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Filmkritik: Die Drei Musketiere 3D

Posted by By at 23 August, at 15 : 16 PM Print

Filmkritik: Die Drei Musketiere 3D

von Ilija Glavas

Titel: Die Drei Musketiere 3D  (2011)

Genre: Action, Komödie

Regie: Paul W.Anderson

Besetzung: Logan Lerman, Milla Jovovich, Matthew Macfadyen, Ray Stevenson,
Luke Evans, Mads Mikkelsen, Gabriella Wilde, James Corden, Juno Temple, Freddie Fox, Til Schweiger , mit Orlando Bloom und Christoph Waltz

Story:

Frankreich im 17. Jahrhundert. Gleich an seinem ersten Tag in Paris legt sich der junge D’Artagnan (LOGAN LERMAN) mit den Musketieren Athos (MATTHEW MACFADYEN), Porthos (RAY STEVENSON) und Aramis (LUKE EVANS) an. Doch als er mit geschickter Klinge die Truppen des Fieslings Rochefort (MADS MIKKELSEN) in die Flucht schlägt, nimmt das Trio den jungen Abenteurer in ihrem Kreis auf. Gemeinsam müssen sie einen drohenden Krieg zwischen Frankreich und England abwenden, den der machthungrige Kardinal Richelieu (CHRISTOPH WALTZ) und die teuflische Milady de Winter (MILLA JOVOVICH) herbeiführen wollen. Opfer ihrer Intrige sind der leichtgläubige König Louis XIII. (FREDDIE FOX) und der Herzog von Buckingham (ORLANDO BLOOM). Der Auftrag stürzt die Vier in atemberaubende Abenteuer zu Lande, zu Wasser und in der Luft und führt sie an die geheimsten Orte und in die gefährlichsten Situationen. Um zu überleben, haben sie nur eine Chance: Einer für alle! Alle für einen!

Filmkritik:

Plattes Degenfuchteln in pompöser Optik

Im Abspann kann man lesen, dass der Film Bernd Eichinger gewidmet wurde. Bernd Eichinger bürgte mit seinem Namen der  Constantin Filmproduktionen für Qualität. Ob es Filme wie „Der Name der Rose“, „Das Geisterhaus“ und „Das Parfüm“ waren – er legte immer sehr viel Wert auf die Auswahl von Bekannten Schauspielern und eines Top Regisseurs. Paul W. Anderson zeigte seine Künste zuletzt mit der Verfilmung von „Resident Evil: Afterlife„. Diese beschränkten sich auf Action, Zeitlupenoptik und weniger mit einem Fokus auf eine gute Story. Mit einem Klassiker der Literatur in Alexandre Dumas´s „ Die Drei Musketiere“ hatte man den Stoff für eine tolle Umsetzung. Zeitgemäß und modern sollte dieser interpretiert werden. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Paul W.Anderson hat es geschafft, dieser gradlinig erzählten Story absolute Spannungsarmut zu verpassen. Dazu etliche Spezialzeitlupen und Luftschiffkämpfe. Unfreiwillig wartet man auf den Auftritt von Jack Sparrow und seinem Piratenschiff. Dabei fragt man sich wieso sind diese Luftschiffe da?! Der Fan von Dumas Romanvorlage und  Kenner der alten Filme, erwartet bei diesem Titel Degenkämpfe, Duelle, rasende Kutschen und Vollspeed – Reiten im 17. Jahrhundert. Das ist leider alles nicht vorhanden. Das Drehbuch schafft es nicht dieser bekannten Story mehr Power und Spannung zu verpassen. Substanz wäre vorhanden. Bleibt der Humor. Denkste, der bleibt ja, aber auf der Strecke.

Ein platter Sidekick ( James Corden ), welcher ebenso Platt sein „ Ich will essen“ und „ Och, nie darf ich was leisten“ Standardspruch abliefert – ist nicht witzig, Herr Anderson – und schon in zig anderen Filmen gescheitert. Die Musketiere selbst sind, sagen wir es mal höflich, vorhanden. Leere, uninspirierte Wesen – dabei ist jeder für sich ein interessanter Charakter. Das wird gnadenlos vom Drehbuch ignoriert! Charakter? Wozu?

Der Film beginnt mit der Vorstellung der Musketiere im Einsatz, welcher mehr an das Game  „Assassins Creed“ erinnert. Was als zeitgemäß gemeint war – wird auch im weiteren Verlauf deutlich, allerdings mit noch einem Fragezeichen über dem Kopf des Zuschauers. Das ist nicht nur diese Videospiel Ästethik, sondern auch die Zeichnung der Figur des D Ártagnan. Logan Lerman ist hier ein Milchgesichtiger Bubi, der den Teenies den Stoff von Dumas nahe bringen soll. Eine vollkommene, blasse Leistung bleibt in Erinnerung. Sei es sein loses, vorlautes und arrogantes Auftreten oder seine Übernahme der Befehlsgewalt bei den Musketieren – völlig unglaubwürdig, deplatziert und nicht nachvollziehbar. Sicher, er ist ein Maulheld – aber dann bitte mit mehr Einsatz, Charme und Charisma. Da kämpft ein D´Ártagnan gegen etliche Schergen des Kardinals, hat Zeit zum Sprüche klopfen und Flirten – wirkt aber nicht. So möchte man ihm den Degen wegnehmen und ihn ohne Essen ins Bett schicken.

Das etliche Leute am Drehbuch wirkten, zeigt sich deutlich. Es ist keine klare Linie zu erkennen. Der Film schwankt zwischen Ernsthaftigkeit und Mantel und Degenklamauk, dazu auch noch so schlecht, dass einem die Popcorn aus der Tüte hüpfen. Das zieht sich leider durch die gesamte Charakterriege – mit Ausnahmen. Ray Stevenson als Porthos bleibt gern gesehen. Völlig misslungen und deplatziert wirkt Milla Jovovich´s Rolle als Milady de Winter, die hier eine Action – Dame mimt, anstatt der Rolle diese dunklen, kalten und teuflischen Züge zu geben. Dazu Orlando Bloom als Buckingham – eine Parodie, aber auf was? Christopher Waltz spielt den Kardinal Richellieu als eine Hans Landa light Version – ohne Hans Landa. Selbst die rechte Hand des Kardinals, Rochefort, ein begnadeter Fechtmeister im Roman, wird von Mads Mikkelsen ( Casino Royal) eher limitiert verkörpert. Schade, den sein Degenduell mit D´Ártagnan ist bestens inszeniert, und zeigt was möglich gewesen wäre. Das betrifft auch die ruhigen Szenen an Originalschauplätzen. Das hat Stil, atmet die Luft der Epoche und der Kinogänger lässt sich gut auf die damalige Zeit ein. Der Score erinnert in manchen Szenen an Batman Begins – und erreicht später das schwache Niveau des Gesamtwerks.

Das Timing der lustigen Szenen ist ebenso daneben geraten wie der seltsame Schnitt und das „Real D“. Die Schlösser, Landschaften und die pompöse Szenerie bieten alle Möglichkeiten den 3D Effekt perfekt zu nutzen. Es bleibt hartes Stückwerk mit netten Szenen. Die Kamera zeigt einige schöne Landschaftsaufnahmen Bayerns, womit der Bewohner des Freistaates seine Freude haben wird. Wirkung hat es in den Kampfszenen – die durchaus gut in Szene gesetzt wurden.

Fazit: Gute Werbung für den Freistaat Bayern aber leider ein vollkommen verkorkstes Remake der beliebten Helden. Tolle Landschaften und Originalmotive (auch wenn deutsches Fachwerk in Frankreich seltsam wirkt) retten den Film über die Ziellinie. Den Filmspass trüben seltsame Waffen im 17.Jahrhundert, die schwache Regie und der überhastet wirkende Plot. Die Chance eine neue Musketier Ära einzuläuten, bleibt aufgrund schlechter Charakterzeichnung nur Wunschdenken. Sollte das Ende auf eine Fortsetzung hinweisen, dann ist das trauriges Hoffen. Aramis sagt es in einer Szene treffend – D´Ártagnan : „Einer für Alle“ – Antwort von Aramis: …und jeder für sich“!

Wertung: 4,5 / 10

10 – Meisterwerk
8-9  sehr gut
6-7 gut
5  Ziel erreicht
3-4 grad noch wach geblieben
1-2 Geldverschwendung
0 – Geld zurück verlangen

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