ELSINORE

Andrew Scott übernimmt in „Elsinore“ die Rolle des schottischen Schauspielers Ian Charleson, der Ende der 1980er-Jahre trotz einer schweren AIDS-Erkrankung noch einmal auf die Bühne zurückkehrt. Das auf wahren Ereignissen beruhende Drama von Regisseur Simon Stone erzählt von Charlesons letzten Lebensmonaten und seiner Entscheidung, am Londoner National Theatre die Titelrolle in William Shakespeares „Hamlet“ zu übernehmen. An Scotts Seite spielen unter anderem Olivia Colman, Billie Piper und Johnny Flynn. Jetzt ist der deutsche Trailer erschienen, der einen ersten ausführlichen Einblick in die Geschichte gibt. Der Kinostart ist für den 11. März 2027 vorgesehen.

Eine letzte Chance auf die Rolle seines Lebens

Ian Charleson hatte sich Anfang der 1980er-Jahre mit seiner Darstellung des britischen Olympialäufers Eric Liddell in „Die Stunde des Siegers“ international einen Namen gemacht. Es folgten weitere Filmauftritte, darunter eine Rolle in Richard Attenboroughs „Gandhi“. Doch gegen Ende des Jahrzehnts ist seine Karriere ins Stocken geraten. Charleson vermisst die künstlerischen Herausforderungen des Theaters und träumt davon, eines Tages Hamlet auf einer der bedeutendsten Londoner Bühnen zu spielen.

Als Daniel Day-Lewis 1989 überraschend aus einer laufenden „Hamlet“-Inszenierung am National Theatre aussteigt, eröffnet sich für Charleson diese Gelegenheit. Theaterregisseur Richard Eyre bietet ihm die Hauptrolle an, ohne zunächst vom Ausmaß seiner Erkrankung zu wissen. Charleson ist zu diesem Zeitpunkt bereits schwer von AIDS gezeichnet. Seine Ärztin Margaret Johnson warnt ihn vor der körperlichen Belastung, die mit den Proben und Aufführungen verbunden ist. Dennoch entscheidet sich der Schauspieler, die Rolle anzunehmen. Für ihn geht es nicht allein um ein berufliches Comeback, sondern um die Möglichkeit, noch einmal jene Arbeit auszuüben, die seinem Leben eine besondere Bedeutung gibt.

Zwischen Krankheit, gesellschaftlichen Vorurteilen und dem Wunsch nach Selbstbestimmung

„Elsinore“ spielt in einer Zeit, in der HIV und AIDS noch immer mit erheblichen gesellschaftlichen Vorurteilen verbunden sind. Charleson hält sowohl seine Erkrankung als auch seine Homosexualität weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Während sich sein Gesundheitszustand verschlechtert, versucht er, seine Arbeit am Theater fortzusetzen, ohne ausschließlich über seine Krankheit wahrgenommen zu werden. Dabei wird seine Entscheidung, Hamlet zu spielen, zunehmend zu einem Konflikt zwischen medizinischer Vernunft und persönlicher Selbstbestimmung.

Der Film betrachtet diese Situation nicht nur aus der Perspektive des Schauspielers. Auch seine Ärztin Margaret Johnson, seine Freunde und die Menschen am National Theatre müssen mit den Folgen seiner Erkrankung umgehen. Eine wichtige Rolle spielt dabei Richard Eyre, der Charleson die Verantwortung für eine der anspruchsvollsten Theaterrollen überhaupt überträgt. Die Geschichte beschäftigt sich damit, wie viel ein Mensch bereit ist, für seine Leidenschaft zu riskieren, und welche Bedeutung künstlerische Arbeit angesichts der eigenen Sterblichkeit gewinnen kann.

ANDREW SCOTT IN ELSINORE
Andrew Scott (Foto: © STUDIOCANAL)

Andrew Scott und Olivia Colman führen das Ensemble an

Andrew Scott, bekannt aus „All of Us Strangers“, „Ripley“ und „Sherlock“, verkörpert Ian Charleson. Der irische Schauspieler bringt selbst umfangreiche Bühnenerfahrung mit und stand 2017 in einer Londoner Inszenierung von „Hamlet“ in der Titelrolle auf der Bühne. In „Elsinore“ spielt er nun einen Kollegen, dessen letzte große Theaterarbeit zu einem bedeutenden Kapitel der britischen Bühnengeschichte wurde.

Olivia Colman übernimmt die Rolle der Ärztin Margaret Johnson, die Charleson während seiner Erkrankung begleitet. Johnny Flynn spielt Theaterregisseur Richard Eyre, während Billie Piper als Castingdirektorin Patsy Pollock zu sehen ist. Zum weiteren Ensemble gehören Luke Thompson, Joe Locke, Juliet Stevenson, Monica Dolan und Peter Mullan. Regie führt Simon Stone, der zuvor unter anderem „Die Ausgrabung“ inszenierte. Das Drehbuch stammt von Stephen Beresford, der bereits für „Pride“ verantwortlich zeichnete.

Eine wahre Geschichte aus der britischen Theatergeschichte

Ian Charleson wurde 1949 in Edinburgh geboren und gehörte zu den angesehenen britischen Bühnen- und Filmschauspielern seiner Generation. Seine Darstellung des Hamlet im Jahr 1989 erhielt große Aufmerksamkeit, nicht zuletzt wegen der Umstände, unter denen sie entstand. Trotz seiner fortgeschrittenen Erkrankung stand Charleson noch mehrfach auf der Bühne des National Theatre. Im Januar 1990 starb er im Alter von 40 Jahren.

Mit „Elsinore“ wird diese letzte Lebensphase nun für das Kino aufgearbeitet. Der Film feierte im September 2026 beim Telluride Film Festival seine Weltpremiere, wurde anschließend beim Toronto International Film Festival gezeigt und eröffnete am 7. Oktober das BFI London Film Festival. Der deutsche Trailer rückt vor allem Charlesons Entschlossenheit in den Mittelpunkt, seine Krankheit nicht über seine künstlerische Arbeit bestimmen zu lassen.