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Filmkritik: Resturlaub

Posted by By at 16 August, at 15 : 06 PM Print

Filmkritik: Resturlaub

von Ilija Glavas

Titel: Resturlaub

Kinostart (Deutschland): 11.08.2011

Regie: Gregor Schnitzler

Besetzung: Maximilian Brückner (Pitschi Greulich), Mira Bartuschek (Biene)

Stephan Luca (Arne), Antoine Monot Jr. (Checko), Dave Davis (Pfarrer Bouba), Martina Hill (Biggy/Ente), Melanie Winiger (Luna)

Länge: ca. 100 Minuten

URL: http://www.resturlaub-film.de

Das kann doch noch nicht alles gewesen sein… Pitschi Greulich (MAXIMILIAN BRÜCKNER) steckt tief in der Midlife-Crisis. Warum werden um ihn herum alle Leute spießig? Er will mehr vom Leben als nur ein Reihenhaus mit Kiesauffahrt im beschaulichen Bamberg. Als auch noch sein bester Kumpel (STEPHAN LUCA) unter die Haube kommt und seine langjährige Freundin Biene (MIRA BARTUSCHEK) das Thema „Kinder“ anspricht, bekommt es Pitschi mit der blanken Angst zu tun. Er will nur noch eins: So schnell und so weit weg wie möglich! Kurz entschlossen besteigt er heimlich einen Flieger nach Buenos Aires. Dort will er ein neues, spannendes und gar nicht spießiges Leben beginnen. Pitschi träumt vom High Life in einer internationalen Metropole, an der Seite einer sexy Argentinierin. In Sprachlehrerin Luna (MELANIE WINIGER), die ihm mehr als nur Spanisch und Tango beibringt, scheint er seine Traumfrau gefunden zu haben. Doch die Realität sieht leider ganz anders aus. Pitschi wird bewusst, dass er in der fränkischen Provinz längst hatte, was er in Argentinien sucht. So schnell wie möglich will er nun zurück nach Hause, bevor Biene von dem kleinen „Ausflug“ ihres Mausbärs Wind bekommt…

Filmkritik:

Eine  Pauschalreise! Der letzte Tango in Argentinien und  Lost in Buenos Aires.

Regie führte Gregor Schnitzler der mit Romanvorlagen zu „Soloalbum“ schon eine gute deutsche Komödie für die Leinwand umsetzen konnte.  Somit war eine gute komödiantische Umsetzung eigentlich in erfahrenen Händen. Eigentlich. Die Romanvorlage von Tommy Jaud, dessen erster verfilmter Roman „Vollidiot“ – mit TV Kasper Oliver Pocher, mehr eine desaströse Bilderflut darstellt – als eine solide Filmadaption, versprach brachialen Humor, Situationskomik und jede Menge Feuer. Alles konnte Schnitzler nicht erfüllen, da er sich strikt an das etwas holprig, von Szene zu Szene springende Drehbuch hielt. Der typische deutsche „Kalauer – Humor“ verbiegt niemanden vor Lachen, sondern lässt einen teilnahmslos und augenrollend an der papp – süßen Cola schlürfen.

Sehr starke Szenen sind zu Beginn des Films, welcher alle Hauptfiguren sehr gut vorstellt, bis hin zum misslungen Junggesellenabschied, der total schrägen Hochzeit incl. Pitschi´s legendärer Hochzeitsrede, mit gefühlten 2,5 Promille. Alles ist stimmig, die Motivation eines Mannes, ob das im Leben denn schon alles sei, in der Midlife Crisis alles stehen und liegen zu lassen, absolut nachvollziehbar und mit nötigem Biss – bis der Film den Schauplatz wechselt. Genau so überstürzt wie Maximilian Brückners Charakter in Argentinien ankommt, fühlt es sich auch für den Zuschauer an. Plötzlich nach etlichen Lachern wird der neue Lebensabschnitt Pitschis erzählt, das Tempo fällt ab – und dazu wird es noch humorloser. Der Super Gau für jede Komödie.  Der Ortswechsel ist gelinde gesagt, etwas verunglückt.

Was richtig Spaß macht ist, wenn der Film in die Hangover – Anarcho Schiene driftet, sei es ein Koksrausch mit anschließender Lokalverwüstung oder ein tangoähnliches Geschubse  mit einer dicken Spanischkurs Kollegin und seinen Folgen.  Selbst die Szene mit seinem neuen argentischen Vermieter Pedro, einem Tierfrisör, und das gemeinsame suchen nach seinem Lieblings Pudel „Taxito“, sprudelt vor Pointen und zitiert dabei die berühmte Szene aus „Ein Fisch namens Wanda„. Das alles ist mit richtig „Feuer“ aufgepeppt, bringt die Lacher und bekannte Buchszenen in absoluter Schenkelklopfer Manier daher. Wenn Pitschi sich in der berühmten Chilli Saucen Szene mit anschließendem Sex Marathon beweisen kann –  und Straßenkämpfe mit laufenden Joghurt – Werbefiguren – das alles ist „Spitz“, nur viel zu zaghaft und ängstlich inszeniert. Als ob man die Laufzeit des Film mit aller Gewalt limitieren wollte, anstatt eine ausgereifte Geschichte mit vielen lustigen Momenten in Ruhe zu erzählen.

Leider verliert sich der Film in der Mitte, gerettet durch die telefonische Verbindung in seine Heimat. Dort sitzt sein bester Kumpel Arne ( Stephan Luca ) , der sich mit seiner „Ente“ als Retter in so mancher Not erweist. Mit Maximilian Brückner in der Hauptrolle, exzellent besetzt, bekommt sein Charakter ein symphatisches Gesicht, welches den Zuschauer interessiert und bindet, vielleicht weil sich Männer mit Identitätskrise darin wieder finden. Eine Augenweide ist die noch unbekannte Schweizerin (Melanie Winiger ) als rassige Latino Braut, sei es lingual oder horizontal. Alles andere ist nur anwesend, weil es im Buch steht, solide und fällt nicht weiter auf. Schade, gerade Checko – Pitschis Politessen Kumpel, hätte mehr Buchseiten und dadurch mehr Filmminuten verdient gehabt.

Fazit: Gebremster Spaß! Mit etwas mehr „Finger in den Po“ Szenen anstatt ausgelutschte, platte Kalauer zu servieren und dazu zum x-ten mal den „Es gibt nur ein Rudi Völler“ Sound anzubieten – hätte sich endlich eine deutsche Nicht – Til Schweiger – Komödie an die Kinospitze setzen können. So bleibt es nur mittelmäßiges Ablachen ohne groß in Erinnerung zu bleiben.

Wertung: 4,5 / 10

10 – Meisterwerk
8-9  sehr gut
6-7 gut
5  Ziel erreicht
3-4 grad noch wach geblieben
1-2 Geldverschwendung
0 – Geld zurück verlangen

 

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