Inhalt: Billy Chapman (Rohan Campbell) wird von einem Killer in Weihnachtsmannkostüm heimsucht und ist jedes Jahr gezwungen, für jedes Türchen im Adventskalender einen Sünder zu ermorden. Während er einen Aushilfsjob in einem Weihnachtsladen annimmt, denkt er darüber nach, sich zur Ruhe zu setzen. Doch der Geist weist ihn auf weitere Sünderhin, die mit einer Axt bestraft werden müssen.
Trauma, Ritual und ein neuer Billy
Der 1984 erschienene Film Silent Night, Deadly Night ist rückblickend ein eher mittelmäßiger Slasher, der deutlich hinter den großen Weihnachtshorror-Klassikern wie Black Christmas, Christmas Evil oder jener legendären Tales From The Crypt-Episode zurückbleibt, in der ein psychopathischer Weihnachtsmann Joan Collins erwürgt. Und doch entwickelte sich ausgerechnet dieser Film zu einer langlebigen Marke: vier Fortsetzungen, ein Semi-Remake aus dem Jahr 2012 (Silent Night) und eine ganze Reihe von thematischen Nachahmern folgten.
Im Grindhouse-Horror gilt dabei eine einfache Faustregel: Remakes fragwürdiger Originale sind oft der bessere Weg, als ikonische Klassiker neu zu verunstalten. Drehbuchautor und Regisseur Mike P. Nelson, der diesen Ansatz bereits mit seinem Wrong Turn-Remake verfolgt hat, nutzt genau diese Chance und hebt das simple Grundkonzept von Silent Night, Deadly Night überraschend deutlich an.
Wie im Original wird auch hier der Protagonist Billy als Kind traumatisiert, als ein wahnsinniger Weihnachtsmann seine Eltern ermordet. Dieses Trauma setzt sich fort, bis der erwachsene Billy, gespielt von Rohan Campbell, selbst gezwungen ist, den roten Anzug, den weißen Bart, die Mütze und die schweren Stiefel des Heiligen Nikolaus anzulegen. Doch Nelsons Version interessiert sich weniger für reinen Slasher-Exzess als für Ritual, Zwang und innere Zerrissenheit.
Zwischen Romantik, Moral und Mord
Campbell überzeugt als gequälter, geradezu beängstigend ernster Mörder, der sein blutiges Weihnachtsritual mit einer fast religiösen Ernsthaftigkeit ausführt. Auf jede brutale Tat folgt eine makabre Selbstbestätigung: ein blutiger Fingerabdruck im Adventskalender. Die berühmt-berüchtigte Szene aus dem Original, in der ein Geweih eine Rolle spielt, wird nicht einfach kopiert, sondern geschickt variiert und in einen neuen Kontext gestellt.
Zwischen Billy und Pamela, gespielt von Ruby Modine, entsteht eine überraschende emotionale Ebene. Pamela ist Chefin eines Ladens für Weihnachtsartikel, die mit ihrer eigenen Aggression zu kämpfen hat und weit entfernt ist von den üblichen Horrorfilm-Klischees. Modine gelingt es, der Figur Tiefe, Komplexität und eine ungekünstelte Sympathie zu verleihen. Aus dieser Verbindung entwickelt sich eine geradezu beunruhigende Parallele zu Filmen wie Unbreakable oder Dexter: die Vorstellung, dass ein halb besessener Mörder in Wirklichkeit nur „seine Arbeit“ macht.
Nelsons Film spielt bewusst mit dieser moralischen Grauzone. Einige Namen auf der „Unartigen Liste“ scheinen ihre Strafe zu verdienen. Und als Billy schließlich eine Weihnachtsfeier der White Power-Bewegung sprengt und die Worte „Kill Nazis“ unmissverständlich über den Bildschirm flimmern, wird klar, dass dieser Film Stellung beziehen möchte. Hier wird der Weihnachtsmann nicht nur zu einem Monster, sondern auch zum Werkzeug einer bitter-sarkastischen Auslegung von Gerechtigkeit.

Eskalation mit Franchise-Potenzial
Eine weitere Nebenhandlung, die sich um einen weiteren Kleinstadt-Horror dreht, den sogenannten „Snatcher“, erweitert das Universum und führt zu einem Finale, das nicht nur zufriedenstellend ist, sondern auch bewusst Raum für eine mögliche Fortsetzung offen lässt. Nelson verschärft seine Inszenierung zunehmend, indem er klassische Slasher-Elemente mit einer modernen Charakterisierung kombiniert, ohne dabei jemals den saisonalen Irrsinn aus den Augen zu lassen.
Fazit: Silent Night, Deadly Night gelingt in dieser Neuinterpretation genau das, was ein erfolgreicher Weihnachtshorrorfilm braucht: blutige Morde, hintergründigen Humor, sympathische Hauptfiguren und eine kräftige Portion wohlverdiente Strafe für sehr, sehr böse Jungs und Mädchen. Kein Meisterwerk des Genres, aber ein erstaunlich solider Feiertags-Horror-Cocktail mit ganz eigenem Stil.
Film Bewertung 6 / 10
