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Filmkritik: True Grit – Ein Dude geht nach Westen

Posted by By at 1 März, at 18 : 26 PM Print

Filmkritik: True Grit – Ein Dude geht nach Westen

Von Ilija Glavas

TRUE GRIT (2011)
Regie: Joel / Ethan Coen

Cast: Jeff Bridges, Josh Brolin, Hailee Steinfeld

Story:
Mattie Ross(Hailee Steinfeld) ist gerade einmal vierzehn Jahre alt, als sie erfährt, dass ihr Vater von einem kaltblütigen Killer namens Chaney (Josh Brolin) getötet wurde. Erbarmungslos schwört sie Rache und sucht Hilfe bei einem ehemaligen Revolverhelden namens Reuben Rooster Cogburn (Jeff Bridges), der mittlerweile als einäugiger Alkoholiker und notorischer Faulenzer berüchtigt ist. Cogburn hält zunächst nichts von ihrer Bitte, doch als diese ihn unbeirrbar weiter nervt und zudem mit einer stattlichen Summe Geld lockt, die er durchaus gebrauchen könnte, sagt er mürrisch zu.

Kritik:

Die deutsche Übersetzung von „True Grit“ lautet „Echter Schneid, Mumm“. Die Coen Brüder hatten die sprichwörtlichen „Eier in der Hose“ als sie sich entschlossen einen John Wayne Klassiker neu aufzulegen. Für die Hauptrolle erhielt John Wayne 1970 seinen einzigen Oscar. Die Geschichte ist ziemlich gradlinig und unspektakulär. Der Film lebt mehr durch die Charaktere und deren Zeichnung. Es ist ein kleines  Meisterwerk, eingefangen durch den Coen´s – Stamm Kameramann, Roger Deakins, hält der Western wieder Einzug in die Filmwelt. Herrliche Cinemascope Bilder erwarten den Genre Fan, ohne die Epik eines „ Die Ermordung  des Jesse James…“, dafür mit ähnlicher Darstellungskraft. Hier liegt die große Stärke von „True Grit“. Es ist ein eigenständiger Film – kein Remake, keine Kopie.

Die Story ist eine Neuinterpretation des Buches „ True Grit “ Die tapfere Mattie „von Charles Portis. Es ist ein typischer Coen und sicherlich ihr kommerziellster Film. Er wird nicht zu einem „Über-Western“ wie z.b. High Noon, Der schwarze Falke u.a. Der Witz, die Ironie und der coen´sche Sarkasmus kommen hier nicht zu kurz. In „True Grit“ steht die Geschichte der erst 14-jährigen Mattie Ross im Vordergrund. Daran haben sich die Coen´s gehalten. Sie gingen hohes Risiko den Film  Fokus auf den Charakter von Mattie Ross zu legen und damit Hailee Steinfeld den Film tragen zu lassen. Sie macht das mit Bravour und ist definitiv die Neuentdeckung des Jahres. Hailee verleiht Ihrer Figur einen reiferen Anstrich. Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin Kim Darby,  in der alten Fassung von 1969, nervt sie nicht mit vorlauten und altklugen Sprüchen. Der Zuschauer lauscht von Anfang an ihrer Stimme aus dem Off, die einem erklärt warum sie nach Fort Smith kommt um den Leichnam ihres Vaters abzuholen. Man folgt Ihr gerne durch ihre Verhandlungen um den Nachlass ihres Vaters, ihre Versuche Rooster Cogburn zu überzeugen, ihr zu helfen. Ihre Entschlossenheit den feigen Mörder Tom Chaney zu finden spürt auch der Zuschauer in der letzten Kinoreihe. Mattie Ross ist, genau genommen, die einzige Erwachsene des Trios. Hailee gelingt es Mattie´s Werte, Ideale und Weltanschauung zu transportieren, nachempfindbar zu machen  auch wenn es in erwachsene Augen naiv aussehen mag. Was selbst ein Trunkenbold wie Reuben „Rooster“ Cogburn im Laufe des Films einsehen muss.

Die Rolle des versoffenen, raubeinigen und abgewrackten Marshalls Cogburn wird durch Jeff Bridges nicht nur neu zelebriert- sondern bekommt mehr Bedeutung in einer Welt, wo sich die Zivilisation langsam  im „Frontier Land“ des Westens durchsetzt, echte Helden aussterben und als ehemalige Legenden in Wild West Shows enden. Die Eröffnungsszene mit der einfahrenden Eisenbahn zeigt deutlich, dass der Fortschritt nicht aufzuhalten ist – sie hält in der Stadt an einem Stapel noch zu verlegender Schienen. Der Sattel von John Wayne ist nicht zu groß für Bridges. Der „Dude“ spielt sich hier in den „Schauspiel Olymp“, ohne den Duke zu kopieren. Seine desillusionierte Figur lebt bei einem Chinesen, schläft auf vergilbten Matratzen und trinkt sich langsam zu Tode. Mit Halunken macht er kurzen Prozess. Seine Ansicht von Recht und Ordnung kommentiert er mit “Ich kaufe mir keinen Schnaps, ich konfisziere ihn, ich bin Justizbeamter“. Das passt zum kühlen Ton des Films. Rooster ist wahrlich kein romantischer Westernheld. Er stellt sich der kalten Welt und folgt seiner eigenen Maxime: Auge um Auge und schieß als erster bevor andere mitbekommen was los ist, und  trinke dazu was du bekommen kannst. Man kann im Kinosaal riechen wie er wohl stinken mag, wenn Mattie ihn das erste Mal, im Hinterzimmer zwischen baumelnden Enten, aufsucht.

Ergänzt wird das ungleiche Trio durch den Texas Ranger La Boeuf (gesprochen LA BIEF)- grandios: Matt Damon. La Boeuf wirkt auf den ersten Eindruck undurchschaubar, selbstverliebt und auf der Suche nach Anerkennung, was für ein toller Held er doch ist. Das führt dazu, dass Mattie ihn als Rodeo Clown bezeichnet.  Die Chemie der Akteure untereinander funktioniert. Der Auftritt der bösen Jungs sorgt für die nötige Spannung, auch wenn Josh Brolin und Barry Pepper nicht lange genug im Sattel sitzen. Sie agieren solide und runden die Story ab. Die Gewalt dient nie dem Selbstzweck sondern ist wohl dosiert und richtig eingesetzt. Das Setting in der Stadt, funktioniert ebenso wie die kalte, raue Landschaft Arkansas – in der sich zwielichte Outlaws, fragwürdige Zahnärzte und anderes Gesindel tummeln.

Fazit: Ein kleines Kunstwerk des Genres. Ruhig erzählte Geschichte die alle Zutaten eines Western hat. Einsame Helden, die Weite des Landes und Shootouts. Man muss kein Western Fan sein um die Story zu genießen. Getragen durch die Darsteller ein absolutes Highlight des Kinojahres. Lasst eure Vorurteile zu Hause und genießt einen Western mit modernen Themen: Courage, Gerechtigkeit und Moral.

Wertung: 8/10

10        Meisterwerk

8-9     sehr gut

6-7     gute Unterhaltung

5        gerührt statt geschüttelt

3-4     geht grad noch

1-2     miserabel

0          ohne Worte


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