sich wie eine skurrile Truppe aus einem Film der Coen-Brüder anfühlt – darunter ein kurzer, aber denkwürdiger Auftritt von Elijah Wood. Doch diese Figuren sind nur die Beilagen. Der Hauptgang? Eine blutgetränkte Kette absurder Todesfälle, die in ihrer heiteren Boshaftigkeit an Peter Jacksons Braindead oder den letzten Akt von Lee Cronins Evil Dead Rise erinnern.
Fans der Final Destination-Reihe werden sich ebenfalls wohlfühlen, denn Perkins treibt den Mausefallen-Effekt mit einem höllischen Vergnügen auf die Spitze. Ob Schrotflinte, Harpune, Hibachi-Messer, Bowlingkugel, ein unter Strom gesetztes Schwimmbecken oder ein Rasenmäher – alles dient dem Splatstick! Habt ihr euch jemals gefragt, wie es aussieht, wenn eine Horde Wildpferde über einen schlafenden Camper galoppiert? Ein verwirrter Schaulustiger bringt es trocken auf den Punkt: „Kirschkuchen im Schlafsack.“ Auch wenn Perkins den Tonfall der Geschichte verändert hat – statt lauten Becken spielt unser teuflischer Affe nun auf einer kleinen Trommel – bleibt der Kern der Story unangetastet. Zu Beginn des Films im Jahr 1999 entdecken die Zwillingsbrüder Hal und Bill (beide gespielt von Christian Convery) die verfluchte Affenpuppe unter dem Sammelsurium ihres reiselustigen Vaters.
Kaum setzt das Äffchen zu seinem Trommelwirbel an – zur Melodie von I Do Like To Be Beside The Seaside – nimmt das Unheil seinen Lauf: Ihr Babysitter wird bei einem bizarren Unfall enthauptet. Die Brüder versuchen verzweifelt, das Spielzeug loszuwerden – doch wie King-Fans wissen, kommen sie manchmal wieder. Schnitt in die Gegenwart: Hal (Theo James) hat seit Jahren weder seinen Bruder noch den Affen gesehen. Doch das soll sich bald ändern…
Parallelen zu „Es“ und „Die Affenpfote“
Die Struktur von The Monkey erinnert stark an Stephen Kings Klassiker „Es“ – insbesondere die Dynamik zwischen den Kindern und ihren erwachsenen Gegenstücken, die sich einem bösen, übernatürlichen Wesen stellen müssen. Gleichzeitig spielt der Film auf W.W. Jacobs’ Kurzgeschichte „Die Affenpfote“ (1902) an, in der Wünsche einen schrecklichen Preis haben. In The Monkey geht der junge Hal noch einen Schritt weiter: Er versucht, die Macht des Affen gezielt zu „steuern“, indem er eine bestimmte Person ins Visier nimmt. Doch was er auf die harte Tour lernen muss: Dieser Affe erfüllt keine Wünsche – er fordert Opfer.
Der größte Einfluss auf Osgood Perkins’ Verfilmung liegt jedoch vermutlich in den gruseligen EC-Comics der 1950er Jahre. Diese schockierenden Horror-Anthologien, die Stephen King als Kind verschlang, prägten ihn maßgeblich – und fanden bereits mit Creepshow eine Hommage, die er für seinen Freund George A. Romero schrieb. Doch kann The Monkey mit ikonischen Geschichten wie „The Crate“, „They’re Creeping Up On You“ oder „The Raft“ aus Creepshow 2 mithalten?
Während letzterer ebenfalls auf einer King-Kurzgeschichte aus Skeleton Crew basiert, muss sich The Monkey erst noch beweisen. Doch mit seinem bizarren Humor, groteskem Splatter und der unheilvollen Aura des tödlichen Trommeltiers bringt Perkins all die richtigen Zutaten mit.
The Monkey – Horror, Splatter und rabenschwarzer Humor
Regisseur Oz Perkins bleibt seiner düsteren Farbpalette und den präzise komponierten Bildern treu – ein Stil, der bereits Longlegs auszeichnete. Doch während diese Ästhetik dort für Gänsehaut sorgte, hätte ein wilderer, ungezügelterer Stil den chaotischen Eskapaden von The Monkey möglicherweise besser getan. Was den Film besonders macht, ist seine überraschende Wendung ins Horrorkomödiantische. Statt auf subtilen Schrecken setzt Perkins auf rabenschwarzen Humor, blutige Eskalationen und kreative Kills, die an Final Destination, Braindead oder Evil Dead Rise erinnern.
Die skurrilen, übertriebenen Todesfälle – ob durch Schrotflinte, Harpune oder eine Horde durchdrehender Wildpferde – machen unmissverständlich klar: Hier geht es nicht nur um Horror, sondern auch um makabre Unterhaltung. Doch trotz dieser tonalen Verschiebung bleibt der Kern der Geschichte erhalten: Eine unheimliche, verfluchte Trommel, die Tod und Verderben bringt. Perkins spielt mit den typischen Stephen-King-Motiven – verlorene Kindheit, unausweichliches Schicksal – und würzt das Ganze mit einer gehörigen Portion EC-Comic-Vibes, wie sie schon Creepshow ausmachten.
Fazit: Spaß am Schrecken
Wer den beklemmenden Horror von Longlegs oder die düstere Intensität von Kings Originalgeschichte erwartet, könnte überrascht sein. The Monkey ist weniger ein klassischer King-Schocker als vielmehr eine groteske, bluttriefende Horrorkomödie. Doch genau darin liegt sein Reiz: Statt nur zu schocken, lädt der Film dazu ein, über den Tod zu lachen – und dabei jede Menge Spaß zu haben. Die besten Szenen? Eine blutige, kreative Augenweide. Film Bewertung 7 / 10