THE DEATH OF ROBIN HOOD

Angenommen, man dreht einen Film über eine mythische, legendäre Figur, eine Ikone, deren heroisches Vermächtnis mit den Jahren Risse bekommen hat. Jemand, der im hohen Alter mit Schuld, Versäumnissen und den Konsequenzen seiner Entscheidungen konfrontiert wird, während die eigene Sterblichkeit immer näher rückt. Wen besetzt man für eine solche Rolle?

Wenn man James Mangold ist, lautet die Antwort bei Logan selbstverständlich Hugh Jackman. Und nun folgt Michael Sarnoski demselben Instinkt. Denn auch Sarnoski, der mit Pig und A Quiet Place: Tag Eins sein Gespür für leise, existenzielle Geschichten bewiesen hat, setzt bei seinem neuen Projekt auf Jackman – diesmal als gealterten Robin Hood.

HUGH JACKMAN IN THE DEATH OF ROBIN HOOD
Hugh Jackman als gealterter Robin Hood © A24

Ein Robin Hood jenseits von Legende und Heldenromantik

The Death Of Robin Hood verabschiedet sich bewusst von der klassischen Räuberpistole und dem romantisierten Volkshelden. Stattdessen zeichnet der Film das Porträt eines Mannes, der lange überlebt hat, vielleicht zu lange. Die berühmten Taten liegen hinter ihm, die Geschichten wurden ausgeschmückt, verklärt, vereinfacht. Was bleibt, ist ein Mensch, der sich fragen muss, was seine Ideale tatsächlich bewirkt haben und welchen Preis andere dafür gezahlt haben.

Der nun veröffentlichte Trailer deutet genau diese Tonlage an: düster, nachdenklich, körperlich gezeichnet. Jackmans Robin Hood wirkt weniger wie ein Freiheitskämpfer, sondern wie ein Mann, der sich seiner eigenen Legende kaum noch entziehen kann. Es geht nicht mehr um den nächsten Pfeil, sondern um das, was am Ende eines Lebens übrig bleibt.

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Michael Sarnoski und die leise Demontage eines Mythos

Dass ausgerechnet Michael Sarnoski diesen Stoff anfasst, ist kein Zufall. Schon Pig erzählte von einem Mann, dessen Vergangenheit größer war als seine Gegenwart, und von der schmerzhaften Erkenntnis, dass Erlösung nicht in großen Gesten liegt. Überträgt man diesen Ansatz auf Robin Hood, entsteht ein Film, der weniger an Abenteuerkino interessiert ist als an innerer Abrechnung.

Der Trailer zu The Death Of Robin Hood verspricht genau das: eine ernste, erwachsene Neuinterpretation, die den Mythos nicht feiert, sondern seziert. Hugh Jackman scheint dafür einmal mehr die ideale Besetzung, ein Schauspieler, der physische Präsenz mit Verletzlichkeit verbinden kann und der bereits mehrfach bewiesen hat, dass das Altern von Helden auf der Leinwand zu seinen stärksten Rollen gehört.

Ob The Death Of Robin Hood am Ende zur definitiven Demontage der Legende wird oder zu einer melancholischen Verneigung vor ihr, wird sich zeigen. Der erste Trailer jedenfalls macht klar: Das hier ist kein Robin Hood, der den Wald betritt – sondern einer, der ihn endgültig verlässt.