Im Film von Anna Roller sind Martina Gedeck, Jannis Niewöhner, Sylvaine Faligant, Luna Wedler und Haley Louise Jones zu sehen. Erzählt wird eine Liebesgeschichte, die sich jeder klassischen Dramatisierung entzieht und gerade dadurch unter die Haut geht.
Im Zentrum stehen die Autorin Tanja, gespielt von Sylvaine Faligant, und der Webdesigner Jerome, verkörpert von Jannis Niewöhner. Im heißen Sommer des Jahres 2018 führen sie eine Beziehung auf Distanz. Zwischen dem vibrierenden Berlin, einem geerbten Bungalow im hessischen Maintal und zahllosen Zugfahrten entfaltet sich eine scheinbar ideale Konstellation. Nähe wird organisiert, Freiheit bewahrt, Konflikte werden rational verhandelt. Und doch liegt über allem ein feines, kaum greifbares Unbehagen.
ALLEGRO PASTELL basiert auf dem gleichnamigen Roman von Leif Randt und porträtiert zwei Menschen Anfang dreißig, die sich ihrer Gefühle ebenso bewusst sind wie ihrer Selbstinszenierung. In einer urbanen Blase kurz vor den großen gesellschaftlichen Verwerfungen der folgenden Jahre entsteht ein Zustand, den Randt als „vorauseilende Wehmut“ beschreibt. Das Bewusstsein, dass selbst der gegenwärtige Moment bereits im Begriff ist, Vergangenheit zu werden.
Kühle Präzision und emotionale Risse
Regisseurin Anna Roller nähert sich der literarischen Vorlage mit großer formaler Klarheit. Gemeinsam mit Randt verdichtet sie das elliptische Erzählen des Romans für die Leinwand, ohne in melodramatische Zuspitzung zu verfallen. Die Inszenierung bleibt kontrolliert, beobachtend, fast kühl. Gerade dadurch öffnen sich zwischen den Figuren feine emotionale Risse.
Die Bildsprache ist bewusst statisch und distanziert. Pastellfarbene Räume, klare Oberflächen und reduzierte Kompositionen spiegeln innere Zustände, ohne sie auszustellen. Farben und Materialien übernehmen narrative Funktionen. Sie erzählen von Projektionen, von Schutzschichten und von der Fragilität moderner Beziehungen. Der Soundtrack bewegt sich zwischen elektronischer Melancholie, ironischem Eurodance und zeitgenössischem Pop. Er verortet den Film präzise im Berlin und Frankfurt der späten 2010er-Jahre und verstärkt das Gefühl eines kulturellen Moments, der bereits im Verschwinden begriffen ist.
ALLEGRO PASTELL ist ein Film über Selbstbilder, über das Ringen um Autonomie und über die leise Ahnung, dass etwas endet, bevor es richtig begonnen hat. Ein zeitdiagnostisches Liebesdrama, das nicht laut wird, sondern nachwirkt.





