GOOD LUCK, HAVE FUN, DON`T DIE

Inhalt: Rockwells Figur muss aus den Gästen des Diners genau die richtige Kombination an Personen rekrutieren, um noch in derselben Nacht die Welt zu retten. Die Prämisse verspricht Tempo, Humor und eine dezente Abrechnung mit der Gegenwart, verpackt in einen futuristischen Thriller voller kurioser Wendungen.

© Constantin Film

Ein manischer Prophet im Diner

Was wäre, wenn der vermeintliche Retter der Menschheit eher wie ein verrückter Verschwörungstheoretiker als ein klassischer Actionheld wirken würde? Gore Verbinski beantwortet diese Frage in seinem ersten Film seit zehn Jahren mit einem Szenario, das irgendwo zwischen Terminator-Paranoia und Social-Media-Satire angesiedelt ist. Sam Rockwell stürmt als namenloser Zeitreisender in ein unscheinbares Diner in Los Angeles. Seine Behauptung ist eindeutig: Er komme aus der Zukunft, um die Apokalypse zu verhindern. Eine außer Kontrolle geratene KI werde bald die Welt vernichten.

Der entscheidende Moment liege genau hier, genau jetzt und genau bei dieser zufälligen Gruppe von Menschen. Nach über hundert gescheiterten Versuchen startet er einen weiteren Anlauf. Was folgt, ist chaotisch, ein wenig abgedreht und manchmal deprimierend realistisch. Der Film erfindet das Zeitreise-Genre nicht neu, wie es James Cameron getan hat, aber inmitten des Chaos gibt es auch jede Menge Spaß. Rockwells namenloser Charakter weiß, dass irgendwo, in diesem unscheinbaren Restaurant in LA an einem ganz normalen Abend, die Kombination von Menschen zu finden ist, die in der Lage sind, die KI zu besiegen, die bald das Ende der Welt herbeiführen wird – wenn er nur das richtige Team zusammenstellen kann.

Diesmal mit einer trauernden Mutter Susan (Juno Temple), einer verunsicherten Lehrerin Janet (Zazie Beetz), einem überforderten Kollegen Mark (Michael Peña) und weiteren Figuren, die auf den ersten Blick kaum wie das Team wirken, die das Zeug dazu haben, die Welt vor der Apokalypse zu retten. Doch gerade in dieser Unwahrscheinlichkeit liegt der Kern des Films.

GOOD LUCK, HAVE FUN, DON`T DIE
© Constantin Film

Zwischen Anti-KI-Panik und Monsterfantasie

Drehbuchautor Matthew Robinson, zuvor verantwortlich für das verspielte „Dora und die Stadt aus Gold“ sowie das charmant-apokalyptische „Love and Monsters“, kombiniert hier Zeitreise-Thriller, Gesellschaftssatire und Endzeit-Horror. Doch im Gegensatz zu seinen früheren Arbeiten wirkt das Skript diesmal weniger fokussiert. Die Fülle an Einfällen ist unübersehbar, allerdings gelingt es nicht durchgehend, diese zu einer stringenten, dramaturgisch geschlossenen Handlung zu bündeln. Mehrere Wendungen werden frühzeitig signalisiert, wodurch Spannungspotenzial verschenkt wird.

Die grundsätzliche Skepsis gegenüber künstlicher Intelligenz trifft zwar einen aktuellen Nerv, aber die Details, Klonen in einer Szene und TikTok-Paranoia in der nächsten, sind eine seltsame Mischung aus unglaubwürdig futuristisch und Boomer mäßig. Wenn Smartphone abhängige Teenager als symptomatische Vorboten des Untergangs dargestellt werden, driftet der Subtext hin und wieder ins Banale ab. Teenager gezielt für ihre Handynutzung zu kritisieren, ist immer rückschrittlich, egal wie geschickt Verbinski diesen Ansatz letztendlich zu seinem Vorteil nutzt.

Die Ursachen der KI-Bedrohung bleiben dabei auffallend entpersonalisiert und ohne klar erkennbare wirtschaftliche oder politische Verantwortung. Dennoch entfaltet der Film eine bemerkenswerte Energie. Verbinski greift auf seine Horror-Erfahrung zurück und entwirft eigenwillige Kreaturen, die klassische Monsterbilder neu interpretieren. Visuell entstehen dichte, Albtraum-hafte Momente, die dem Film eine unverwechselbare Handschrift verleihen.

GOOD LUCK, HAVE FUN, DON`T DIE
© Constantin Film

Sam Rockwell als Herzstück

Zwar verzichtet der Film auf musikalische Einlagen oder Tanzmomente, doch im Übrigen ist er konsequent auf Sam Rockwells spezifisches Darstellerprofil zugeschnitten. Er bekommt pointierte, schnelle Wortwechsel, die sein komödiantisches Timing ausreizen. Gleichzeitig trägt seine Figur eine spürbare Schwere in sich: ein tief sitzendes, nicht verheiltes Trauma, das sich in nervöser Rastlosigkeit und innerer Zerrissenheit manifestiert. Genau in dieser Mischung aus charmanter Selbstironie und psychischer Fragilität liegt die eigentliche Stärke seiner Performance.

Die ausgedehnten Rückblenden, die einzelnen Figuren zusätzliche Hintergrundinformationen verleihen sollen, besitzen durchaus erzählerischen Reiz. Sie sind so angelegt, dass man unweigerlich den Eindruck gewinnt, der Stoff hätte ebenso gut als Anthologie-Serie im Fernsehen funktionieren können, in der jede Episode einen anderen Charakter vertieft. Im Kontext des Films jedoch bremsen diese Einschübe den Vorwärtsdrang der Mission und schwächen die narrative Spannung. Statt einer stringenten Verdichtung entsteht stellenweise eine Welt, die zwar angedeutet, aber nicht vollständig durchgearbeitet wirkt.

Möglicherweise hätte es dem Film gutgetan, zentrale Enthüllungen stärker in die Dialoge zu integrieren oder die Rückblenden präziser zu dosieren, um den Fokus klarer auf die ambivalente geistige Verfassung von Rockwells Figur zu legen. Ebenso drängen sich die größeren Fragen auf, die der Film selbst aufwirft: In welchem Maß verzerrt Technologie unsere Wahrnehmung? Wie verändert sie unser Verhältnis zur Wirklichkeit und zu uns selbst?

Fazit: Die Themen sind hochaktuell und hätten eine stärkere Bündelung verdient. Die reale Gegenwart wirkt bereits beunruhigend genug. Die filmische Zukunft muss deshalb erzählerisch besonders präzise sein, um sich davon überzeugend abzuheben. Gore Verbinskis Sci-Fi-Rückkehr startet mit hoher Intensität und vielen klugen Ansätzen, verliert sich jedoch stellenweise in seiner eigenen Ideenfülle. Trotz erzählerischer Unebenheiten bleibt der Film dank Sam Rockwells elektrisierender Performance sehenswert.

Film Bewertung 7 / 10