FRÜHSTÜCK BEI AUBREY

Frühstück bei Audrey erzählt die Geschichte eines Mannes, der sich nach einer gescheiterten Beziehung emotional komplett aus der Realität zurückgezogen hat. Seit Rémi von seiner Jugendliebe verlassen wurde, lebt der kauzige Kunstrasenverkäufer lieber mit Sexpuppen zusammen als mit echten Menschen. Für Rémi sind diese künstlichen Partnerinnen die perfekte Lösung. Keine Diskussionen, keine Erwartungen, keine emotionalen Konflikte.

Seine Ersatzbeziehungen funktionieren kontrolliert, still und bequem – zumindest solange niemand aus seinem Umfeld genauer hinsieht. Doch dieses fragile Gleichgewicht gerät komplett außer Kontrolle, als Audrey, seine aktuelle Puppe aus Plastik, plötzlich zum Leben erwacht. Aus der absurden Grundidee entwickelt sich schnell eine ungewöhnliche Mischung aus Liebeskomödie, Gesellschaftssatire und moderner Beziehungsfarce.

Harter Stoff: Ein bisschen weniger eintönig hat sich Audrey (Zoé Marchal) ihr Leben als echte (Haus-)Frau schon vorgestellt.
Harter Stoff: Ein bisschen weniger eintönig hat sich Audrey (Zoé Marchal) ihr Leben als echte (Haus-)Frau schon vorgestellt. © Neue Visionen Filmverleih

Wenn die perfekte Fantasie plötzlich eigene Wünsche entwickelt

Vincent Macaigne spielt Rémi mit genau jener Mischung aus Unsicherheit, Selbstmitleid und skurrilem Charme, die die Figur trotz ihrer absurden Ausgangslage überraschend greifbar macht. Während Rémi glaubt, endlich die perfekte Frau gefunden zu haben, beginnt Audrey langsam ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Genau darin liegt der eigentliche Konflikt des Films. Denn sobald aus einer Fantasie ein eigenständiger Mensch wird, verschwinden Kontrolle und Projektion. Zoé Marchal nutzt diese Entwicklung für viele komödiantische Momente, während Cécile de France als Arbeitskollegin Patricia zusätzliche emotionale Spannung in die Geschichte bringt.

Regisseurin Sophie Beaulieu verbindet in ihrem Spielfilmdebüt absurde Fantasy-Elemente mit einer überraschend zeitgenössischen Auseinandersetzung über Einsamkeit, Projektionen und männliche Bindungsängste. Gerade die Frage, ob Liebe überhaupt kontrollierbar oder „maßgeschneidert“ sein kann, zieht sich durch den gesamten Film. Hinter dem Humor steckt dabei immer wieder auch ein unangenehm ehrlicher Blick auf moderne Beziehungen und emotionale Überforderung.

Mit seinem spielfreudigen Ensemble, pointiertem Humor und einer bewusst schrägen Grundidee positioniert sich „Frühstück bei Audrey“ als ungewöhnliche französische Liebeskomödie zwischen Romantik, Gesellschaftssatire und emotionalem Chaos.