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Filmkritik: Planet der Affen – Prevolution

Posted by By at 11 August, at 11 : 14 AM Print

Filmkritik: Planet der Affen – Prevolution

 von Ilija Glavas

PLANET DER AFFEN: PREVOLUTION

(OT): Rise Of The Planet Of The Apes

Regie: Ruppert Wyatt

Besetzung: JAMES FRANCO, FREIDA PINTO, JOHN LITHGOW, BRIAN COX, TOM FELTON, DAVID OYELOWO , ANDY SERKIS, TYLER LABINE, JAMIE HARRIS, DAVID HEWLETT

Will Rodman (James Franco) ist ein junger, engagierter Wissenschaftler, der zusammen mit seinem Vater (John Lithgow), ebenfalls ein Forscher, Heilmittel für Menschen erforscht. Ein vielversprechendes Mittel, in das Will viele Hoffnungen setzt, testet er in einem hoch-modernen Labor an Affen. Ein besonderer Affe namens Caesar (Andy Serkis) wächst ihm dabei ans Herz. Das Mittel scheint zu funktionieren. Doch plötzlich ruft es noch ganz andere, unerwartete Reaktionen hervor. Die Primatenforscherin Caroline (Freida Pinto) unterstützt Will auf der Suche nach den Ursachen – und den Folgen!

Filmkritik:

Ein Knaller! Großartiges Affentheater mit Herz und Tiefgang.

PLANET DER AFFEN: PREVOLUTION ist ein Prequel der beliebten Planet der Affen-Franchise. Dieser hat allerdings wenig mit seinen fünf Vorgängern zu tun. Am ehesten kann man dieser Version eine Neuinterpretation des 4.Teils der alten Filme unterstellen. Das Tim Burton Remake von 2001 mit Mark Wahlberg – ein etwas unterschätzter Film – versuchte es mit einem Zeitreise – Paradoxon.

Prevolution nutzt eine andere Sichtweise. Hier steht der Schimpanse Caeser im Vordergrund. Die Story wird aus seiner Sicht im Hier und Jetzt erzählt. Planet der Affen: Prevolution hat diese Verbindungen zu Schimpansen-Paar Cornelius und Zira nicht – auch wenn deren Sohn Caesar hieß und immense Parallelen zum aktuellen Caesar aufweist. Dank der atemberaubenden Tricktechnik der Weta-Studios ist der „NEUE“ erstmalig ein richtiger Schimpanse. Im Gegensatz zu Gollum oder den Na’Vi aus „Avatar“, ist es natürlich deutlich schwieriger, computergenerierte Affen als real anzunehmen, weiß man doch in der Regel, wie die Burschen aussehen. Klar, bei 100% sind wir tricktechnisch immer noch nicht, was aber nach wenigen Minuten komplett vergessen ist. In fast jeder Szene und Einstellung geht die digitale Machart komplett auf und eröffnet ganz neue Gefühlswelten, auch dank der brillianten Leistung des „unsichtbaren“ Darstellers Andy Serkis ( Herr der Ringe – Gollum ), der definitiv das bisherige Highlight seiner Karriere abliefert. Eine grandiose, lebendige Verkörperung einer nicht menschlichen Figur. Es wird Zeit, dass Andy Serkis die Anerkennung erhält, die er verdient. Doch abgesehen davon – was für ein Hammer Streifen ist das bitte geworden.

Die Ähnlichkeit zu Teil 4 der originalen Reihe sind – wie oben erwähnt – deutlich und doch atmet dieser Film eine ganz andere Luft, gibt sich eigenständiger, gefühlvoller, kraftvoller und selbstbewusster und schlägt den Zuschauer von der ersten Minute an in seinen Bann. Prevolution ist ein Pfund eines Charakterdramas, getarnt als Blockbuster. Auch wenn Fans der alten Reihe jetzt vom Stuhl fallen: Das ist der beste Planet der Affen der gedreht wurde. Ein klasse, emotionsgeladenes Script – fein nuanciert, clever angelegt. Diese perfekte Story Balance entscheidet sich gegen eine spirituelle Erklärung der Evolution. Die Art wie die plötzliche Weiterentwicklung der Primaten erklärt wird, der wissenschaftliche Ansatz, funktioniert ohne ruckeln. Die Menschen, in ihrem Drang gottähnlich zu werden – betreiben Forschungen. Mit ihrem Willen zur Veränderung, schaufeln sie sich damit ihr eigenes Grab. Der haarige Revoluzzer Caeser steht hier für den Drang nach Selbstbestimmung ( ohne jetzt zu sehr auf die Sklaverei-Schiene aufzuspringen ). Er steht für einen sehr emotionalen Aufruf nach persönlicher Freiheit, Zugehörigkeit zu Rasse und Familie. Durch Andy Serkis erhält Caesar eine subtile Gestik. Die Mimik und das Mienenspiel ist einfach grandios. Damit schafft er es, sich in die Herzen der Kinofans zu spielen. Ebenso ans Herz wächst einem Will, den James Franco wunderbar verkörpert. Die Situation um seinen Alzheimer kranken Vater wird mit viel Feingefühl und gemäßigtem Tempo erzählt.

Der Ausbruch und Revolte ist so spannend, faszinierend und stark inszeniert, dass einem die Luft wegbleibt. Keinen Moment lang zweifelt man an der Glaubwürdigkeit. Die subtil angelegte Wut der Primaten findet sich am Ende im kurzen Actionhöhepunkt, welcher keineswegs nur ein spektakulärer Bombast-Abschluss um des Bombast – Abschluss – Willens ist. Selbst in der Action ist dieser Film dynamischer, ergreifender und emotionaler, als das meiste Vergleichbare. Genau das verpassen viele große, vermeintliche „Publikums“ Filme, dass uns die handelnden Figuren etwas bedeuten. Dazu veranstaltet die Kamera einige sehr bewegende, computerunterstützte Ausflüge, die einen in die Hände klatschen lassen. Unter den Affen ragt Caesar natürlich hervor, aber es gibt haarige Nebenfiguren, wie einen unheimlich-majestätischen Orang-Utan oder die tobende Naturgewalt eines Gorillas, sowie weitere Schimpansen, die ebenfalls ernsthafte Charaktere und Figuren sind. Es ist ein Mode-Wort, aber je mehr Laufzeit der Film erhält umso mehr sprudelt Prevolution förmlich über vor „epischen“ Szenen. Die Momente sind pure Kraft und Emotionalität –  unterstützt von einem Score, der die richtige Dosis Pathos und Melodramatik in den Kinosaal verteilt.

Alle bekommen ihre großen Momente. Am fantastischen Ende, bei dem man am liebsten laut applaudieren und heulen will, vor Rührung und Spaß, über magische Momente und einen Blockbuster Film, der mit seinen Figuren, seinen Ideen und seiner Handlung nahezu alles richtig macht.  Das wenig schlechte ist in den Nebenrollen zu finden. Freida Pinto dient in ihrer Rolle als Francos Freundin nur als Spiegel für Caesar, dass ihm ein Partner fehlt. Mehr hat sie nicht zu tun. „Draco Malfoy“ Tom Felton gibt einen einfältigen bösen Vollpfosten im Affenheim. Sein Filmvater –  Brian Cox – spiegelt allenfalls eine durchtriebenen, geldgierigen Schleimbeutel wieder, ohne weiter groß aufzufallen. Das selbe gilt für die Gen-Sys Gesellschaft, welche stupide Geldgeil ist und die typische Forschungslabor – alles in weiss – gehaltene Typisierung.

Fazit: Jammern auf hohem Niveau! Der Rest ist ´ne Bombe von Film. Planet der Affen: Prevolution ist kein super intelligentes Popcornkino, sondern ein extrem faszinierendes, hochemotionales, nie langweiliges und vielschichtiges Blockbuster-Charkterdrama mit einem brachialem Showdown. Definitiv ein absolutes Highlight dieses Jahres , und einer  der besten Filme  seit Jahren. Seht her – so geht Kino, ohne 3D!

Wertung: 9,5 / 10

10 – Meisterwerk
8-9  sehr gut
6-7 gut
5  Ziel erreicht
3-4 grad noch wach geblieben
1-2 Geldverschwendung
0 – Geld zurück verlangen

hier geht es zum Kinotrailer:

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