G.O.A.T - BOCK AUF GROSSE SPÜNGE

Inhalt: Im Mittelpunkt der Geschichte steht Will, ein kleiner Ziegenbock mit großen Träumen. Er bekommt die einmalige Chance, einem Profiteam beizutreten und Roarball zu spielen – ein kontaktintensiver Hochleistungssport, bei dem die schnellsten und furchterregendsten Tiere der Welt dominieren. Wills neue Teammitglieder sind daher nicht gerade begeistert, nun eine schmächtige Ziege in ihrer Mannschaft zu haben, doch Will ist wild entschlossen, den Sport zu revolutionieren und ein für alle Mal zu beweisen, dass auch Kleine ganz groß rauskommen können.

© Sony Pictures Germany

Wenn der „Greatest of All Time“ plötzlich Hörner hat

Seit „G.O.A.T.“ als Abkürzung für „Greatest of All Time“ fest im Sportjargon verankert ist, war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand die Idee wörtlich nimmt. Was wäre, wenn eine Ziege tatsächlich zum sportlichen Superstar wird? Der Gedanke ist albern, aber nicht per se zynisch. G.O.A.T wirkt zumindest nicht wie eine rein kalkulierte Verwertungsmaschine im Stil mancher austauschbarer Familienanimationen der letzten Jahre.

Man spürt handwerkliche Sorgfalt. Die Animation überzeugt. Das Fell der Figuren wirkt dicht und plastisch, die Lichtsetzung ist präzise, die Hintergründe sind detailreich und lebendig. Die Welt erscheint visuell durchdacht, mit klaren Konturen und einer sauberen, hochwertigen Gestaltung. In ästhetischer Hinsicht bewegt sich der Film auf solidem Niveau.

Dass dieser technische Standard erreicht wird, überrascht nicht. Sony Pictures Animation steht für visuelle Ambition. Nach Meilensteinen wie Spider-Man: Into the Spider-Verse oder jüngeren Experimenten wie KPop Demon Hunters weiß man, welches kreative Potenzial dort vorhanden ist. Allerdings hat das Studio ebenso konventionellere Produktionen wie The Angry Birds Movie 2 hervorgebracht. G.O.A.T ordnet sich eher in diese Kategorie ein.

G.O.A.T - BOCK AUF GROSSE SPÜNGE
G.O.A.T – BOCK AUF GROSSE SPÜNGE © Sony Pictures Germany

Ein Zootopia in Sporttrikots

Inhaltlich bewegt sich der Film auf vertrautem Terrain. Eine anthropomorphe Tierwelt, urbane Settings, gesellschaftliche Hierarchien zwischen „Großen“ und „Kleinen“. Die Parallelen zu Zootopia sind unübersehbar. Auch hier braucht es einen Außenseiter, der ein System infrage stellt. Im Zentrum steht der junge Ziegenbock Will Harris, gesprochen von Caleb McLaughlin, bekannt aus Stranger Things.

In der basketballähnlichen Sportart Roarball gelten „Kleine“ als ungeeignet. Doch Will träumt unbeirrt von der Profiliga. Durch ein virales Video landet er plötzlich in der Oberliga und spielt an der Seite seines Idols Jett Fillmore, gesprochen von Gabrielle Union. Das zentrale Problem liegt im Titel selbst. Wer als „Greatest of All Time“ etikettiert wird, dem fehlt dramatische Fallhöhe.

Wills Aufstieg verläuft weitgehend spannungsarm, seine Motivation bleibt oberflächlich. Konflikte werden schnell abgearbeitet, emotionale Widerstände kaum vertieft. Die Botschaften über Teamwork und Selbstvertrauen sind funktional, aber erwartbar.

G.O.A.T - BOCK AUF GROSSE SPÜNGE
G.O.A.T – BOCK AUF GROSSE SPÜNGE © Sony Pictures Germany

Sportfilm mit abgenutzten Mustern

G.O.A.T ist im Kern ein klassischer Underdog-Sportfilm. Die Dramaturgie folgt bekannten Mustern. Außenseiter. Widerstand. Trainingsmontage. Finale Bewährungsprobe. Man fühlt sich an The Mighty Ducks erinnert, nur dass hier Enten durch Ziege, Giraffe und Strauß ersetzt wurden. Humoristisch bleibt das Drehbuch hinter den visuellen Qualitäten zurück. Viele Gags sind flach und zielen auf naheliegende Tierklischees. Körperhumor dominiert. Wortspiele werden überstrapaziert.

Hinzu kommt eine auffällige Produktplatzierung, die nicht subtil eingebettet ist, sondern mitunter den narrativen Fluss stört. Dabei ist die Welt grundsätzlich einfallsreich. Das Produktionsdesign bietet genügend kreative Details, um visuell bei der Stange zu halten. Doch erzählerisch fehlt es an Schärfe und Originalität. Was bei den besten Produktionen des Studios als mutiges Experiment wirkt, bleibt hier konventionelle Routine.

Fazit: G.O.A.T ist kein Totalausfall. Die Animation ist hochwertig, die Weltgestaltung solide, und jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer werden an dem Tempo und den Figuren Gefallen finden. Doch gemessen an den kreativen Möglichkeiten von Sony Pictures Animation bleibt der Film hinter seinen eigenen Ambitionen zurück. Schöne Bilder, zu wenig Substanz. Ein technisch sauber produzierter, aber erzählerisch formelhafter Sport Animationsfilm.

Film Bewertung 5 / 10