Inhalt: Als Vecna kurz davor steht, die Welt zu zerstören, muss die Gruppe alles aufs Spiel setzen, um ihn ein für alle Mal zu besiegen.
Viel Bedrohung, wenig echte Konsequenzen
Das Finale ist der Punkt, an dem sich entscheidet, ob all die investierte Zeit, all die Geduld und all die emotionale Bindung wirklich etwas bedeuten und wie man sich an eine Geschichte erinnern wird. Genau an diesem Anspruch muss sich auch das große Serienfinale von Stranger Things messen lassen.
Nach fast zehn Jahren, zahllosen Cliffhangern und immer größeren Bedrohungen endet das Serienphänomen mit einem zweistündigen Abschluss, der vieles richtig macht, sich dabei aber auffallend selten etwas traut. Die Duffer-Brüder wissen genau, wie man eine Serie würdevoll schließt, und sie schnüren dieses Finale mit routinierter Sicherheit
Wir steigen direkt dort ein, wo wir aufgehört haben. Hawkins steht erneut kurz vor dem Untergang, und die verbliebene Gruppe wirft alles in den letzten Kampf gegen Vecna. Jamie Campbell Bower liefert dabei erneut eine starke, bedrohliche Performance. Das Ziel ist klar: die gefangenen Kinder retten, das Upside Down stoppen und dem Albtraum endgültig ein Ende setzen.

Ein Finale ohne echten Abgrund
So groß die Gefahr wirkt, so kontrolliert bleibt das, was daraus folgt. Es gibt keine schockierenden Wendungen, keine Entscheidungen, die alles infrage stellen. Stattdessen fühlt sich das Finale sehr bewusst ausbalanciert an.
Die Macher wissen genau, wie sie ihre Geschichte sauber zu Ende erzählen und niemanden vor den Kopf stoßen. Gerade deshalb fällt auf, wie glimpflich vieles ausgeht. Trotz zahlreicher Kämpfe und dramatischer Situationen bleiben die Folgen überschaubar.
Figuren überstehen lebensgefährliche Momente fast unversehrt, echte Verluste sind rar. Nach der Härte früherer Staffeln wirkt das Finale stellenweise erstaunlich zahm.

Kleine Stolpersteine auf dem Weg
Nicht jede Szene zündet so, wie sie soll. Manche Dialoge wirken bemüht, einzelne Humor-Einschübe verlieren durch Wiederholung ihren Effekt. Auch prominente Neuzugänge wie Linda Hamilton bleiben überraschend blass und hinterlassen weniger Eindruck als erwartet.
Selbst ikonischen Demogorgons spielen am Ende keine Rolle, als man es nach all den Jahren vermuten würde. Sie sind wie vom Erdboden verschwunden. Das ist schade, weil die Serie durchaus die Möglichkeit gehabt hätte, mutiger zu sein und echte Spuren zu hinterlassen.
Das Fundament für ein härteres, konsequenteres Ende war da. Stattdessen bleibt man lieber auf der sicheren Seite.

Wenn Stranger Things emotional glänzt
Was das Finale aber sehr gut kann, ist Gefühl. Stranger Things war nie nur Horror, sondern immer auch eine Geschichte übers Erwachsenwerden. Genau hier spielt die Serie ihre Stärken aus. Die ruhigen Momente, die Abschiede, das unausgesprochene Wissen, dass nichts mehr so sein wird wie früher, treffen oft stärker als jede Actionszene.
Der Epilog gehört zu den besten Teilen des Finales. Er zeigt, wie sich Wege trennen, wie Verantwortung wächst und wie man lernt, mit Erinnerungen zu leben. Musikauswahl, Inszenierung und Schauspiel greifen hier perfekt ineinander und sorgen für einen runden, ehrlichen Abschied.
Das Finale von Stranger Things ist emotional, hochwertig inszeniert und respektvoll gegenüber seinen Figuren und Fans. Es setzt mehr auf Zusammenhalt und Abschluss als auf Schockmomente oder radikale Entscheidungen.
FAZIT: Ein würdiger Abschied, der emotional funktioniert, aber nicht das letzte Risiko eingeht, das seine eigene Mythologie lange versprochen hat. Hawkins ist gerettet. Die Kindheit ist endgültig vorbei und Stranger Things verlässt die Bühne mit erhobenen Haupt.
Episoden Bewertung 9 / 10






