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Kritik: The King´s Speech

Posted by By at 8 April, at 17 : 04 PM Print

Kritik: The King´s Speech

Sprachprobleme im Königshaus

 

Kritik: The King´s Speech – Die Rede des Königs

von Ilija Glavas

 

THE KINGS SPEECH (2011)

Regie: Tom Hooper
Cast: Colin Firth, Geoffrey Rush, Helena Bonham – Carter, Guy Pearce

Story:

England, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges. Der britische Königssohn George VI. (Colin Firth) stellt zu eigenem Bedauern fest, dass er der nächste König des weltweit agierenden Royale Empires werden muss. Ein königlicher Konflikt, denn der eigentlich stolze Adelige leidet seit jüngster Kindheit an einem schweren Sprachfehler – er stottert und würde stattdessen lieber ein Unbekannter zweiter Reihe bleiben. Schwierig, wenn man als König regelmäßig Ansprachen halten muss. Helfen kann Lionel Logue (Geoffrey Rush), ein australischer Sprachtherapeut mit ungewöhnlicher Methodik…

Kritik:

The King´s Speech macht Spass

Angereichert mit großen Namen, ist dieses rührselig gespielte Kunstwerk eine Augenweide. Wer hier einen langweiligen Film über eine Sprachtherapie erwartet wird enttäuscht. Alle anderen, erhalten einen feinen Film mit Humor und grandiosen Schauspielern – allen voran Colin Firth in der Rolle, die ihm einen Oscar bescherte.

Colin Firth und Geoffrey Rush bringen den Zuschauer in ihren gemeinsamen Szenen zum lachen, schmunzeln und auch zum Nachdenken. Dabei entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen dem König und seinem Sprachlehrer natürlich nicht ohne Anlaufschwierigkeiten. Wenn der Sprachtherapeut, der kein Blatt vor den Mund nimmt, den Thronfolger „Berti“ nennt- muss man jedes Mal laut loslachen. Natürlich ist ihm der Status des Herrschers bewusst. Er ignoriert ihn nicht sondern bringt ihn damit auf seine Ebene. Rush macht sich einen Spaß daraus, dass er den „Mann aus dem goldenen Käfig“ etwas bürgerliche Umgangsformen zeigen kann, ohne ihn zu beleidigen. Dieser Aspekt erweist sich als hilfreich und auch amüsant. Der kommende König muss skurille Übungen machen, bis er irgendwann die Beherrschung verliert…

Die Stotterprobleme des Königs haben natürlich Hintergründe, und so funktioniert „The King’s Speech“ in seiner gefühlten anderen Hälfte auch als seriöses Drama. Die Last, ein Land in Zeiten eines drohenden neuen Weltkriegs zu führen, dabei die Stimme des Volkes zu sein und die Ehre und Tradition des ehrwürdigen Königtums beizubehalten, werden für George zum kritischen Problem.Trotz stattlicher Figur und zuweilen einschüchternden Wutattacken ist er in Wahrheit ein verängstigter, verstörter Junge. Ein Junge der in seine neue Rolle gezwungen wird, die seinen Stolz und sein Selbstbewusstsein in den Grundmauern erschüttern. Colin Firth ist beeindruckend in der Rolle des vielschichtigen Adeligen, der im Sprachtraining mit Logue immer wieder mit seinen alten Kindheitsdämonen konfrontiert wird und sich nur mit großer Mühe dazu bringt, nicht zu gehen und einfach alles zurück zu lassen; er kann es nicht, da sein Bruder den Thron bereits für eine Frau abgab und die Familie keine weitere Schande ermöglicht. Seine Mischung einer gefassten, starken, unerreichbaren Persönlichkeit, gepaart mit schrecklichen Ängsten und Hilflosigkeit macht die Rolle äußerst interessant, und Firth gelingt es, alle Facetten ergreifend umzusetzen.

Colin Firth ist als George VI vollkommen präsent. Authentisch, stur, zerbrechlich, aristokratisch und mutig, sind die Attribute welche seinen Film Charakter am besten beschreiben

Unterstützt werden beide von nicht weiter auffälligen, aber guten Nebenrollen von Timothy Spall, Helena Bonham-Carter und Michael Gambon, die allesamt aus den Harry Potter Filmen vorbeischneien (Wurmschwanz, Bellatrix, Dumbledore), sowie Guy Pearce, der leider nur in einer kleinen Nebenrolle auftaucht und nach wie vor auf seinen großen Filmdurchbruch warten muss.

Regisseur Tom Hooper liefert einen Film ab, der sehr herzlich und leichtfüßig ist und trotz der zunächst steif wirkenden Thematik Spaß macht. Das Hauptlob gilt den beiden Schauspielern, doch Hooper schafft es, das Timing ihrer oftmals hervorragenden Dialoge perfekt auszureizen und ihre ständigen Unterhaltung nicht trocken wirken zu lassen. Filmtechnisch ist „The King’s Speech“ gut umgesetzt, wenn auch das Tempo im ersten Drittel noch ein wenig schwammig bleibt und man inhaltlich ein wenig enttäuscht sein kann, dass der Film so geradlinig wirkt. Der König hat sein Problem, engagiert Rush und übers Training geht es dann bis zum Finale, zur Prüfung. Damit hat der Film in etwa den Charakter eines Sportdramas wie „Karate Kid“, denn so wie Daniel – san im Film nicht verstehen kann, was Mr. Miyagi mit Auftragen und Polieren meint, ist der König erzürnt, Singen zu müssen oder mit vulgären Ausdrücken um sich zu werfen. Beide Gruppen trainieren fleissig und mit unkonventionellen Methoden, werden im Verlauf mehrerer Auseinandersetzungen zu Freunden und müssen sich am Ende in einer großen Prüfung beweisen. Der König benötigt dafür zwar keinen Kranich-Kick, doch wenn er am Ende zur titelgebenden Königsrede antritt, fühlt man sich zweifelslos genau so wie im Finale von „Karate Kid“.

 

Fazit: Alles mündet in einer finalen Rede, geleitet durch eine tolle Regiearbeit von Tom Hooper, klasse Darstellern, einem wunderschönem Set Design, Kostümen und Dialogen. Lob diesmal an die deutsche Synchronisation. Die gute Sprachdarbietung von Colin wird sehr gut umgesetzt. Ein „Feel – Good –  Movie“ mit Herz, Spaß und Hirn.

 

Wertung: 8 / 10

10        Meisterwerk

8-9       sehr gut

6-7       gute Unterhaltung

5          gerührt statt geschüttelt

3-4       geht grad noch

1-2       miserabel

0          ohne Worte

 

Schlagwörter: Kinonews, Trailer, Kinotrailer, Filmtrailer, Filmnews, Filmstarts, Kinoprogramm

 

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