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Filmkritik: Freunde mit gewissen Vorzügen

Posted by By at 8 September, at 10 : 56 AM Print

Filmkritik: Freunde mit gewissen Vorzügen

von Ilija Glavas

Titel: Freunde mit gewissen Vorzügen ( USA 2011 )

Regie: Will Gluck

Besetzung: Mila Kunis, Justin Timberlake, Jenny Elfman, Patricia Clarkson, Richard Jenkins, Woody Harralson, Shaun White u.a.

Story:

Die junge New Yorker Headhunterin Jamie (MILA KUNIS) überredet den aufstrebenden Dylan (JUSTIN TIMBERLAKE), seinen Job in San Francisco zu kündigen und einen neuen im Big Apple anzutreten. Obwohl sich die beiden sofort voneinander angezogen fühlen, erkennen sie in sich all das, wovor sie in früheren Beziehungen immer geflüchtet sind, und entscheiden sich daher, nur gute Freunde zu werden.Freunde mit gewissen Vorzügen. Jamie und Dylan scheinen das perfekte Arrangement für sich gefunden zu haben – bis sie feststellen, dass an alles im Leben immer auch bestimmte Bedingungen geknüpft sind.

Filmkritik:

Großartig pointiertes Dialog – Feuerwek.

Moment, sagt sich hier der Kenner und der Neuling staunt. Das lief doch letztens schon im Kino? Was wie ein Remake von „Freundschaft Plus“ wirkt macht vieles besser, als die ähnlich angelegte Story mit Ashton Kutcher und Natalie Portman.

Der Dank geht daher an die tolle Regie von Will Gluck, einem noch besser aufspielenden Hauptdarsteller-Duo und insbesondere dem sensationell pointierten Drehbuch, dessen Dialoge das schwächere letzte Drittel vergessen lassen. Der Schlussakt verheddert sich leider im Netz des Hollywood gängigen Klischees.

Will Gluck hat im letzten Jahr mit „Einfach zu Haben“  im Alleingang die Teenie-Komödie gerettet, dieses Jahr soll nun die romantische Komödie gerettet werden. Jamie ( Kunis ) und Dylan ( Timberlake ) umschiffen die Genre Klischees gekonnt und dadurch verkommt „Freunde mit gewissen Vorzügen“ nicht  zur  „sich selbst auf die Schippe nehmenden“ Groteske ala Scream– auch wenn diese durch einen herrlich schräg überzogenen Film-im-Film in dem Jason Segal ( „How I Met Your Mother „) und Rashida Jones das Liebespaar geben, parodiert werden. Der Kern ist eine sehr einfache Geschichte mit viel Wortwitz und rasanten Dialogfeuerwerk  – mit dem Ergebnis, dass „Freunde mit gewissen Vorzügen“ endlich wieder einmal eine Romcom ist, die sich nicht  in eine Komödien – oder eine Romanzen Schublade stecken lässt. Da das Tempo stets hoch gehalten wird und eine unglaublich hohe Treffsicherheit an Pointen bietet, welche auch im letzten Akt nicht weniger werden, drückt man dann doch gerne ein Auge zu, wenn am Ende doch wieder die großen romantischen Pakete ausgepackt werden. Diesen Selbstverrat der Regie lassen die Darsteller vergessen.

Jamie ( Mila Kunis ) hatte den aufstrebenden Art Director Dylan zuvor vom relaxten Los Angeles in das hektische New York geholt und ihm anschließend dabei geholfen, sich in der pulsierenden Metropole zurecht zu finden. Dabei merkten zwar beide schnell, dass es zwischen ihnen funkt, wussten aber nach den Komplikationen ihrer vorherigen Beziehungen gleichzeitig, dass eine neuerliche Liebesbeziehung unweigerlich in einem Fiasko enden würde. Der freiwillige Verzicht auf Gefühle scheint daher die ideale Lösung zu sein – was Dylan mit einem Tennisspiel vergleicht.

Mila Kunis und Justin Timberlake feuern sich ihre Dialogsalven – mit einem Schwur auf eine Bibel App –  in einem derartigen Tempo um die Ohren, dass selbst Tennisprofis Mühe hätten diesem Wortwechsel zu folgen. Mila Kunis schafft es dabei zu jeder Zeit, ihren natürlichen Charme zu wahren. Dass ihre Rolle zudem deutlich offenherziger angelegt ist als Natalie Portmans in „Freundschaft Plus„, wird wohl vor allem bei männlichen Kinogängern für freudiges Karten kaufen sorgen. Anders als bei Ashton Kutcher in „Freundschaft Plus“ ist es hier nicht Justin Timberlakes Aufgabe, lediglich den Türöffner zu spielen und sich artig zu verbeugen und Mila Kunis freundlich anzulächeln, sondern vielmehr Kunis‘ Verbalattacken standhaft entgegenzutreten. Zusammen versprühen sie so eine unglaubliche Leichtigkeit und Coolness, die dem Film ausgesprochen gut steht.

Die Nebendarsteller sind bis in die kleinste Rolle hervorragend besetzt. Herrlich: Patricia Clarkson („Einfach zu haben“) darf hier als Überbleibsel der Hippie Bewegung – Jamies Drogen- und Freie – Liebe – verbreitende Single-Mutter, die sich (als Running Gag) nicht mal mehr an die Nationalität von Jamies Vater erinnern kann, erneut großartig aufspielen. Ebenso für etliche Lacher gut ist  Woody Harralson („Zombieland“), der als schwuler Sportredakteur von Dylans neuem Arbeitgeber auftritt. Etwas ruhigere Parts bedienen Richard Jenkins („Ein Sommer in New York – The Visitor„) und Jenna Elfman („Glauben ist Alles„), die in einem etwas schwächeren Nebenplot Dylans alzheimerkranken Vater und seine alleinerziehende Schwester spielen. Hier sei die Frage gestattet warum in den letzten Filmen Hollywoods jeder „Filmpatient“ an Alzheimer leidet?!

In einer wunderbar parallel gefilmten Anfangsszene finden sich außerdem noch Emma Stone („Einfach zu haben„) und „Saturday Night Live„-Comedian Andy Samberg („Hot Rod„) Der überraschend selbstironische Profi-Snowboarder  Shaun White spielt sich – und das  sehr unterhaltsam.

Fazit: Regisseur Gluck hat mit „Freunde mit gewissen Vorzügen“ einen der besseren Date Filme geschaffen. Abstriche gibt’s wegen Feigheit vor den Hollywood Klischees, welche zu Beginn so toll umgangen wurden. Sehenswerter wird es dieses Jahr im Romcom Fach trotzdem nicht mehr. Screwball Elemente, tolle Darsteller und Dialoge bringen viel Spass und Lacher in diese „Romantic Comedy“ . Wer richtig ablachen möchte, sollte sich dieses Feel Good Movie nicht entgehen lassen – mit oder ohne Freund(in), dafür mit filmischen Vorzügen.

Wertung: 7,5 / 10

10 – Meisterwerk
8-9  sehr gut
6-7 gut
5  Ziel erreicht
3-4 grad noch wach geblieben
1-2 Geldverschwendung
0 – Geld zurück verlangen

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