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Filmkritik: Klitschko

Posted by By at 26 Mai, at 12 : 53 PM Print

Filmkritik: Klitschko

von Ilija Glavas

kinotrailer, neue KinofilmeKlitschko – Dokumentation, Drama ( 2010 )

Regie: Sebastian Dehnhardt

Mit: Vitali und Wladimir Klitschko, Natalya Klitschko, Mama und Papa Klitschko, Fritz Sdunek, Emanuel Steward, Don King, Larry Merchant, Manager Bönte, Chris Byrd, Lamon Brewster,  Lenox Lewis u.a

Kinostart: 16. Juni 2011

Story: Der mitreißende Kinofilm erzählt die faszinierende Geschichte der berühmtesten Boxbrüder der Welt: Von der vom sozialistischen Drill geprägten Kindheit in der Ukraine, über die ersten Erfolge als Amateure, den Umzug nach Deutschland, bis zum Aufstieg zu internationalen Superstars des Boxsports, die kurz davor stehen, die Weltmeistertitel von fünf Boxverbänden zu halten. Dabei werden auch Niederlagen und Rückschläge, der steinige Weg zur Spitze, die verzweifelten Karrieretiefs und triumphalen Comebacks sowie die Konflikte zwischen den Brüdern nicht ausgespart.

Filmkritik

Ein 110 Minuten langer Kinnhaken

Wenn Dr. Steelhammer und sein Bruder Dr. Eisenfaust im Ring zuschlagen, wächst weder Gras noch Fallobst. Wladimirs linke Führungshand und Vitalis vernichtende rechte Eisenfaust – Cross zum Kopf des Gegners, bringen auf der großen Leinwand den Boxsport mitten ins Kinopublikum.  Die Dokumentation zeigt eindrucksvolle Bilder aus der Kabine, dem Trainingslager und einer bösen Augenverletzung von Vitali. Hier wird deutlich warum man Fußball, Baseball oder Basketball spielt – Boxen spielt man nicht. ( Zitat eines Sportreporters ).

Good Guy, Bad Guy

Wer die Klitschkos bisher nur „nebenbei“ verfolgte wird hier ein ganz anderes Bild der Brüder bekommen. Mit Archivmaterial und Originalaufnahmen wird der Weg an die Weltspitze des Boxsports chronologisch aufgearbeitet. Emotionsgeladene und gefühlvolle Interviews mit den Eltern, Trainern und ehemaligen Gegnern . Der steinige Weg aus der Ukraine bis zu ersten Bundesliga Box Erfahrung in Flensburg – sind nur ein Bestandteil dieser imponierenden Dokumentation. Bei den Worten von Lennox Lewis oder Chris Byrd wird deutlich, wie symphatisch diese Kerle sind. Aufgezeigt wird, dass der Boxsport und das Ballli-hoo einfach als Showelement dazu gehören. Good Guy , Bad Guy.

Es gibt sehr schöne Momente, welche die Brüder beim Schach spielen, schwimmen oder bei ihren Kite Surfing versuchen zeigen – Tipp: Abspann anschauen. Hat man bisher gerätselt warum die Klitschkos nie bei Don King unterschrieben haben – Vitali wird es genau erklären. Larry Merchant ( der Journalist und Kommentator mit dem obigen Zitat ) kommt genau so zu Wort wie der Manager, Vitalis Ehefrau, Ärzte und Freunde. Diese erklären viele Details und Gefahren beim Boxen. Worauf es denn nun ankommt, bevor man seine Birne hinhält. Schliesslich erfährt man, zur Überraschung, dass auch bei den harten Boxern die Kleinigkeiten wichtig sind.

Mitten ins Gesicht

Der Zuschauer sollte sich auf kompromisslose Bilder aus dem Ring vorbereiten. Hat man bisher die Kämpfe am TV Bildschirm verfolgt – bringen einen die Kinoleinwand und der Sound mitten in den Boxring. Ein Live Feeling entsteht – so, als ob man direkt in Reihe 1 sitzen würde. Besonders gut gelungen ist die Darstellung der emotionalen Bindung unter den Brüdern. Auch Meinungsverschiedenheiten bleiben nicht aus. Einige Einstellungen transportieren den Blickwinkel Vitalis bei Wladimirs Kampf und umgekehrt. Die Perspektivwechsel und O-Ton Einbindungen vom Ring,  sind das Salz in der Wunde des Gegners. Packend geht man in Deckung bei den Schlagversuchen des Gegners und mit zu Boden wenn die krachende Rechte einschlägt. Die Kamera ist dabei niemals hektisch sondern fängt die emotionalen Momente fantastisch ein. Die Schläge kommen teilweise in Slow Motion , wie man sie im TV nicht zu sehen bekommt.

Die Schwäche der Dokumentation liegt in der sehr kommerziell erzählten Geschichte. Wer hier eine Doku ala „Mitten im Leben“ erwartet, sollte lieber weiterhin Schrott-TV schauen. Die Klitschkos bietet für den Fan von Dramen und persönlichen Schicksalen zu wenig – wer deswegen ins Kino geht wird nach der ersten Runde ausgeknockt aus dem Saal getragen. Die Doku bringt die Menschen näher, ihre sportliche Ziele, Motivationen und Niederlagen.  Der Sound, die Musik – alles stimmig und greifbar. Sobald man den Kinosaal betritt, die erste Szene im Kinofilm mit dem Aufbau des Boxringes erstrahlt, sitzt man bis zum Ende hochkonzentriert – wie ein Boxer – im Kinosessel und geht in Deckung. Wenn dazu die Einmarsch Musik „Hells Bells“ ertönt – ist man voll dabei und Hochkonzentriert. Am Schluss – wenn man, nach einem 110 min. langen Kinnhaken, das Kino verlässt, ist man froh: Es war zum Glück nicht in 3D.

Fazit: Dem Regisseur sind wundervoll komponierte Bilder gelungen, die keine menschliche Dramen außerhalb des Boxringes erzählen. Schliesslich erfreuen sich die beiden bester Gesundheit. Anteilnahme bleibt den sportlichen Niederlagen geschuldet. Der Kinogänger wird mitleiden, Kopfschmerzen bekommen und das Kino mit einer gefühlten Gehirnerschütterung verlassen. Ein 110 Minuten langer Boxkampf, zeigt warum man Boxen nicht spielen kann. Das Motto könnte Max Schmeling nicht schöner formulieren: Niemals liegen bleiben. Gilt auch für Nicht -Boxfans.

Wertung: 7,5 / 10

10 – Meisterwerk
8-9  sehr gut
6-7 gut
5  Ziel erreicht
3-4 grad noch wach geblieben
1-2 Gelverschwendung

0 – Geld zurück verlangen

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