Eine neue Stimme im internationalen Arthouse-Kino
Mit „GORGONÀ“ präsentiert die griechische Regisseurin und Künstlerin Evi Kalogiropoulou ihr Spielfilmdebüt. Der Film feierte seine Weltpremiere im Rahmen der Critics’ Week der Internationalen Filmfestspiele von Venedig und kommt nun erstmals nach Deutschland. Die Deutschlandpremiere findet am 30. März 2026 im Rahmen des Greek Film Festivals Berlin statt. Damit positioniert sich der Film klar im internationalen Festivalkontext und richtet sich an ein Arthouse-affines Publikum.
Kalogiropoulou hat sich bereits mit ihren Kurzfilmen einen Namen gemacht. Werke wie „Motorway 65“ und „On Xerxes’ Throne“ liefen in Cannes, während „Alexandria“ im New Museum in New York präsentiert wurde. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch eine Verbindung von bildender Kunst, politischem Diskurs und mythologischen Motiven aus.

Eine dystopische Zukunft in Griechenland
„GORGONÀ“ entwirft ein Griechenland der nahen Zukunft, das von Ressourcenknappheit und gesellschaftlichem Zerfall geprägt ist. Wasser, Treibstoff und sogar Menschen werden zu umkämpften Gütern. In den verbliebenen urbanen Räumen dominieren rivalisierende Banden das Geschehen. Gewalt und Machtstrukturen bestimmen den Alltag. Im Zentrum steht Maria, eine junge Frau, die in dieser von Männern kontrollierten Welt ums Überleben kämpft. Ihre Position ist dabei ambivalent. Einerseits ist sie Teil des Systems, andererseits versucht sie, sich innerhalb dieser Strukturen zu behaupten.
Maria wird vom Bandenführer Nikos zu seiner Nachfolgerin bestimmt, gegen den Widerstand seiner eigenen Gefolgschaft. Diese Entscheidung macht sie zur Zielscheibe und zwingt sie, sich zwischen Anpassung und Widerstand zu positionieren. Erst durch die Begegnung mit der mysteriösen Sängerin Eleni eröffnet sich eine alternative Perspektive. Eleni steht für eine andere Form von Einfluss. Weniger durch Gewalt, mehr durch Inspiration und Gemeinschaft. Gemeinsam beginnen sie, das bestehende System infrage zu stellen und eine neue Form von Zusammenhalt zu entwickeln.

Feministische Perspektive im Genre-Kontext
Kalogiropoulou nutzt die dystopische Erzählstruktur, um grundlegende Fragen nach Macht, Geschlecht und gesellschaftlicher Ordnung zu verhandeln. Der Film zieht bewusst Parallelen zwischen patriarchalen Strukturen und ökologischer Zerstörung. Ressourcenknappheit wird nicht nur als äußeres Problem dargestellt, sondern als Folge eines Systems, das auf Kontrolle und Ausbeutung basiert. Dabei erinnert die visuelle und thematische Anlage an Genre-Vorbilder wie „Mad Max“, wird jedoch um eine klar feministische Perspektive erweitert.
Die Bildsprache trägt maßgeblich zur Wirkung des Films bei. Kalogiropoulou verbindet Elemente des klassischen Endzeitkinos mit einer künstlerisch geprägten Inszenierung. Die Welt wirkt roh, fragmentiert und gleichzeitig symbolisch aufgeladen. Figuren und Räume fungieren nicht nur als narrative Elemente, sondern auch als Träger größerer gesellschaftlicher Aussagen.
„GORGONÀ“ ist ein ambitioniertes Spielfilmdebüt, das dystopisches Genre-Kino mit politischem Anspruch und künstlerischer Handschrift verbindet. Der Film erzählt von Unterdrückung, Widerstand und der Möglichkeit kollektiver Veränderung. Dabei setzt er bewusst auf eine weibliche Perspektive innerhalb eines traditionell männlich dominierten Genres. Ein Werk, das weniger auf klassische Unterhaltung abzielt, sondern als visuell und thematisch anspruchsvolle Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen funktioniert.





