Offizielles Plakat Internationale Filmfestspiele Berlin 2026

Die besten Freundinnen Paula und La Maestra sind unzertrennlich, ob im Schwimmtraining oder bei ihrem gemeinsamen Wunsch zum Wettkampf nach Brasilien zu reisen. Doch ein Zwischenfall auf einer Party wirft Paula aus der Bahn. Sie ist nicht mehr dieselbe, ständig traurig und gereizt, auch wenn sie immer beteuert, dass alles „okay“ sei.

Als La Maestra ihr Geheimnis herausfindet, weiß diese zunächst nicht, wie sie Paula helfen soll. Doch eins ist klar: Es muss sich etwas ändern. Plötzlich befinden sich ihre gemeinsamen Träume in weiter Ferne und die harte Realität holt die beiden Freundinnen auf den Boden der Tatsachen zurück, in welcher man lernen muss, Worte für etwas Unaussprechliches zu finden und in dem ganzen Chaos nicht seine beste Freundin zu verlieren.

Rocío Guzmán, Darana Álvarez © Rosa Hadit Hernández, Colectivo Colmena

Der KI werden ernste Fragen gestellt

Zwei junge Mädchen, zwischen ihrem Traum, gemeinsam an Wettkämpfen teilzunehmen, Schulprüfungen und ihren ersten Erfahrungen hin- und hergerissen. Eine Nacht, die nicht nur ihre Freundschaft auf die Probe stellt, sondern auch ihre Hoffnungen und Träume zunichte macht und ihr Vertrauen in Menschen infrage stellt. Plötzlich steht die KI vor ernsten Fragen und muss sich mit dem Thema Recht und Unrecht auseinandersetzen. Wie verhält man sich in einer solchen Situation und wie kann man seiner besten Freundin helfen? Diese Fragen und Themen spielen in „Chicas Tristes“ eine wichtige Rolle.

Der Debütfilm der Mexikanerin Fernanda Tovar greift auf recht kindliche Weise ein Thema auf, dessen Ausmaß vor allem den älteren Zuschauern schon eher bewusst wird. Und dabei geht sie mit dem Blick der jungen Mädchen auf das Geschehen ein, unschuldig, naiv und gutgläubig. Es kann doch gar nicht Schreckliches in der besagten Nacht passiert sein, oder? Immerhin ist es das Normalste auf der Welt, endlich seine Sexualität zu entdecken, richtig? Doch wo die Mädchen mit ihrer eignen Sprache nicht weiterkommen, hilft die KI zu entschlüsseln, was tatsächlich passiert ist.

Damit beginnt gerade erst das Unaussprechliche, das sich zwischen die beiden Freundinnen drängt. Schuldgefühle und feine Risse zerstören Fröhlichkeit und Unbeschwertheit. Statt gemeinsam in den Himmel vorbeifliegende Flugzeuge zu beobachten, zieht sich Paula immer mehr in sich selbst zurück und überlässt La Maestra ihren eigenen düsteren Gedanken.

Rocío Guzmán, Darana Álvarez © Rosa Hadit Hernández, Colectivo Colmena

Blauer Himmel und zerbrochene Spiegel

Und dies zeichnet sich auch immer wieder in den Bildern ab, welche sich über die Dauer des Spielfilms verändern. Von blauem Himmel und Sonnenschein, zu den kalten düsteren Schatten des Kinderzimmers, das nicht mehr verlassen werden will. Von Spiegeln, welche Signale senden, und Scherben, welche das Innenleben von Paula zeigen. Zwischen diesen tollen Kameramomenten und facettenreichen schauspielerischen Augenblicken, in welchen Blicke und Ungesagtes viel mehr mitteilen, als die eigentliche Tat, welche in keiner Sekunde gezeigt wird.

Fazit: Die beiden jungen Darstellerinnen schaffen das junge herzerwärmende Lachen genauso ungezwungen herauszulassen wie die verzweifelten Blicke einer verwundeten Seele. Wunderbar ist ebenfalls, dass dem Täter keine Bühne geboten wird, dafür umso mehr der Freundschaft, die viel ertragen muss und gerade deshalb so wertvoll ist.Das Schlussbild schließt den Kreis mit einem kleinen Funken Zuversicht, bzw. der Erkenntnis, dass man seinen eigenen Weg finden muss, auch wenn das bedeutet, zu akzeptieren, dass es nicht immer Gerechtigkeit geben wird.

Film Bewertung 7 / 10