ANACONDA

Inhalt: Griff (Paul Rudd) und Doug (Jack Black) sind seit ihrer Kindheit beste Freunde und träumen schon immer davon, ihren absoluten Lieblingsfilm neu zu drehen: den „Klassiker“ Anaconda. Ihre Midlife-Crisis treibt sie dazu, ihren Traum endlich in die Tat umzusetzen. Sie reisen tief in den Amazonas, um mit den Dreharbeiten zu beginnen. Doch aus Spaß wird schnell Ernst, als plötzlich eine echte Riesen-Anaconda auftaucht und das chaotisch-komische Filmset in eine tödliche Falle verwandelt. Der Film, für den sie sterben wollten, könnte sie am Ende das Leben kosten…

© Sony Pictures Germany

Mehr Starpower als alle bisherigen Anaconda-Filme zusammen, aber deutlich weniger Biss

Anaconda als Komödie über das eigene Remake neu zu verfilmen, ist eine Idee, die so brillant schlecht oder übelst brillant ist, dass sie tatsächlich aus der zunehmend verzweifelten Traumfabrik eines Studios stammen könnte. In einer anderen Version des Film-Multiversums hätte genau das sogar funktionieren können. Regisseur Tom Gormican und Co-Autor Kevin Etten, die 2022 mit Massive Talent bereits einen überschwänglichen Meta-Film vorgelegt haben, schienen auf dem Papier eine kluge Wahl. Und mit Paul Rudd und Jack Black stehen zwei Darsteller bereit, die aus fast jeder Ausgangslage Humor destillieren können.

Doch dieser riskante Neustart verlangt dem Publikum einiges ab. Seit dem gut-schlechten Original Anaconda gab es fünf weitere Filme, von denen nur einer überhaupt den Weg ins Kino fand, und es ist eher unwahrscheinlich, dass auch nur einer davon als heimlicher Lieblingsfilm durchgeht. Wenn Rudd als gescheiterter Schauspieler Griff fragt, „Wen interessiert schon geistiges Eigentum?“, und Black als frustrierter Hochzeitsvideograf Doug trocken entgegnet „Buchstäblich jeden“, trifft der Dialog zwar einen Nerv der Branche, aber vermutlich weniger den des Publikums außerhalb der Vorstandsetagen.

Selbst die Figuren, die behaupten, den J.Lo-Durchbruchfilm dutzende Male gesehen zu haben, wirken erstaunlich unsicher, wenn es um dessen Handlung geht. Das wäre zu verschmerzen, wenn der Film stattdessen konsequent auf Eskalation setzen würde. Doch sobald sich das Geschehen flussaufwärts in den Dschungel verlagert, erinnert vieles eher an eine abgegriffene Variante von Tropic Thunder. Die Dialoge bleiben erstaunlich zahnlos, die Handlung mangelt es an Spannung, und die namensgebende Schlange ist eine der wohl absichtlich unerfreulichsten CGI-Kreationen der letzten Zeit, um den gewünschten Trash Faktor zu wahren. Anders kann man sich diese Umsetzung nicht schön reden.

(L-R) Jack Black und Paul Rudd in Anaconda
(L-R) Jack Black und Paul Rudd in Anaconda © Sony Pictures Germany

Zwischen Nostalgie, Tropic Thunder und CGI-Schlange

Wir sind hierhergekommen, um Anaconda zu drehen, und jetzt sind wir mittendrin“, sagt Doug irgendwann – und genau das beschreibt das Dilemma. Der Film steckt bis zum Hals in seinem eigenen Konzept. Rudd und Black spielen im Grunde bekannte Varianten ihrer Leinwand-Personas, Thandiwe Newton bekommt als Freundin einer der Charaktere kaum Raum zur Entfaltung. Und obwohl die Drehorte in Australien optisch hochwertig sind, fehlt dem Ganzen der hemmungs- und kompromisslose B-Movie-Charme, der zumindest das Original zu einem Kultklassiker gemacht hat.

Zwei lustige Sequenzen, von denen eine bereits im Trailer zu sehen war, reichen nicht aus. Das ist mehr als ärgerlich, da es ohne Vorkenntnisse viel besser funktioniert. Stattdessen verliert sich der Film in Rückblenden, Cameo-Auftritten und augenzwinkernden Referenzen, die weniger wie liebevoller Fanservice wirken als wie selbstzufriedenes Schulterklopfen. Ironischerweise finden sich die originellsten Momente ganz am Anfang, in einem bewusst billig inszenierten Monsterfilm, den die späteren Helden als Kinder drehen. Ein Film im Film über einen Film, der sich selbst kommentiert, clever gedacht, aber nicht konsequent genug zu Ende geführt.

Fazit: Mit mehr Starpower als alle bisherigen Anaconda-Filme zusammen, aber deutlich weniger Biss, bleibt dieser Meta-Neustart hinter seinen Möglichkeiten zurück. Was eine frische, selbst ironische Neuinterpretation hätte sein können, verheddert sich in einem wild wuchernden Dschungel aus Ideen, Zitaten und nicht immer funktionierenden Gags.

Film Bewertung 6 / 10