DER ASTRONAUT

Inhalt: Der Naturwissenschaftslehrer Ryland Grace (RYAN GOSLING) wacht eines Tages auf einem Raumschiff auf – Lichtjahre von zu Hause entfernt und ohne Erinnerung daran, wer er ist oder wie er dorthin gekommen ist. Als sein Gedächtnis nach und nach zurückkehrt, findet er heraus, was seine Mission ist: Er soll das Rätsel um eine mysteriöse Substanz lösen, die dazu führt, dass die Sonne erlischt. Um alles und jeden auf der Erde vor dem Aussterben zu bewahren, muss er auf sein wissenschaftliches Fachwissen und einige unorthodoxe Ideen zurückgreifen. Dabei führt eine unerwartete Freundschaft dazu, dass er all dies vielleicht nicht ganz allein tun muss…

© Sony Pictures Germany

Ein neuer Weltraumthriller von den Machern von „Der Marsianer“

Vor etwa einem Jahrzehnt war Ridley Scotts Science-Fiction-Film „Der Marsianer“ ein Überraschungserfolg an den Kinokassen. Das Drehbuch von Drew Goddard, basierend auf dem Roman von Andy Weir, erzählte die Geschichte eines Astronauten, der auf dem Mars ums Überleben kämpft und sich mit wissenschaftlicher Kreativität aus hoffnungslosen Situationen rettet. Weir und Goddard haben sich nun erneut zusammengetan, um Weirs dritten Roman „Project Hail Mary“ für die Leinwand zu adaptieren. Auch dieser Film handelt von einem Wissenschaftler, der allein im Weltraum gestrandet ist und sein gesamtes wissenschaftliches Fachwissen einsetzen muss, um eine scheinbar hoffnungslose Mission zu erfüllen.

Wie „Der Marsianer“ verbindet auch diese Verfilmung Humor, wissenschaftliche Ideen und einen großartigen Sinn für Abenteuer. Zu Beginn erwacht Ryland Grace (Ryan Gosling) aus dem Koma. Er liegt allein in einem Raumschiff, hat eine wild wuchernde Frisur und kann sich an nichts erinnern. Als er aus der Luke nach draußen schaut, wird ihm schnell klar, dass er weit weg von zu Hause ist.

Er selbst bemerkt dazu trocken: „Mehrere Lichtjahre von seiner Wohnung entfernt.“ Der Film entwickelt dann zwei parallele Handlungsstränge. Einerseits versucht Grace herauszufinden, wie er auf dieses Raumschiff gekommen ist und warum. Diese persönliche Geschichte wird nach und nach in Rückblenden aufgedeckt. Wir erfahren, dass er einst ein unscheinbarer Lehrer für Naturwissenschaften an einer Schule war. Andererseits gibt es ein viel größeres und dringenderes Problem.

Ryan Gosling in DER ASTRONAUT – PROJECT HAIL MARY
Ryan Gosling in DER ASTRONAUT – PROJECT HAIL MARY © Sony Pictures Germany

Begegnung mit einem ungewöhnlichen Verbündeten

Die Sonne verliert ihre Energie. Verantwortlich dafür sind winzige außerirdische Mikroorganismen, sogenannte Astrophagen, die Licht absorbieren und sich mit immer größerer Geschwindigkeit ausbreiten. Für die Menschheit bedeutet dies eine drohende globale Katastrophe. Sinkende Temperaturen könnten langfristig ein Massensterben auslösen. Als Reaktion auf diese Bedrohung starten mehrere Regierungen ein gemeinsames wissenschaftliches Projekt. Das namensgebende „Projekt Hail Mary“. Ziel ist es, einen Stern zu untersuchen, der gegen Astrophagen immun zu sein scheint.

Ryland Grace wird auf eine Mission geschickt, um ein mögliches Gegenmittel zu finden. Anders als in „Der Marsianer“ kann Grace jedoch kaum Kontakt zur Erde aufnehmen. Funkwellen brauchen elf Jahre, um seinen Heimatplaneten zu erreichen. Seine einzige Möglichkeit ist es, Videotagebücher aufzuzeichnen. Doch seine Einsamkeit im Weltraum hält nicht lange an. Nach etwa der Hälfte des Films begegnet Grace einer außerirdischen Lebensform namens Rocky. Das felsartige, spinne ähnliche Wesen stammt von einem anderen Planeten, der ebenfalls von Astrophagen bedroht ist. Trotz anfänglicher Sprachbarrieren beschließen die beiden, zusammenzuarbeiten.

Wo Filme wie Arrival sich ganz dem Kommunikationsprozess widmen, löst Project Hail Mary dieses Problem pragmatischer. Mit Hilfe eines Laptops finden die beiden relativ schnell einen Weg, miteinander zu kommunizieren. Das Zusammenspiel zwischen Gosling und dem von Puppenspieler James Ortiz mitentwickelten Alien verleiht dem Film seine emotionale Dynamik. Obwohl lange Zeit nur ein menschlicher Charakter auf der Leinwand zu sehen ist, fühlt sich die Geschichte überraschend lebendig an.

Ryan Gosling in DER ASTRONAUT – PROJECT HAIL MARY
Ryan Gosling in DER ASTRONAUT – PROJECT HAIL MARY

Humor, Wissenschaft und großes Blockbusterkino

Regie führen Phil Lord und Christopher Miller, die seit ihrem Debüt „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen “ für ihren verspielten Ton bekannt sind. In den letzten Jahren haben sie hauptsächlich als Produzenten an den erfolgreichen Spider-Verse-Filmen gearbeitet. Mit „Project Hail Mary“ kehren sie nun als Regisseure zurück. Es ist ihr fünfter Film, ihr dritter Live-Action-Film und ihr bislang ambitioniertestes Science-Fiction-Projekt. Der Film verbindet komplexe wissenschaftliche Ideen mit einem leichtfüßigen, humorvollen Ton. Ryan Gosling spielt Ryland Grace als sympathischen, eher unsicheren Wissenschaftler, der selbst zugibt, dass er manchmal zu viel redet.

Seine Rolle als Lehrer hilft ihm dabei, komplizierte Konzepte auf verständliche Weise zu erklären. So beschreibt er beispielsweise die Funktionsweise von Astrophagen anhand der einfachen Analogie, dass sie «hupen, um schneller voranzukommen». Trotz seiner vielen Stärken ist nicht jeder Moment des Films gelungen. Mit einer Laufzeit von über zweieinhalb Stunden wirkt die Geschichte manchmal etwas langatmig. Darüber hinaus hält sich das Drehbuch sehr eng an die Romanvorlage, was positiv ist, aber auch bedeutet, dass das Finale vielleicht etwas zu detailliert ist.

Kleine Schwächen im großen Abenteuer

Der Film steuert auf zwei aufeinanderfolgende emotionale Höhepunkte zu. Nach dem ersten scheinbaren Ende wird das Publikum jedoch kurz aus der zuvor aufgebauten Intensität herausgerissen. Selbst wenn diese Gefühlsbewegung bewusst inszeniert ist, braucht es einen Moment, um sich auf diese zweite emotionale Welle einzulassen und die Dynamik dieser Achterbahnfahrt vollständig nachzuvollziehen. Manche Humor-Momente zünden auch nicht so richtig.

Gelegentlich hat man den Eindruck, dass die Regisseure bewusst auf Witz setzen, weil sie sich in diesem Bereich besonders sicher fühlen. Trotz kleiner Schwächen funktioniert Project Hail Mary hervorragend als moderner Science-Fiction-Blockbuster. Der Film verbindet spannende wissenschaftliche Ideen mit bewegenden Momenten und einer überraschend herzerwärmenden Geschichte über Zusammenhalt und Hoffnung.

Fazit: Das Ergebnis ist ein klassisches Weltraumabenteuer mit Herz. Ryan Gosling und sein steinerner Alien-Gegenpart bilden eines der ungewöhnlichsten und charmantesten Duos der modernen Science-Fiction-Filme. Ein unterhaltsamer, cleverer Old-School-Blockbuster, der große Ideen mit viel Humor verbindet. Ryan Gosling und ein Stein-Alien sind das beste Weltraum-Duo seit R2-D2 und C-3PO.

Film Bewertung 8 / 10