PILLION

Der Debütfilm Pillion sorgte bereits bei seiner Weltpremiere auf den Filmfestspielen von Cannes für erhebliches Aufsehen. Ausgezeichnet mit dem Preis für das Beste Drehbuch in der Sektion Un Certain Regard entwickelte sich der Film schnell zum unbestrittenen Publikumsliebling des Festivals. Auch im weiteren Festivalverlauf setzte PILLION seinen Siegeszug fort.

Bei den British Independent Film Awards war er mit vier Auszeichnungen, darunter dem Hauptpreis als Best British Independent Film, der erfolgreichste Titel des Abends. Ein bemerkenswerter Einstand für Regisseur Harry Lighton, der mit sicherem Gespür für Tonfall und Figuren ein ungewöhnlich zärtliches Drama vorlegt.

© Weltkino Filmverleih

Unterwerfung, Freiheit und ein leiser Zweifel

Im Mittelpunkt steht der schüchterne Colin, dessen Leben eine radikale Wendung nimmt, als er in einer Bar auf den charismatischen Ray trifft. Dass der selbstbewusste Biker ausgerechnet ihn zu seinem neuen Gefährten erwählt, erscheint Colin wie ein unerwartetes Geschenk. Ray verlangt absolute Unterwerfung, eine Rolle, die Colin bereitwillig annimmt. Er ordnet seinen Alltag vollkommen unter, übernimmt Haushalt, Besorgungen und akzeptiert ohne Widerrede die strengen Regeln dieser Beziehung. Als Gegenleistung öffnet Ray ihm die Tür zu einer Welt voller intensiver Erfahrungen, wilder Abenteuer und körperlicher Ekstase.

Während Colins Eltern mit wachsender Sorge auf diese Veränderung blicken, scheint er selbst zunächst angekommen zu sein. Doch mit der Zeit regt sich in ihm eine leise, kaum greifbare Sehnsucht. Es ist der Wunsch nach emotionaler Nähe und Gegenseitigkeit, nach etwas, das über die klar definierten Machtverhältnisse hinausgeht. Ob Ray ihm das geben kann oder überhaupt geben will, bleibt die zentrale Frage, die den Film zunehmend bestimmt.

Alexander Skarsgård verleiht Ray eine faszinierende Mischung aus Dominanz, Charisma und unterschwelliger Verletzlichkeit, während Harry Melling Colin mit feinem Humor, Zärtlichkeit und großer emotionaler Offenheit gestaltet. Gemeinsam entwickeln sie eine Dynamik, die nie ins Plakative abrutscht, sondern stets von Respekt für die inneren Konflikte ihrer Figuren getragen wird. PILLION basiert auf dem preisgekrönten Roman Box Hill und überrascht als sensible, oft berührende DomCom, die Machtstrukturen hinterfragt, ohne zu urteilen, und dabei ebenso ehrlich wie ungewöhnlich von Liebe, Abhängigkeit und Selbstfindung erzählt.

Alexander Skarsgård in Pillion
© Foto: Chris Harris – Alexander Skarsgård in Pillion © Weltkino Filmverleih