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Kritik: The Tourist – Leitungswasser statt Champagner?

Posted by By at 15 Dezember, at 23 : 53 PM Print

Kritik: The Tourist – Leitungswasser statt Champagner?

Von Ilija Glavas

Regie: Florian Henckel von Donnersmarck
Cast: Angelina Jolie, Johnny Depp, Timothy Dalton, Paul Bettany , Rufus Sewell, Steven Berkoff

Laufzeit: 97 min.

Story: Der unauffällige Amerikaner Frank (Johnny Depp) reist durch Europa, um eine unglückliche Liebe zu vergessen und trifft im Zug von Paris nach Venedig die atemberaubend schöne Elise (Angelina Jolie). Als sie auch in Venedig seine Nähe sucht, fühlt Frank sich mehr als geschmeichelt. Aber die geheimnisvolle Unbekannte hat seinen Weg nicht zufällig gekreuzt. Nach einer gemeinsamen Nacht verschwindet sie und Frank findet sich plötzlich in einem halsbrecherischen Abenteuer wieder, in dem er gleichzeitig von russischen Killern und einer mit allen Mitteln agierenden Polizei gejagt wird. Frank muss unbedingt herausfinden, in wessen gefährliches Spiel er geraten ist. Und der Schlüssel dazu ist Elise.

Kritik: Als Florian Henckel von Donnersmarck den Oscar für das Stasi-Drama „Das Leben der Anderen” bekam, sagte Steven Spielberg zu ihm. „Das wirst Du niemals verkraften”. Es hat einige Jahre gedauert bis das neue Filmprojekt in trockenen Tüchern war. Nach etlichen Drehbuchüberarbeitungen, diverser weiterer Probleme – wie die Besetzung der männlichen Hauptrolle- kehrte von Donnersmarck zum Projekt zurück. Mit Angelina Jolie und Johnny Depp in den Hauptrollen konnte man nichts falsch machen.

Bei der Umsetzung hat von Donnersmarck ( leider ) vieles falsch gemacht. Die Geschichte ist nicht neu. Bereits 2005 mit Sophie Marceau verfilmt, waren alle Möglichkeiten gegeben, die Fehler des Vorgängers zu beheben. .Anstatt eine neue coole Ära der 50er und 60er einzuläuten, um Filmen wie „Über den Dächern von Nizza” und „Charade” zu folgen- verliert sich der Film im Canale Grande. Das größte Problem des Films ist, dass der Regisseur nicht entscheiden konnte was für ein Film es werden sollte. Die Geschichte ist weder ein Thriller noch eine erfrischende Gaunerkomödie. Kein Romcom-Action-Thriller. Nicht Fisch nicht Fleisch.

Die Probleme der französischen Vorlage sind hier übernommen worden. Angelina Jolie und Johnny Depp wird in diesem Film kaum Möglichkeit geboten ihr schauspielerisches Potenzial abzurufen. Jolie spielt einen laufenden Kleiderständer, mit etwas geheimnisvoller Aura und einem Lächeln, dass ab der zweiten Szene, eingefroren wirkt. Johnny Depp spielt den etwas tollpatschigen Mathematiklehrer sehr limitiert und gebremst. Mehrmals sieht sich der Zuschauer bei Johnny Depp´s Mimik an seine Paraderolle, Jack Sparrow, erinnert – nur ohne Kostüm. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern funktioniert nicht. In den Szenen wo sie gemeinsam auf der Leinwand agieren wird der Film langweilig und Spannung kommt keine auf. Das ganze wird von einem zu aufdringlichen „ ACHTUNG SPANNUNG ORCHESTER SCORE” – musikalisch übertönt.

Der Mafia Clan – angeführt von Steven Berkoff ( Bösewicht-Russe aus „Rambo 2″ ) ist eindimensional, und wirkt wie ein Überbleibsel aus dem kalten Krieg. Die sadistische Ader und sein Hang zur Brutalität ergibt sich aus Erzählungen seiner noch dümmeren Gefolgsleute. Paul Bettany´s ( „Wimbledon” ) Rolle, als Jäger des Scotland Yard, ist auf Verbissenheit reduziert und das Drehbuch erlaubt seiner Figur keinen Spielraum zur Tiefe. Alle weiteren Rollen, der vorhersehbare Plot-Twist lassen den Zuschauer unberührt zurück. Die Action Szenen sind kaum vorhanden und wirken in den wenigen Szenen unfertig, ohne Dynamik und kraftlos.

Erfreulich ist die „europäische Kamera”- die nicht wackelt und daher den Zuschauer nicht mit Schwindelgefühl und kurz vor einem epilleptischen Anfall aus dem Kino entlässt. Venedig wurde selten so schön in Szene gesetzt. Der vorhandene Dialogwitz entsteht nur im englischen Original und wirkt in der deutschen Synchronisation vollkommen deplaziert.

Fazit: The Tourist ist ein langweilig, uninspirierter Film geworden. Als Thriller nicht spannend genug. Wer den ähnlichen “Knight & Day” mochte , wird den Touristen mögen. Die Regie enttäuscht. Chaos beim Drehbuch, wenig Gespür für die Chemie der Schauspieler spiegeln sich deutlich wieder. Statt Champagner wird dem Kinogänger nur Leitungswasser vorgesetzt . Gracias!

Kinomeister – Wertung : 3,5 / 10

10        Meisterwerk

8-9       sehr gut

6-7       gute Unterhaltung

5          gerührt statt geschüttelt

3-4 geht grad noch

1-2       miserabel

0            ohne Worte

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