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Filmkritik: Drive Angry – Fahr zur Hölle 3D

Posted by By at 8 April, at 17 : 53 PM Print

Filmkritik: Drive Angry – Fahr zur Hölle 3D

Filmkritik von Ilija Glavas

DRIVE ANGRY (2011)

Regie: Patrick Lussier
Darsteller: Nicolas Cage, William Fichtner,Amber Heard

Story: Cage ist Milton, ein abgebrühter ehemaliger Trucker, der entschlossen von den Toten zurückkehrt, um einen verrückten Sektenanführer (Billy Burke) dafür zu strafen, seine Tochter getötet, und deren neugeborene Tochter entführt zu haben. Auf der Jagd wird er von einer schlagkräftigen Kellnerin (Amber Heard) begleitet, und von hartnäckigen Cops, sowie einem merkwürdigen Mann im Anzug (William Fichtner) verfolgt. Ein Festival aus Zigarren, Kugeln, Sex, einer Flasche Jack und Leichenbergen – in 3D.

Filmkritik:

Höllische Action als Tarantino Light Version

Moment mal, werden einige sagen, dass klingt nach einem neuen Tarantino-Rodriguez-Grindhouse-Kultstoff! Klingt leider nur danach. Drive ME Angry, sollte der Film eigentlich heissen. Das ist einer dieser Filme, die vollgestopft mit Stars –  allen voran Cage – großes KICK-ASS auf Zelluloid versprechen, um dann die eigenen Erwartungen kopfüber das Klo runter zu spülen. Raue Action, coole Macho-Über-Figuren, schmutzige Muscle-Cars, heisse Frauen und – in 3-D – krasse Shot-In-Your-Face Momente, die sich entweder ernst nehmen und an Steve McQueen erinnernd, tough hoch schaltend denkwürdig in den Sonnenuntergang rasen, während  AC/DC oder Creedence im Radio rocken, oder wiederum so albern sind, dass auch ein „Machete“ applaudieren würde – eins von beiden würde bestes Entertainment versprechen.

„Drive Angrys“ größtes Problem ist leider, dass er nie wirklich weiß, ob er nun packend ernst oder lustig und rasant sein will. Nicolas Cage knallt Leute ab, während er ala „Shoot em Up“ mit einer Frau schläft, man gibt heftig Gas durch Höllenportale und Co-Star William Fichtner, der seine Gegner auch mal mit einer bloßen Münze erledigt, steigt übertrieben cool aus explodierende Autokarambolagen aus, als gehe er zum sonntäglichen Brötchen holen. Einige der zahlreichen Actionszenen sind unglaublich temporeich und mit guten Ideen versehen, doch Regisseur Lussier weiß insgesamt nicht, ob er einen kaltschnäuzigen „Death Proof“ oder doch lieber albernen Action-Klamauk ala „Planet Terror“ machen will.

All der Fun wird durch einen unnötig ernsten Unterton gebremst, der so tut, als hätte Miltons Schicksal irgendeine Tiefe. Es wird große Bedeutung darauf gelegt, dass Cage verdammt ist und gegen jede Höllenmacht seine Enkelin retten will, doch auch wenn Cage selbst relativ leise und nachdenklich wirkt, betoniert der Regisseur seinen Film so sehr mit nackten Brüsten, Amber Heards Hintern in Großaufnahme und CGI-Kugeln, dass man keine Minute lang irgendeine tiefer gehende Emotion verspüren könnte. Dazu kommt, dass sich der Film selbst die Spannung, mit nur zwei kleinen Szenen, nimmt: würde die Öffnungsszene nicht schon direkt verraten, dass Milton geradewegs aus der Unterwelt kommt, würde eine gewisse Mystik entstehen, der man selbst langsam auf den Grund gehen könnte. So wird die Figur des geheimnisvollen Buchhalters (William Fichtner) schon vor Auftauchen völlig entzaubert, da man trotz fehlender Information direkt  weiß, wo dieser her kommt oder wieso er Übernatürliches tun kann. Nicolas Cages Figur verliert schließlich sämtliche Spannung, als gegen Mitte des Films klar gemacht wird, dass er ACHTUNG: Spoiler >aufgrund seines Höllenaufenthalts wie Wolverine ist und selbst Kopfschüsse problemlos heilen kann<. Seine Kämpfe gegen das Böse sind aber auch sonst nicht allzu bedeutsam, denn Burkes Sektenanführer ist ganz ohne Zweifel einer der schlechtesten Filmbösewichte aller Zeiten.

Vollgas mit Kick Down

Im Elvis-Style wandert er umher und drischt hohle Sprüche über das Ende aller Tage und nötige Opfer (was nach späterer Info alles nur leerers Gefasel ist und nichts mit dem echten Teufel zu tun hat), wirkt dabei aber geistig völlig abwesend, als habe er die Zeilen seines Drehbuchs geraucht. Als Antagonist ist er eine völlige Niete und noch charakterloser als Cages schwacher Gegenspieler Wes Bentley in „Ghost Rider“. Cage selbst ist gut, wirkt aber durch das Gewicht seiner Dauerdepri gebremster , als ein abgefuckter Macho vom Type eines Snake Plissken, Duke Nukem oder Machete – um  Oneliner reißend Spaß zu haben, oder zumindest so cool zu sein wie Steve McQueen, Clint Eastwood oder Schwarzenegger in den „Terminator“ Filmen. Sein Film ist Fullspeed, während er im zweiten Gang hinterher fährt. Während David Morse vollkommen hirnlos verheizt wird, Amber Heard bis auf eine Eröffnungsszene nur ein laufendes Set Bild  bleibt und Horror-Legende Tom Atkins („The Fog – Nebel des Grauens“, „Halloween 3“) zumindest ein, zwei Momente bekommt, macht sich der ewig unterschätzte William Fichtner den Film fast zu seinem eigenen. Als eleganter, aber schräger Buchhalter der Hölle lässt er jeden stramm stehen, dominiert immerzu mit gewaltiger Präsenz und schaut Mundwinkel verziehend und Augen rollend zu, wie Burke überhaupt gar nichts aus seiner Antagonistenrolle macht.

Filmtechnisch ist „Drive Angry“ ein Leberkäs mit süssem Senf und Bratkartoffeln von gestern: sämtliche Action-Szenen sind in Ordnung, doch nie sonderlich spektakulär, Lussiers Regie ist solide, verschiedene Computereffekte sind grottenschlecht (die wahrscheinlich schlechtesten seit „Dragonball: Evolution“), die Musik enttäuscht. Anstatt den Film den Autos entsprechend mit klassischen alten Rock-Nummern aufzuwerten, greift man in eine Kiste austauschbaren, relativ modernen Schrotts, wobei „Fuck the Pain Away“ von Peaches noch das nahezu einzige nennenswerte ist. Ein Trauerspiel, bedenkt man, wie sehr allein „Stirb Langsam 4“ von einer einzigen Creedence Nummer profitieren konnte. Das größte Lob, das man „Drive Angry“ aussprechen kann, bevor man abnickt, dass es ein durchaus schaubarer Film ist, der nur einfach nicht wirklich gut ist, ist die Tatsache, dass das 3D in diesem Fall einmal wirklich gelungen ist. Im Gegensatz zu letzten Titeln wie „Gullivers Reisen Da kommt was Großes auf uns zu“ und „The Green Hornet“ direkt und nicht erst nachträglich ins 3D Format verfrachtet, bietet „Drive Angry“ jede Menge Tiefenwirkung und einige lustige, aber nie störende Gimmick-Aufnahmen, in denen verschiedene Dinge gelungen aus der Kamera herausragen. Hat man demnach Interesse am Film und mag 3D, lohnt der Aufpreis.

Fazit: „Drive Angry“ fühlt sich gebremst an, könnte so viel besser sein. Wer sich annähernd damit anfreunden kann, wird den Film mögen, doch das sicherlich nicht allzu hemmungslos  und nicht in dem Maß, das das kultfähige Konzept verdient hätte. Hätte der Film entweder mehr Spannung oder lockeren Spaß, bessere Effekte, schmutzige Oneliner und einen herausragenden Bösewicht, könnte man den Daumen nach weit oben strecken, doch so versauert „Drive Angry“ – der Film heißt übrigens wegen des Nummernschilds des Wagens der Kellnerin so – mit gehobenem Daumen in der Mitte, zwischen möglichem Himmel und möglicher Hölle.

Wertung: 5,5 / 10

10        Meisterwerk
8-9       sehr gut
6-7       gute Unterhaltung
5          gerührt statt geschüttelt
3-4      geht grad noch
1-2       miserabel
0          ohne Worte

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