NO OTHER CHOICE

Inhalt: Man-su hat sich mit viel Fleiß und harter Arbeit ein perfektes Leben geschaffen: Haus mit Garten, harmonische Ehe, talentierte Kinder und genug Zeit für sein geliebtes Bonsai-Hobby. Doch als KI plötzlich seinen Job ersetzt, müssen er und seine Familie auf allerlei Annehmlichkeiten verzichten: die Tennisstunden der Gattin, das Netflix-Abo der Kinder und selbst die zwei treuen Golden Retriever können sie sich nicht mehr leisten. Und je länger Man-su vergeblich Bewerbungen schreibt, desto näher rückt auch der Verlust des geliebten Hauses. Schließlich begreift er: Nicht der Mangel an Jobs ist das Problem, sondern die Menge an Mitbewerbern. Man-su bleibt keine andere Wahl, als sich – auf sehr kreative Art und Weise – seiner Konkurrenten zu entledigen.

© Neon

Zwischen Bürokratie, Midlife-Crisis und Mordlust

Einen neuen Arbeitsplatz zu finden ist hart. Es macht aber einen Unterschied, ob man jemandem auf Social-Media-Plattformen folgt oder ihn im echten Leben regelrecht stalkt. Man-su entscheidet sich für Letzteres. Nach 25 Jahren bei der Firma Solar Paper entlassen, stolpert er von peinlichen Vorstellungsgesprächen zu demütigenden Zeitarbeitsjobs und fasst schließlich einen radikalen Entschluss: Er beginnt, seine berufliche Konkurrenz auf absurd-komische, zunehmend brutale Weise auszuschalten.

Mit No Other Choice liefert Park Chan-wook sein neuestes, formal hochambitioniertes Werk ab. Der Film basiert auf dem Roman The Ax von Donald E. Westlake aus dem Jahr 1997, der bereits 2005 von Costa-Gavras verfilmt wurde, dem diese Version auch gewidmet ist. Doch Park macht daraus weit mehr als ein Remake: eine bissige, rabenschwarze Abrechnung mit moderner Arbeitswelt, Leistungsdenken und toxischer Männlichkeit.

Man-su, gespielt von Lee Byung-hun, beginnt als Sinnbild beruflicher Stabilität. Elegant gekleidet, mit penibel gepflegtem Schnurrbart, schwärmt er über die Textur bestimmter Papiersorten mit einer Intimität, die eigentlich seiner klugen, besorgten Frau Miri (Son Ye-jin) vorbehalten sein sollte. Doch mit dem Verlust seines Arbeitsplatzes bricht auch sein moralisisches Fundament zusammen.

No Other Choice
No Other Choice ⓒ 2025 CJ ENM Co. Ltd. MOHO FILM ALL RIGHTS RESERVED

Park Chan-wook in Hochform

Was folgt, ist eine groteske Midlife-Crisis mit Todesfolge. Alkohol und Nikotin ersetzen Pünktlichkeit und Sorgfalt, der Schnurrbart wird kurzerhand abrasiert, der Anzug wird gegen Hoodie und Jeansjacke getauscht. Plötzlich wirkt Man-su unbeholfener als sein eigener Teenagersohn. Seine Job-Rivalen, vom einsamen Vinyl-Liebhaber bis zum Autonarren, werden zu Studienobjekten in Parks detaillierter Analyse männlicher Selbstbilder im Spätkapitalismus. Der Film ist dabei zugleich Aufschrei gegen Ausbeutung am Arbeitsplatz, düster-zynische Variante von Chaplins Moderne Zeiten und eine unerwartet liebevolle Hommage an Papier, Printmedien und die Menschen, die mit ihnen arbeiten.

Visuell erinnert Park Chan-wook selbstbewusst daran, warum er zu den besten Erzählern des modernen Kinos zählt. Eine Einbruch-Sequenz inkl. dröhnender Stereoanlage und einem ebenso komischen wie skurrilen Einsatz von Ofenhandschuhen gehört zu seinen besten Gewaltinszenierungen seit der legendären Flurkampfszene in Oldboy. Auch die Arbeit von Kameramann Kim Woo-hyung verdient besondere Erwähnung. Geteilte Bildschirme, poetische Übergänge und stilistische Schnörkel verbinden sich zu einem ebenso verspielten wie präzisen Erzählstil. Das Drama entspinnt sich in gemächlichem Tempo und blitzt dabei mehrfach mit kleinen Geniestreichen auf. In vielerlei Hinsicht ist No Other Choice ein großartiges Stück trivialer Erzählkunst mit dem dafür nötigen Biss.

Fazit: Brutal, bitterböse und gekonnt inszeniert. No Other Choice ist eine scharfzüngige Satire auf Arbeit, Macht und männliche Identität, getragen von einer großartigen Performance von Lee Byung-hun. Park Chan-wook hat angekündigt, hier sein „Meisterwerk“ schaffen zu wollen und kommt diesem Ziel erschreckend nah.

Film Bewertung 8 / 10