Inhalt: THE MOMENT ist eine Mockumentary über die Höhen und Tiefen des Erfolgs. Nach dem von ihr lancierten Phänomen BRAT SUMMER kämpft Charli xcx gegen die immensen Erwartungen – diejenigen von außen, aber auch ihre eigenen … Regisseur Aidan Zamiri (Charli xcx feat. Billie Eilish: Guess) hat bereits mit Künstlern wie FKA Twigs und Billie Eilish gearbeitet und präsentiert nun die Musikerin Charli xcx (Boom Clap) in ihrer bisher persönlichsten Rolle.
Charlotte Aitchison, besser bekannt als Charli xcx, hat lange auf genau diesen Moment hingearbeitet. Über Jahre galt sie als Kritikerliebling mit treuer Fanbase, aber ohne den ganz großen kommerziellen Durchbruch. Dann kam Brat – und mit dem Album der Sommer 2024, der kurzerhand zum „Brat Summer“ erklärt wurde. Über Nacht wurde aus dem ewigen Pop-Insider-Tipp ein kulturelles Phänomen, inklusive Meme-Ökonomie, Social-Media-Überpräsenz und einem Erwartungsdruck, der kaum noch zu kontrollieren war.
Genau hier setzt The Moment an. Der Film beschreibt sich selbst augenzwinkernd als Geschichte über „Brat, Charli und eine Tour, die so vielleicht nie stattgefunden hat“. Diese bewusste Unschärfe zwischen Realität und Fiktion ist das zentrale Stilmittel der Mockumentary, die im September 2024 spielt – zu jenem Zeitpunkt, an dem der Hype unweigerlich abklingt und die Frage unausweichlich wird: Wer ist Charli xcx, wenn die Party vorbei ist?
In einer fiktionalisierten Version ihrer selbst kämpft Charli mit genau diesem Problem. Der Dauerappell, den „Brat Summer“ endlos fortzuschreiben, beginnt sie zu irritieren und zu ermüden. Ihre Sorge, das Ganze könne langsam peinlich wirken, ist dabei weniger kokette Selbstironie als Ausdruck einer realen Identitätskrise. Regisseur Aidan Zamiri, der bereits die visuellen Leitmotive der Brat-Ära geprägt hat, übersetzt diesen Zustand in ein bewusst fragmentiertes, stellenweise unangenehm nahes Porträt.
Popstar zwischen Selbstzweifel und Verwertungslogik
Der Film funktioniert besonders stark als Satire auf die moderne Musikindustrie. Figuren wie der überforderte Manager Tim oder die kühl kalkulierende Geschäftsfrau Tammy sind klar überzeichnet, wirken in ihrer Grundhaltung aber erschreckend real. The Moment wird so zu einer Art This Is Spinal Tap für Gen Z – weniger laut, weniger anarchisch, dafür spürbar näher an der emotionalen Realität heutiger Popstars.
Charli xcx selbst erweist sich dabei als überraschend präzise Darstellerin. Sie scheut nicht davor zurück, ihr Alter Ego unsympathisch, unsicher oder egozentrisch erscheinen zu lassen. Gerade darin liegt die Stärke des Films: Er ist offenkundig ein Eitelkeitsprojekt, aber kein schmeichelhaftes. Vielmehr zeigt er eine Künstlerin, die zwischen Selbstverwirklichung und Markenpflege zerrieben wird und dabei nicht immer die besten Entscheidungen trifft.
Fazit: The Moment ist keine universelle Einstiegskarte für Charli-xcx-Neulinge und erfindet das Mockumentary-Genre nicht neu. Doch als ironischer, scharfsinniger Blick auf das Popstar-Dasein nach dem Hype überzeugt der Film durch Haltung, Selbstkritik und eine Hauptdarstellerin mit echtem komödiantischem Gespür. Statt glatter Selbstinszenierung gibt es Ambivalenz, Unsicherheit und kalkulierte Provokation.
Film Bewertung: 7,5 / 10
