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Filmkritik: Dredd 3D (OV)

Posted by By at 10 Oktober, at 19 : 21 PM Print

Filmkritik: Dredd 3D (OV)

von Ilija Glavas

Titel: DREDD 3D (OV)

Regie: Peter Travis

Besetzung: Karl Urban, Lena Headey, Olivia Thirlby, Domhnall Gleeson u.a.

Story:

Mega City One – eine gigantische Metropole voller Gewalt, Chaos und Verbrechen inmitten des düsteren und zerfallenen Amerikas. Die Bewohner leiden und immer mehr verfallen der neuen Droge Slo-Mo, die sie die Realität in extremer Zeitlupe erleben lässt. Einzig und allein die „Judges“ können gegen die Verbrechen in ihrer Stadt ankämpfen, nur sie haben die Macht als Richter und Vollstrecker für Recht und Ordnung zu sorgen. Dredd (Karl Urban), als oberster „Judge“ gefürchtet, will die Stadt von ihren Plagen befreien. Zusammen mit seiner neuen Rekrutin, Cassandra Anderson (Olivia Thirlby), nimmt er den Kampf gegen Ma-Ma (Lena Headey) auf, eine Drogenbaronin, die eiskalt über den größten Slum der Stadt herrscht. Als Dredd und Anderson einen Handlanger aus ihrem skrupellosen Clan zu fassen kriegen, entfacht Ma-Ma einen erbitterten Krieg, in dem sie vor nichts zurückschreckt, um ihr Imperium zu schützen. Die Zahl der Todesopfer steigt und auch Dredd und Anderson müssen in diesem erbarmungslosen Kampf an ihr Äußerstes gehen, um am Leben zu bleiben…

Filmkritik:

200 Stockwerke voll düsterem Bodycount Spektakel !

Training Day mit Judge Dredd. Alles was die Version von 1995, mit Sylvester Stallone, falsch machte – korrigiert der neue Dredd. In den 90er Jahren  versuchte man einen familienfreundlichen Trashfilm zu bieten, mit Kannibalen, Klonen, einem nervenden  Sidekick mit dauergequatsche – Rob Schneider- und weiteren Schnickschnack. Die Szenen waren zu plump für ein Familien Event, zu trashig für Sci – Fi Fans, einfach gesagt – weit weg von der düsteren und dystopischen Comicvorlage. Daher war man sehr gespannt, was Peter Travis´neue Interpretation zu bieten hat.

Einiges! Ernster, düsterer und der Film spielt an nur einem Tag. Ein Tag, an dem Dredd eine neue Rekrutin anlernen soll. Training Day der Zukunft, in einem Hochhaus mit 200 Etagen. Wenn jetzt hier jemand anmerken möchte, dass man dies schon dieses Jahr im  asiatischen „Raid“ gesehen hat, bekommt er als Antwort – ja, stimmt. Es ist quasi das Schusswaffen – Pendant zu „The Raid“, mit weniger spektakulärer Action, dafür mehr Handlungs stärke. Regisseur Peter Travis schraubt den Film  hoch, zu hoch um langweilig zu sein.  Mit seiner neuen Kollegin Anderson, fegt der neue Dredd über die Stockwerke, räumt mit finsterer Miene Flur für Flur voller Bösewichte leer. Es wird fachmännnisch ein stattlicher Bodycount aufgetürmt. Ganz im Stile eines Punishers oder Rambo, kennt Dredd keine Gnade. Mit aller Härte geht er vor und liefert uns einen reinen Genrefilm: ACTION PUR!  Trotz allem muss sich der Film erst einmal dem Publikum beweisen. Wie erwähnt zum einen die Szenerie in einem Hochaus. Die Action ist interessant, da die Chefin der Bösewichte, Madaleine „Ma-Ma“ Madrigal den Judges immer schwierigere Hürden vorsetzt.

Judge Dredd wirkt zunächst einsilbig aber ist nie die unbesiegbare Supermaschine, sondern geht manchmal wie ein Guerilla Kämpfer vor, oder hat einfach Glück.  Das macht ihn greifbarer, menschlicher, in einer Welt – wo die Judges die Gesetze der Gesellschaft kontrollieren ohne jemals wirklich ein Teil dieser zu werden.  ebenso überrascht der Symphatiefaktor für den Mann mit dem roten Kübel.  Zu Beginn wirkt er, als Gesetzes – Lord – Helmchen,  wie der Vorzeige Robocop von OCP.  Karl Urban, der im ganzen Film nicht einmal den Helm abnimmt und fast ausschließlich die Mundwinkel hängen lässt und fies dreinschaut, lässt immer wieder erahnen, dass hinter der harten Schale doch noch ein Mensch steckt. Wenige Sekunden des Zögerns, des Humors, der Vergebung, der Sympathie für seine Kollegin zeigen leicht, dass Dredd sehr wohl fühlen, eigenständig denken kann und eventuell sogar einen ersten Wandel erlebt. Eine Rolle, die den frühen Clint Eastwood Filmen sehr nahe kommt.

Seine Kollegin Anderson, sehr toll verkörpert von Olivia Thirlby ( Darkest Hour ) wirkt zuerst fehl am Platz, wie ein unbeholfener Klotz am Bein. Eine Frau mit nur 1,60m , die sich  mit zittriger Händen in die Höhle voller Killer und Vergewaltiger begibt?!  Aus einem ersichtlichen Opfer wird eine toughe, glaubwürdige Partnerin, die ihre körperliche Schwäche mit Telepathiekräften ausgleicht, mit denen sie Gedanken lesen und Feinde verwirren kann. Ein Charakter, der sehr gut zum Minimalisten Judge Dredd passt, mit dem sie ein interessanteres Gespann abgibt.  Interessant bleibt, dass trotz Gemetzel von etage zu Etage, die Charaktere einen immer mehr interessieren als das Geballer auf dem Flur.

Der Gegner bietet zwei bekanntere Gesichter: Wood Harris, bekannt als Avon Barksdale  aus „The Wire“ liefert einen verzweifelten Dealer ab, den Dredd und Anderson durch das ganze Gebäude mitschleifen müssen. Er weiss, dass er entweder von den Cops als Täter oder aus den eigenen Reihen als Verräter getötet werden wird, und lässt daher nichts unversucht, zu fliehen. Als Clan Chefin steht Lena Heady (300, Game of Thrones) bereit, die eine passable Anführerin abgibt, die sich auch nachvollziehbar verhält – obwohl sie hier einen besseren Showdown verdient hätte. Dass Dredds Reboot für einen Actionfilm außerodentlich schick umgesetzt ist, ist kein Zufall. Regisseur Travis arbeitet hier mit Ausnahme-Kameramann Anthony Dod Mantle (Slumdog Millionär, 127 Hours) zusammen, der die dunkle Dystopie vor allem in Drogenrauschszenen visuell effektiv einzufangen weiß. Auch die Musik, elektronisch, treibend-pulsierend, passt gut zum Rest. Das Gesamtkonzept lässt Dredd trotz „relativ“ geringen Budgets von nur 50 Millionen Dollar folglich stimmig wirken. Das 3D in DreDD? Sehr hochwertig umgesetzt, mit schöner Tiefenwirkung. Im Film gibt es eine Droge namens Slo-Mo, in der Süchtige alles in Zeitlupe und glitzernd erleben – Travis nutzt dies besonders fies, um vielen der Gegner Dredds Gewalteinwirkung in aufpolierter Zeitlupe spüren zu lassen.  Das alleine ist schmerzhaft anzusehen – wirkt dabei wie ein Kunstwerk für sich alleine. 

Fazit: Der neue Dredd ist pure, knallharte Action. Ein Film er keine Kompromisse eingeht und dies auch nicht benötigt. Er ist gelungene, weil schlichte, flexible und charismatische Geschichte mit tollem 3D. Ein Genrefim für jeden Actionfan, da hier einige Genreklischees bedient werden: Dubstep , junge Darsteller, diverse Verweise auf Popkultur, Gewaltszenen, Frauen in der Opferrolle. Alles in allem – bum bum in ekstatischer Zeitlupe bis das Blut die Leinwand komplett ausfüllt!

 Wertung: 7,5 / 10

10 – Meisterwerk
8-9  sehr gut
6-7 gut
5  Ziel erreicht
3-4 grad noch wach geblieben
1-2 Geldverschwendung
0 – Geld zurück verlangen

 

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