Inhalt: Während ihre Ehe still und leise zerbricht, stehen Alex (Will Arnett) und Tess (Laura Dern) vor ganz unterschiedlichen Herausforderungen: Alex kämpft mit dem Älterwerden sowie der bevorstehenden Scheidung und sucht in der New Yorker Comedy-Szene nach einem neuen Lebenssinn. Tess hingegen stellt sich den persönlichen Entbehrungen, die sie ihrer Familie zuliebe in Kauf genommen hat. Beide müssen sich mit Themen wie Co-Parenting, Identität und der Frage auseinandersetzen, ob Liebe eine neue Form annehmen kann.
Bradley Coopers bisherige Karriere als Regisseur ist ebenso faszinierend wie unvorhersehbar. Nach dem vielfach neu interpretierten Musical-Melodram A Star Is Born und dem preisgekrönten Prestigeprojekt Maestro schlägt er mit Is This Thing On? eine völlig andere Richtung ein. Statt Genie, Ruhm und öffentlicher Selbstinszenierung rückt Cooper hier das Alltägliche ins Zentrum. Dieser Film ist sein lustigster und gleichzeitig sein menschlichster.
Im Mittelpunkt steht Alex (Will Arnett), dessen Ehe mit Tess (Laura Dern) nicht im Streit, sondern in stiller Erschöpfung endet. Kein Drama, kein Knall. Nur die Erkenntnis, dass etwas aufgehört hat zu funktionieren. Der Filmtitel meint dabei mehr als den klassischen Satz ins Mikrofon. Es geht um die Frage, ob im Leben selbst noch ein Signal ankommt, ob noch Energie vorhanden ist.
Als Alex eines Abends spontan bei einer Open-Mic-Nacht auftritt, wird Comedy für ihn zur Therapie. Sein Auftritt ist weniger Gag Feuerwerk als schonungslose Beichte. Und genau darin liegt die Stärke des Films.

Trennung ohne Klischees, Humor ohne Schutzschild
Will Arnett, der oft auf neurotische oder lächerliche Figuren festgelegt ist, überrascht hier mit einer zurückgenommenen, verletzlichen Darstellung. Er spielt Alex nicht als Witzfigur, sondern als Mann in einer stillen Midlife-Krise, der seine Gefühle zum ersten Mal laut ausspricht. Erfreulicherweise erhält Laura Dern viel Spiel-Raum. Das von Cooper, Arnett und Mark Chappell geschriebene Drehbuch vermeidet es konsequent, die Ehe nur aus einer Perspektive zu erzählen. Tess ist keine Nebenfigur, sondern eine Frau mit eigenem Begehren, eigener Wut und eigener Zukunft.
Die Dynamik zwischen den beiden bleibt bis zum Schluss spannend, ohne je ins Melodramatische zu kippen. Wenn Alex’ geheimes Comedy-Leben und Tess’ Neubeginn aufeinandertreffen, entsteht eine leise, aber wirkungsvolle Katharsis. Vieles fühlt sich hier bewusst autobiografisch an. Die Dialoge wirken beiläufig, beinahe dokumentarisch. Man spürt, dass dieser Film aus echter Lebenserfahrung und nicht aus dramaturgischer Berechnung entstanden ist.
„Is This Thing On?” ist kein Film über große Gesten oder laute Pointen. Er lebt von Zwischentönen, Blicken, Pausen und unbequemen Wahrheiten. Humor dient hier nicht als Flucht, sondern als Mittel zur Selbstverständigung. Und genau darin liegt seine emotionale Kraft.
Fazit: Im Kern ist Is This Thing On? ein Film über Männer, die lieber Stand-up-Comedy machen, als zur Therapie zu gehen. Bradley Cooper erzählt diese Geschichte mit Wärme, Ehrlichkeit und erstaunlicher Leichtigkeit. Eine feinfühlige Tragikomödie über Trennung, Neuanfang und die Frage, ob man sich selbst noch zuhört.
Film Bewertung 8 / 10





